Clovis: zwischen 12.000 und 9.000 v. Chr.
Die Kultur ist benannt nach dem Fundort Clovis im Nordosten des heutigen Bundesstaates
New Mexico. An diesem Fundort wurden erstmals Relikte dieser Kultur zutage gefördert.
Funde aus ihrer Zeit sind beidseitig bearbeitete Steinwerkzeuge und geschäftete
Speerspitzen. Diese Spitzen steckten zwischen den Wirbelknochen von Bison taylori und
zwischen Beinknochen.
Die Clovis-Indianer waren demnach Großwildjäger und Sammler. Sie begannen sich
südlich der kontinentalen Eisdecke auszubreiten und drangen dabei in ein Gebiet vor,
welches von einer großwüchsigen Tierwelt als Nahrungsquelle genutzt wurde. Ihre
hervorragenden Werkzeuge und Waffen machte sie zu erfolgreichen Jägern.
Bei Planierarbeiten entdeckte ein Rancher 1961 auf der Big Camas Prärie nahe von
Fairfield im Bundesstaat Idaho fünf Clovis-Pfeilspitzen, glücklicher Weise ist
keine dieser Spitzen beschädigt worden. Bei weiteren Untersuchungen fand man weitere
Pfeilspitzen, diese jedoch wiesen Beschädigungen durch die Raupe auf. In die Geschichte
ging dieser Fundort als Simon-Clovis-Waffenlager (Simon war der Zuname des Ranchers) ein.
Sieben Jahre später - 1968 - wurden in der Nähe der Kleinstadt Wilsall im Staat
Montana erneut Clovis-Spitzen gefunden. Diesmal hatte ein Kipplaster ein Lager von mehr
als 100 Spitzen freigelegt. Einige der Gegenstände waren beidseitig bearbeitete
Schlag- und Schnittinstrumente, geschnitzte Knochen sowie Knochenreste zweier Jugendlicher.
Auch Röhrenknochen, die wahrscheinlich vom Mammut stammten, könnten als
Vorderschäfte für Pfeilspitzen gedient haben. Alle diese Gegenstände
hatten einen aus rotem Ocker hergestellten &UUml;berzug - also handelte es sich hier um
eine Grabstätte. Sie ist das einzige Grab der Clovis-Kultur, welches bis heute
freigelegt wurde. Der Fundort von Anzick ist auch die korrekte Bezeichnung in der
Geschichte.
In einer Obstpflanzung bei Wenatchee am Columbia River fand man 1988 ein weiteres Lager
der Clovis-Kultur. Die Knochenfunde sind ähnlich der von Anzick, die Pfeilspitzen
hingegen sind viel größer als man es von Clovis bisher kannte und die anderen
Gegenstände waren Werkzeuge und Schnittinstrumente. Fast zur gleichen Zeit wurde im
Nordosten von Colorado ein weiteres Waffenlager entdeckt, indem 13 Colvis-Spitzen lagen,
die meisten davon waren aus Alibates-Dolomit gearbeitet worden, dieses Gestein kommt nur
bei Amarillo im Texas Panhandle vor. Neben Spuren aus Elfenbein waren die anderen Spitzen
aus Flat-Top-Hornstein der Umgebung gefertigt worden.
Viele Jahre vor den eben genannten Waffenlagern fand man das Waffenlager von Fenn. Der
Ausgräber war bereits lange tot als die 56 Clovis-Spitzen die Wissenschaft erstaunte.
An der Grenze zwischen Wyoming, Idaho und Utah vermutet man die einstige Lage dieses Lager,
dass vollständige wie auch überarbeitete Clovis-Spitzen, Schnittwerkzeuge, ein
Klingenwerkzeug und eine Sichel enthielt. Drei beidseitig bearbeitete Pfeilspitzen, die
denen aus dem Simon-Lager glichen, hatte man aus Quarzkristall gefertigt. Für mehrere
andere Gegenstände verwendeten die Clovis-Leute Obsidian - ein glasiges Vulkangestein,
dessen Verwendung bis in den Südosten von Idahos zurückverfolgt werden konnte.
Eine einzelne ausgekehlte Pfeilspitze trägt Kratzspuren, die oft bei Clovis-Spitzen
auftreten, sie stammt aus Kalifornien und Oregon. Die Sichel entspricht denen, die man an der
Oberfläche des Great Basin fand. Mit rotem Ocker waren alle diese Objekte bestreut -
eigentlich typisch für Grabstätten, aber ob an der Fundstelle auch menschliche
Knochen oder Skelettreste vorhanden waren, wird niemals beantwortet werden können.
Zahlreiche Schnittwerkzeuge und Pfeilspitzen waren aus einem bestimmten Stein gefertigt
worden, der nur vom Nordosten Utahs über den Südosten von Wyoming bis in den
Westen Colorados vorkommt. Aus den Bighorn Mountains stammt ein hochwertiger Hornstein
aus dem man andere lebensnotwendige Gegenstände anfertigte. Dieser spezielle
Hornstein wurde auch bei einem Gegenstand aus dem Simon-Waffenlager gefunden, ebenso
einer in Anzick und zwei Exemplare aus Fenn.
Mit diesen Funden kann die Clovis-Kultur und ihre Eigenheiten gegenüber anderen
nordamerikanischen Kulturen studiert werden, ebenso ihre Bestattungspraktiken. Die
Bestattung der Colvis-Leute erinnert an die Gräber der Jäger und Sammler aus dem
Paläolothikums in der Alten Welt.
Einige behauene Pfeilspitzen und Werkzeuge repräsentieren eine Meisterleistung der
Clovis-Steinmetze. Die meisten Gegenstände sind aus den besten ihrer Zeit bekannten
Materialien entstanden. Andere sind zerbrochen oder wurden lieblos überarbeitet. Waren
letztgenannte Gegenstände Grabbeigaben? Eine Frage, die heute noch nicht beantwortet
werden kann. Das Rohmaterial der Werkzeuge und Pfeilspitzen stammte zum Teil aus
weitentfernten Lagerstätten. Das läßt vermuten, dass die Clovis-Menschen
bereits Handelsbeziehungen oder auch andere weitreichende Kontakte zu anderen Gruppen
pflegten.
Zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge verwendeten die Clovis Hämmer aus
Stein und Geweih. Das Rohmaterial muß ausreichend auf der Erdoberfläche
vorhanden gewesen sein. Feuerstein wurde am Knife River in Norddakota bereits vor 11000
bis 10.000 Jahren gebrochen und am Ende der Clovis-Zeit war das Lager des bestgeeigneten
Rohmaterials erschöpft.
Oft wird die Clovis-Kultur in Verbindung mit der Ausrottung der Großtiere gebracht,
dafür spricht aber nur sehr wenig. Schon als der Clovis-Mensch nach Nordamerika
einwanderte, waren die großen Tiere vom Aussterben bedroht und dies war zur Zeit des
Pleistozän. Was die Mummute anbetrifft, sieht die Sache schon etwas anders aus, hier
könnte der Clovis-Jäger den Tieren den Gnadenstoß gegeben haben. Mehr zum
Aussterben der großen Tiere im Thema «Tod der
großen Tiere».
Im anderen Thema schildere ich, dass die Großwildjäger am Tod dieser Tiere
verantwortlich waren - das zumindest behauptet eine andere Quelle sprich Literatur. |