|
|
Die Crao
|
Die Crao gehören der Sprachgruppe der Gé an. Sie sind mittelgroß und
haben breite Schultern. Es sind Waldindianer, gute Läufer, durchtrainierte
Kämpfer und unermüdliche Jäger. Die Frauen sind auch sportlich gebaut,
wohlgeformt und haben kein überflüssiges Gramm Fett am Körper. Manche
Männer tragen keine Kleidung, andere einen kleinen Lendenschurz. Die Frauen haben ein
kleines Stück Stoff um die Hüften gewickelt. Die Hautfarbe der Crao ist
kupferbraun. Ihre Feinde sind die Chavantes.
Sie sind freundliche Menschen, die auffallend zurückhaltend sind. Sie bemalen sich
mit roten und schwarzen Streifen im Gesicht und mit Zeichen am ganzen Körper. Die
Ohrläppchen der Männer werden mit etwa fünf Jahren durchbohrt und
ständig geweitet. In dieses Loch kommt eine Holzscheibe - das Stammeszeichen der Crao.
Die Augenbraunen und Wimpern sind ausgezupft, denn sie dulden keine Behaarung am
Körper. Das Kopfhaar ist sauber geschnitten und die Zähne sind spitz angefeilt,
weil sie das als gut empfinden und großen Wert auf Schönheit legen und es
für sie nichts Besseres geben kann. Das Feilen der Zähne macht ein junger Mann
ganz geschickt. Vor dieser Prozedur müssen Kerne gegessen werden.
Die Crao zählen nicht wie alt sie sind. Keiner kennt sein Alter. Alle Mädchen
werden Icre genannt, wenn sie heiraten Abro. Die Jungen heißen Mehin, alle Männer
Pleglé. Sie erhalten aber noch einen Namen.
Um die Zeit zu bestimmen, richten sich die Crao nach der Sonne. Diese Art der Zeitmessung
funktioniert aber nicht, wenn Wolken die Sonne bedecken.
Die Crao kennen keine Vorratswirtschaft. Sie gehen erst auf Nahrungssuche, wenn der Magen
nach was Eßbaren verlangt.
Ihre Nahrung besteht aus Früchten, wie Bananen, Cajú, Mango und Palmenkerne,
Manioka und Fleisch. Die Crao sind seßhafte Indianer, weshalb sie weit laufen
müssen, um jagdbare Tiere zu finden, da sie in ihrer Gegend die Tiere bereits stark
dezimiert haben. Sie kochen ohne Salz und ohne Gewürze. Alkohol ist ihnen unbekannt.
Ein besonderer Leckerbissen oder Delikatesse ist wilder Honig. Wenn sich das Flugloch in
günstiger Lage sich befindet, legen die Crao ein Schilfrohr hinein, durch das der
Honig abfließt und dann mit einer Kalebasse - einem Behälter - aufgefangen wird.
Ist das Flugloch hoch oben in einem Baum, wird der Baum gefällt. Mit einem glimmenden
Holzstück, welches zuvor von der Frau aus dem Dorf mitgeführt wurde, werden
Palmenwedel angebrannt. Der entstehende Qualm soll die Bienen vertreiben. Trotz alledem
muß bei der Entnahme des Honigs aus dem Bienenbau mit zahlreichen Stichen gerechnet
werden.
Ihre Jagdwaffen sind Pfeil und Bogen und Keule. Als Jungen schießen sie auf jedes
bewegende Tier, um das Treffen zu erlernen. In diesem Alter ist es noch Spiel, später
hängt von ihrer Treffsicherheit die Ernährung der Familie wie auch des Stammes
ab. Sie wetteifern und kämpfen um den Sieg. Der Beste erhält zur Belohnung alle
abgeschossenen Pfeile. Für ihre Pfeile verwenden sie keine Knochenspitze, wie es
andere Stämme Südamerikas tun. Die Übungspfeile sind stumpf. Die Mädchen
spielen mit Puppen aus Maiskolben. Umwickelte Kolben stellen die Mädchen dar. Von
ihren Spielen lernen die Crao-Kinder für das spätere Leben.
Der Stamm der Crao teilt sich heute in zwei Hälften - den sogenannten Totems. Die eine
sind die der Fische, die andere Hälfte die der Fischotter. Früher waren es vier
und als der Stamm wesentlich größer war sogar noch mehr Clans. Ein besonderes
Zeichen des Clans war der Pfahl. Der Stamm besteht außer aus Clans noch aus
Verbänden, so dass kein Einzelner, sondern die Gemeinschaft alles zusammen unternehmen.
Die Verbände sind die Träger des gesamten kulturellen Lebens.
