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Die Chichimeken, eine Hochkultur


Als im 11. Jahrhundert n. Chr. das Tolteken-Reich durch eine Dürreperiode in Zentralmexiko zu zerfallen begann, strömten ins mexikanische Hochtal fremde Menschen ein. Sie sprachen einen unbekannten Dialekt, weshalb sie «Menschen einer fremden Sprache» genannt wurden. Sie sind ein Volksstamm der Nahua und gingen unter der Bezeichnung «Chichimeken» in die Geschichte ein.

Der legendäre Häuptling Xolotl hatte einige Nomadenstämme vereinigt und war von Norden her nach Süden in die Mesa Central vorgedrungen. Unterwegs hatte man die Alten und Kranken, die dem Tempo der Wanderung nicht folgen konnten, kurzerhand durch einen Pfeil in den Hals getötet. Als Einwanderer drangen sie ins Toltekenreich ein und verursachten dessen Untergang. Sie zerstörten die toltekische Stadt Tula.

Zur gleichen Zeit als die Chichimeken von Norden her in das Mexiko-Tal vordrangen, sind auch die Azteken in Mexiko angekommen. Der bedeutendste chichimekische Stamm gründete an den Seen der Nordküste ihren kleinen Staat, der Tenayuca als Hauptstadt hatte. In der Stadt wurde zu Ehren des Sonnengottes der Tempel der Schlangen errichtet, der an drei Seiten von insgesamt 800 in Stein gehauenen Schlangen geschmückt ist.

Die Chichimeken hatten einst im Norden in kleinen Gruppen die Grasländer und Steppen durchzogen. Ihre Kleidung bestand aus Fell und sie ernährten sich durch das Sammeln von Wurzeln, Früchten und Samen. Ergänzt wurde die Nahrung durch Honig. Für die Jagd verwendeten sie Pfeil und Bogen.

Die Tolteken ließen sich nach der Zerstörung ihres Reiches in Colhuacan südlich von Tenochtitlán und an anderen Orten des Hochlandes nieder. Jedoch ihre Kunst und Kultur überlebten und beeinflußte die der Chichimeken, Azteken und der Yucatán-Maya. Auch brachten die Tolteken den eingefallenen Barbaren aus dem Norden die Landwirtschaft und den Bau ihrer Häuser bei. Die Tolteken, welche ihre Heimat nicht verlassen hatten, verheirateten sich mit den Chichimeken, so dass sich beide Völker miteinander vermischten. Von den einstigen Jägern und Sammlern entwickelten sie sich zu zivilisierten Ackerbauern. Sie wurden sogar sehr reich durch den Export von Salz, das sie aus dem Seewasser gewannen.

Die Chichimeken rühmten sich ihrer Herkunft und das sie ihrer kriegerischen Veranlagung treu geblieben sind. Die Bewohner von Texcocos und Tlaxcalas machten aus dem Wort Chichimeken einen ausgezeichneten Namen, der bei allen Nahua-Stämmen der Mesa Central geachtet wurde. Chichimeken-Fürsten aus Texcocos verwendeten ihn als Ehrentitel.

Quinatzin - der als vierter Chichimeken-Herrscher von 1298 bis 1357 n. Chr. lebte - ließ den Chichimeken-Staat zu einer Glanzperiode aufsteigen. Er verlegte die Hauptstadt Tenayuca nach Texcocos und führte als offizielle Sprache Nahuatl ein. Von schreibkundigen Mixteken erlernte er dessen Schrift und den Umgang mit dem Kalender. Von Norden her wanderten kriegerische Neuankömmlinge ein, die in Texcocos teilweise aber auch in dem neugegründeten Staat Tlaxcala angesiedelt wurden.

Unter dem Nachfolger von Quinatzin brach die Einheit der Chichimeken-Staaten auseinander, was die Azteken für sich nutzten.

Die Azteken gehörten auch dem Volksstamm der Nahua an und brachten ihrerseits die Chichimeken unter ihre Herrschaft, bevor ihr später in Mexiko errichtetes Azteken-Reich von Hernan Cortés erobert wurde.

Spanische Priester verbrannten nach der Eroberung des Azteken-Reiches durch Hernán Cortés 1519 die Bibliotheken der Azteken als Teufelswerk. Nur 16 Texte haben diese Vernichtung überlebt, wovon die meisten in England aufbewahrt werden. Dem Völkerkundler Gordon Brotherston gelang es die schwerbeschädigten Papiere aus Baumrinde zu entziffern und konnte so aus der Geschichte der Chichimeken interessante Informationen erhalten.

Anmerkung:
Die Chichimeken übernahmen auch die Herrschaft über die Totonaken.
Die berauschende Wirkung des Peyotl-Kaktusses kannten bereits die Chichimeken und verwendeten diese Droge bei ihren nächtlichen Tanzfesten in der Steppe. Bei ihnen fand man auch den ältesten Nachweis des Peyotl-Rituals der nördlichen Stämme.
 
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