War Cibola - die sagenumwobenen Städte - ein Gerücht oder gab es sie wirklich?
Nordamerika ist nicht vom Osten her erobert wurden, sondern von Süden. Von Mexiko
her brachen die Spanier in Richtung Norden auf, auf der Suche nach Gold. Sie trafen auf
merkwürdige Bauten - den Pueblos, aber das Interesse galt der Suche nach den
«Sieben Städten von Cibola». Hätten sie statt geplündert
geforscht, so hätten sie unschätzbare Aufschlüsse von einem
vorgeschichtlichen Volk und einer frühen Kultur geben können. Für sie
waren diese Menschen Primitive - Heiden.
Dem Entdecker Christoph Kolumbus folgt der Eroberer Hernando Cortés, der mit
einer Handvoll schwerbewaffneter Reiter von 1519 in zwei Jahren das Azteken-Reich unter
Montezuma zerstört. 1533 erbeutet Francisco Pizarro nicht weniger Gold bei der
Auslöschung des Inka-Reiches unter dem Herrscher Atahualpa. Diese Greueltaten
wurden unter dem Zeichen des Kreuzes von eingesetzten Statthaltern der spanischen Krone
begannen.
Bartolomé de Las Casas (1474 - 1566) - ein Bischof - war 40 Jahre lang Augenzeuge dieses
Geschehens, der als einziger die Eroberer der ungeheuren Verbrechen anklagte. Er stellte
folgendes sinngemäß fest: Erst taufen sie die Indianer, dann versklaven sie
sie und schicken sie anschließend in Ketten in die Bergwerke. Vierzig Jahre lang
zerfleischen, erwürgen, peinigen, martern, foltern die Spanier die Eingeborenen
bringen ihnen tausenderlei Qualen bei, um sie aus der Welt zu tilgen. Spanische
Historiker stellen Las Casa als Lügner hin und bezeichneten ihn als geisteskrank.
Die Gier nach Gold wurde von Spanien aus gelenkt. Die spanische Krone war hoffnungslos
verschuldet. Dies machte aus ehrlichsten und aufrichtigsten Absichten friedliche
Kolonisten zu Monstren. Immer neue Abenteurer kamen aus Europa. Wo Inka-Gold ein Zimmer
füllen konnte, mußte doch noch mehr Gold sein. Was lag im Norden - ödes
Land oder weitere Tempel und Paläste? Ein Wunschtraum der Phantasie entstand - im
Norden sollten die «Sieben Städte von Cibola» liegen. Angeblich waren
die Straßen mit Gold gepflastert und die Türen der vielstöckigen
Häuser mit Edelsteinen benagelt. Der Mythos der Sieben Städte stammt aus
Spanien. Im 8. Jahrhundert soll ein Bischof aus Angst vor den Arabern über den
Ozean nach Westen geflohen sein und die Städte gegründet haben. Auch eine
Indianer-Mythe aus Mittelamerika erzählt von Sieben Höhlen. Aus diesen
Höhlen sollen einige Stämme ihre Herkunft herleiten. Beide Legenden
verschmolzen und Cibola wurde zum Inbegriff für Gold, Reichtum und Macht.
Álvar Núñez Cabeza de Vaca (deutsch: «Kopf einer Kuh»:
Sein Name stammt aus der Zeit als der König von Navarra gegen die Mauren (um 1200)
Krieg führte, ein Urahn weist mit einem Kuhkopf den nachrückenden Truppen den
Weg, der König siegt und verlieh ihm diesen Namen als Belohnung.) war der erste
Mann, der Nordamerika von Ost nach West - nicht an der breitesten Stelle - von Ozean zu
Ozean durchquerte. Seine Reise dauerte acht Jahre, bei der er die ersten Bisons und
Krustenechsen sah.