Rund um den Dorfplatz stehen die Hütten. Im Süden sind es die Behausungen des
Fisch-Clans, im Norden die der Fischotter. Ihre Hütten besitzen ein Palmendach, die
Wände sind offen. Als Schlafunterlage verwenden sie geflochtene Hängematten. In
der Mitte des Dorfplatzes befindet sich der Festplatz.
Wenn die Crao eine Ehe eingehen, so wird immer ein Angehöriger des anderen Clan
geheiratet. Es gibt drei Crao-Dörfer, die allesamt in Fisch- und Fischotter-Clans
eingeteilt sind. Wenn aber ein Angehöriger des Fisch-Clans einen Angehörigen
eines anderen Dorfes ehelicht, so heiratet sie/er eine Person des Fisch-Clans. Niemals
vermählt sich ein Fisch mit einer Fischotter eines anderen Dorfes.
Nicht nur am Clan-Pfahl erkennt man die Zugehörigkeit zu einem Clan, sondern auch in
der Körperbemalung und im Muster beim Flechten von Matten, Bändern und Masken.
Der Jagderfolg wird je zur Häfte auf die Clans aufgeteilt. Dann übernimmt der Clan
die weitere Verteilung. Was eine einzelne Person sammelt, fischt etc., wird nicht geteilt.
Jedes Dorf der Crao hat einen Ältestenrat. Dieser besteht aus Vertretern beider
Hälften - also beider Clans. Somit kann der Häuptling seine Seite nicht
bevorteilen. Er hat auch nur geringe Macht. Für die Erledigung der gefaßten
Beschlüsse im Ältestenrat und weitere kleine Angelegenheiten sorgt der
Häuptling. Die kleineren Aufgaben werden vom ihm verteilt. Es wird sich kein Crao
diesen Anweisungen widersetzen, so dass nicht erst der Ältestenrat einberufen werden
muß. Ein Häuptling tritt zurück, wenn er krank oder alt ist. Dann wird von
jeder Hälfte ein Kandidat gestellt und der Auserwählte der stärkeren Gruppe
wird demokratisch gewählt. Der abgetretene Häuptling bleibt weiterhin eine
Respektperson.
Ihre Religion ist den Crao durch den Einfluß der Weißen gänzlich
verloren gegangen. Put hat die Menschen, Pflanzen und Tiere bei Tag gemacht und Babam bei
Nacht. Buteblö macht hingegen alles.
Die verbreitete Meinung Indianer sind faul, stimmt nicht. Sie jagen, bauen, flechten,
kochen, sammeln, backen, baden und basteln, aber ohne Hast und Eile, denn sie haben ja
Zeit. Seit einiger Zeit bauen die Crao Maniok an. Wenn sie durch Brandrodung ihre Felder
urbar gemacht haben, wird der Maniok gepflanzt. Jede Familie geht für sich zu ihrer
eigenen Pflanzung. Ernten sie nun den Maniok geht die Familie zur Plantage. An der Spitze
der Gruppe läuft der Mann mit Pfeil und Bogen oder Buschmesser. Er ist verantwortlich
für die Sicherheit der Familie. Auf ihrer Plantage graben alle gemeinsam die
Maniokwurzeln aus. Die Maniokwurzel werden in einem Korb verstaut, der an einem Stirnband
transportiert wird. Auf dem Heimweg zum Dorf nimmt der Mann nur seine Waffen - die Frauen
und Kinder tragen die Ernte. Deswegen wurde der Indianer als faul bezeichnet. Er sichert
wiederum seine Familie gegen die Gefahren der Wildnis, wie Jaguar und Schlange. Würde
er eine Last tragen, gäbe es wesentlich mehr Unfälle. Der Mann muß
augenblicklich bereit sein und nicht erst seine Last absetzen müssen. Bei der Ernte
von Früchten ersteigt nicht der Mann den Baum oder die Palme, sondern die Frau. Der
Mann bleibt auch in diesem Fall kampfbereit.
Entgiftung des(r) Maniok(a)
Die Maniokwurzeln werden einen ganzen Tag im Bach gewässert. Damit beginnt bereits
die Prozedur der Entgiftung. Danach wird er geschält und gerieben. Im Anschluß
kommt er in einen Schlauch aus Palmenfasern und wird gepreßt. Die Frauen der Indianer
verrichten diese langwierige Arbeit.
Ein Gericht der Crao
Maniokbrei wird von den Frauen auf Bananenblätter gestrichen und Fleischstücke
dazu gelegt. Alles wird zusammengewickelt und auf heiße Steine gelegt. Darüber
wird Erde geschüttet, so dass alles im eigenen Saft brutzelt. Wie lange das dauert -
keine Ahnung - am besten ausprobieren.
