|
|
Die Besetzung von Wounded Knee
|
Die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts standen im Zeichen auf das Wesen des Indianer-Problems
hinzuweisen und die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf dieses Problem zu
lenken. Die Besetzung von Alcatraz löste eine wahre Kettenreaktion aus. Es verging
kaum ein Monat ohne neuen Aktionen. Indianer des Stammes der Puyallup besetzten das Fort
Lawton auf der Halbinsel Magnolia in der Bucht Puget Sound, wo wie in Alcatraz auch die
Polizei eingreifen mußte. Die heute unbewohnte Insel Ellis Island am Rande von New
York war ebenso Schauplatz von Indianer-Aktionen. Nicht eine dieser Aktionen fand so ein
weltweites Echo wie die Aktion von Wounded Knee.
Wounded Knee ist wohl auch der tragischste Ort der Indianer-Geschichte der Vereinigten
Staaten. Fast vierhundert Dakota - Männer, Frauen und Kinder vom Häuptling Big
Foot waren ohne Grund von Soldaten des 7. US-Kavallerieregiments am 29. September 1890
niedergemetzelt worden. Wahrscheinlich war dieses Massaker an Indianer vom Stamme der
Sioux die Rache der Weißen für die Niederlage in der Schlacht am Little
Bighorn. Für die Indianer war Wounded Knie Mahnmal für die tiefste Erniedrigung
des «Roten Mannes».
Junge und kämpferisch eingestellte Indianer waren die Initiatoren der Aktion Wounded
Knee, die der Organisation AIM - American Indian Movement - angehörten. An der Spitze
der Organisation stand der Ojibwa-Indianer Vernon Bellecourt aus Minnesota.
Für die Aktion Wounded Knee waren aber Dennis Banks und Russell Means zuständig,
beides Mitglieder der Bewegung der amerikanischen Indianer.
Am 27. Februar 1973 wurde durch einige hundert Oglalla Wounded Knee besetzt.
Wounded Knee ist eine Ortschaft in South Dakota, von etwa 60 Hektar Größe, die
nahe der Oglala-Reservation Pine Ridge liegt. Mit elf Geiseln, die nach zwei Tagen wieder
freigelassen worden, verschanzten sich die Indianer.
Die Indianer von Wounded Knee hatten auch Forderungen:
- die Auflösung des von Richard Wilson geleiteten Stammesrat der Oglala
- Überprüfung der 361 mit den Indianern geschlossenen Verträge und durch die
Bundesregierung und den Senat verletzten Verträge sowie
- die Überprüfung der Tätigkeit des Amtes für Indianer-Angelegenheiten
durch den Senat.<
Viel wichtiger als diese Forderungen war aber die demonstrative Rückkehr der Sioux an
den Ort ihrer tiefsten Erniedrigung. Sehr bedeutsam war auch das internationale Interesse der
Ereignisse in dem kleinen Ort.
Wochenlang war Wounded Knee besetzt und genauso lange wurde in Zeitungen und Zeitschriften
und Radio und Fernsehen der ganzen Welt über die Aktion in Wounded Knee berichtet. Nach
Washington wurden die Führer der Indianer von Wounded Knee eingeladen, wo sie ihre
Forderungen erklären sollten.
Weitaus dramatischer als die Besetzung von Alcatraz endete die Aktion Wounded Knee. Es gab
einen Toten wie auch Verletzte. Panzerwagen der Bundespolizei hatten die Ortschaft umstellt.
Am Himmel kreisten Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe.
Vernon Bellecourt wurde nicht lange nach der Akltion von Unbekannten erschossen, ebenso erging
es dem Führer von Alcatraz, dem Mohawk, Richard Oakes, der schwer verletzt wurde. Means und
Banks, die Initiatoren der Wounded Knee-Aktion wurden mehrfach vor Gericht gestellt.
Die Besetzung von Wounded Knee war bis jetzt der Höhepunkt aller Aktionen der
Indianer-Bewegung. | |
|
MEHR INFOS ZUM THEMA
Bücher, CDs, DVDs zum Thema
|