Cabeza de Vaca war königlicher Schatzmeister von Pánfilo de Narváez
bei einer Expedition, die im April 1528 mit einer Flotte von fünf Schiffen die
Küste von Florida erreicht. Narváez hatte Infos von einem Volk im Norden
gehört, welches reich an Gold sein soll. Nach dem er erst an der Küste entlang
gesegelt war, unternahm er mit 400 Mann eine Erkundungstour ins Landesinnere, mußte
aber nach Auseinandersetzungen mit Indianern und Fieber zur Küste umkehren. 150
seiner Leute waren von Timucua-Indianer oder vom Fieber getötet wurden. Seine
vorausgeschickten Schiffe blieben verschollen, so dass sie Boote bauen mußten.
Sie segelten mit einer kleinen Flotte von Booten auf das Meer hinaus. Stürme
trennten sie. Orientierungslos gepeinigt von Durst, Hunger und der glühenden Sonne
wurden viele wahnsinnig. Im November des gleichen Jahres strandeten 80 Überlebende
an der Küste von Texas. Ansässige Indianer machten sie zu Sklaven oder
töteten sie. Fünf überlebten als Sklaven, von denen vier die Flucht
gelang - unten ihnen war der königliche Schatzmeister de Vaca. Nun begann ihre
achtjährige Odyssee - entbehrungsreich und immer den Tod vor Augen. Sie trafen
auf freundlich und feindlich gesinnte Indianer. Jedoch statt Gold fanden sie Armut.
Sie wurden als Sklaven gehalten, wollten fliehen, waren todkrank und wurden von Moskitos
geplagt. Handelsbeziehungen und die Behandlung von Kranken ohne Kenntnisse - ihr Ruf
Kranke zu heilen, eilte ihnen von Stamm zu Stamm voraus - erleicherte schließlich
ihre Lebensumstände. Im achten Jahr ihrer Odyssee trafen sie an einem Fluß -
Rio Sinaloa - den Sklavenfänger Kapitän Diego de Alcarez, der de Vacas
indianische Begleiter sogleich zu Sklaven machen wollte. De Vaca konnte sie in Sicherheit
bringen. Der Gouverneur brachte de Vaca und seine Begleiter in die Rezidenzstadt Mexiko
City. Hier wurden sie vom Vizekönig empfangen, dem de Vaca seinen 5.000 Kilometer
langen Reiseweg berichten mußte. Bereits im Jahre 1542 erschien in Zamora dieser
Bericht mit dem Namen Relación. Die immer noch an «Die Sieben Städte
von Cibola» glaubten, war diese Dokumentation sehr verwirrend. De Vaca war der
Völkerkundler geworden. Er berichtete über das Leben, Bräuche und
Rituale der verschiedenen Stämme, aber über den Reichtum und das Gold, was
alle erhofften, erfuhren die Spanier nichts. Hielt de Vaca sein wahres Wissen geheim?
Álvar Núñez Cabeza de Vaca beendete die Spekulationen, indem er
in seine Heimatstadt Jerez de la Frontera in Spanien zurückkehrte. Immer noch
glaubten die Menschen von ihm, dass er ungeheuren Reichtum haben müßte und
ihn irgendwo hortete.
Don Antonio de Mendoza - der Vizekönig von Mexiko - wollte die Berichte von de
Vaca auf Echtheit prüfen, bevor er eine Expedition ausrüsten wollte. Deshalb
schickte er Fray Marcos aus Nizza - ein Franziskanermönch höheren Ranges, der
bei Eroberung des Inka-Reiches durch Pizarro anwesend war, auf Erkundungstour. Für
den Vizekönig war ein Mönch billiger und mehr an die Wahrheit verpflichtet
als ein Soldat. Der Führer dieser Eskursion war Estevanico - einer der vier
Überlebenden von Narváez' Truppe. Estevanico war in der Vorhut des
Mönches und meldete den Stämmen das Nahen eines fremden Weißen immer
schon an. Fray Marcos wurde als Forscher bei den Stämmen empfangen. Der Vorhut und
der Gruppe des Fray Marcos schlossen sich immer mehr Indianer an, die von reichen
Stämmen und großen Städten im Norden zu berichten wußten. Deshalb
entschloß sich der Mönch 250 bis 300 Kilometer weiter nach Norden zu gehen.
Estevanico sollte Fray Marcos eine verabredete Nachricht bringen, sobald er auf was
Bedeutendes treffen würde. Das größte Kreuz wurde dem Mönch
übergeben, was bedeutete, etwas größeres gefunden zu haben als in
Neu-Spanien. - Cibola war bekannt, wie Cuzco in Peru.
Die Bewohner von Cibola ließen dem Boten von Estevanico ausrichteten, dass er die
Pueblo-Stadt nicht betreten dürfte. Er tat es doch und bezahlte dies wie viele
seiner Gefolgsleute mit dem Tod. Dieses Ereignis wurde durch einen Soldat auch Coronado
erzählt.
Die Indianer, die den Mönch begleiteten, wollten weglaufen, doch Fray Marcos
bestach sie mit Geschenken, so dass einige bei ihm blieben. Seine beiden treuesten
Indianer führten den Mönch zu einem Platz, wo er die Pueblos Cibola, Totonteac,
Acus und Marata sehen konnte und hinter denen noch größere liegen sollten.
Er erbaute ein Steinkreuz und nahm für die Spanische Krone «Das Neue
Königreich des Heiligen Franz» - wie er es nannte - in Besitz. Dann kehrte er
um.
Dem Vizekönig gab er Bericht - jedoch maßlos übertrieben. So sollte
die Stadt größer sein als Mexiko-Stadt - die damals (1540) etwa 1.000 Spanier
beherbergte - und besser sein, als alle bisher entdeckten. Dieser Bericht führte
zur Eroberung der Zuni-Pueblos.
Francisco Vázquez de Coronado (1510 - 1544) zieht 1540 mit einem Heer von 250
Reitern und 70 Infanteristen, mehreren hundert Indianern und Viehherden von Mexiko City
aus auf Eroberungsfeldzug durch Arizona, New Mexico, Texas, Oklahoma und Kansas auf der
Suche nach dem Goldland Quivira und den Sieben Städten von Cibola. Als Führer
begleitete Fray Marcos die Expedition. Auf ihrem Marsch erblickten sie auch den
Grand Canyon, der für sie bestimmt ein lästiges Hindernis darstellte.
Alles kam anderes als es Fray Marcos im höchsten Maße beim Vizekönig
gelobt hatte. Pferde starben an Erschöpfung, Indianer und Neger desertierten.
Aus Hunger aßen einige Indianer, zwei Neger und ein Spanier Giftpflanzen, woran
sie starben. Dann endlich erreichten sie Cibola. Coronado traute den entgegengeschickten
Boten aus Cibola nicht und beauftragte einen Erkundungstrupp sich die Gegend anzuschauen.
Sie fanden tatsächlich eine Falle, weshalb Coronado Cibola angreifen ließ.*
Wie auch bei anderen Kämpfen der Konquistadoren-Zeit, so konnten auch hier eine
Handvoll schwerbewaffneter Spanier Tausende von Indianern in die Flucht schlagen und
Cibola erobern. Aber statt Gold und Edelsteine fanden sie Mais, Bohnen und Hühner.
Wäre Coronado ein schlechter Konquistador gewesen, hätte er nicht im
Anschluß an der Eroberung Cibola seinen Weg nach Osten fortgesetzt, wo er
weitere Pueblo-Städte in seine Gewalt brachte. In einer Stadt, die heute Pecos
genannt wird, wurde Coronado von einem freundlichen Häuptling empfangen, der ihm
weitere Pueblo-Stätten, wie Pueblo Acoma, zeigte. Coronado fiel in Ungnade beim
Vizekönig und verstarb nur zwei Jahre nach dem Ende der Expedition 1544 in der
Hauptstadt Mexikos - völlig vergessen.
Wie eben beschrieben gab es Cibola tatsächlich - eine mehrstöckigen
Pueblo-Stadt der Zuni nahe der Grenze zwischen Arizona und New Mexico.
Zeitgenössige Berichte über Cibola gibt es unzählige. Über Cabeza de
Vaca ist in der nordamerikanischen Entdeckungsgeschichte kaum berichtet wurden, so wie
von de Soto und Coronado.
* Die Spanier mußten bevor sie eine Siedlung angriffen ein Schriftstück
(Requerimiento) auf Anweisung der spanischen Krone übergeben.