Die Crao-Indianer sind zufrieden, deshalb singen und tanzen sie, sind fröhlich,
schmücken sich - denn jeder Tag ist für sie ein Fest. Für diese Feste
finden sie ihren Schmuck in der Natur. Ihre Bemalung ist Schwarz und Rot. Das Rot ist
Urucufarbe, die gleichzeitig auch gegen Moskitos schützt. Die Bemalung wirkt wie
Festgewänder und war einst traditionsgebunden. Heute kreieren sie teilweise neue
Festmuster. Ihre besondere Bemalung weißt aber auf die Totem-Zugehörigkeit
der Familie hin. Kommt ein Crao von der Jagd malt er auf seine Haut das Zeichen, welches
Tier er erlegt hat. Es gibt auch Kriegs- und Siegesbemalungen, die heute kaum noch
verwendet werden. Der Schmuck besteht aus Samenkapseln und Bast. Die Männer zieren
sich mit der bereits oben erwähnten Ohrscheibe.
Jeden Abend singen und tanzen die Crao. Wenn die erste Helligkeit am Osthimmel den neuen
Tag ankündigt, stellen sich die Frauen zum Tanz auf und bilden eine lange Reihe. Sie
bewegen sich mit angewinkelten Armen, drehen sich zur Sonne und singen die Melodie des
Vorsängers. Weshalb sich die Crao-Frauen der aufgehenden Sonne zuwenden, wissen sie
nicht mehr. Es ist für sie eine Tradition.
Gesungen wird bei den Crao zu jeder Gelegenheit. Wenn ein Jäger ein erlegtes Tier
nach Hause bringt, singt er das Jagdlied für dieses Tier. Für jede Tierart gibt
es ein anderes Lied. Gesungen und getanzt werden auch Lieder bei Festen.
Ein besonderes Fest der Crao ist das Klotzrennen. Alle achtzehn Stämme der
Timbira-Sprachgruppe, die wiederum der Ge-Sprachfamilie angehört, veranstalten diese
Festlichkeit. Weitere Gemeinsamkeiten der Timbira sind ihre kreisrunden Dörfer, ihre
Haartracht und ihre Totemzeichen bei der Körperbemalung. Dieses Klotzrennen ist
typisch für die muskelösen, schnellen und ausdauernden Crao. Für die Crao
ist Sport Verpflichtung und die Beteiligung eine Selbstverständlichkeit. Wer sich
drückt, wird verachtet. Ab einem bestimmten Alter scheidet ein Crao als Sporttreibender
aus und wird in den Rat der Ältesten aufgenommen. Das Rennen beginnt mit dem
Zurechthauen des Klotzes, ihn dann anschließend ins Dorf bringen und vor einer
bestimmten Hütte im Dorf auf den Boden werfen. Der schlechteste Läufer wird
genauso geachtet wie der Sieger, da es nur um den Lauf geht. Es gibt mehrere Varianten des
Klotzrennens. Auf jeden Fall rennen Fisch-Clan gegen Fischotter-Clan. Jeder ist bestrebt
erster zu werden. So ein Klotz hat ein Gewicht von 75 bis 100 Kilogramm.
Während der Trocken- und Regenzeit feiern die Crao zahlreiche Feste.
Stirbt ein Crao, wird er am gleichen Tag beerdigt. Sie graben ein tiefes Loch und legen
die Toten hinein. Die Wände der Erdgrube werden abgestützt, damit der Tote nicht
gedrückt wird. Bei zahlreichen Stämmen ist es üblich, den Namen des Toden
nicht wieder auszusprechen - er ist tabu. Die Crao sprechen über die Toten, aber
selten. Zur Beerdigung singt man ein Klagelied.
Die Crao leben in unberührter Natur - in einem Paradies unserer Erde, wo die Menschen
leben wie zu Urzeiten. Materielle Sorgen haben die Crao nicht. Die Natur gibt ihnen alles -
Maniokwurzeln, Wildfrüchte, Tiere, Palmen liefern das Material für den Bau ihrer
Hütten und Matten, der Fluß Wasser zum Trinken, zur Essensbereitung und zur
Reinigung.
Wir nennen uns zivilisiert und sind nicht in der Lage anhand der Laute ein Tier in der
Wildnis zu identifizieren. Selbst Kinder der Indianer kennen es und wissen was zu tun ist.
Unsere Kinder rangieren im hinteren Feld bei der Pisa-Studie. Müßten unsere
Politiker nicht hellhörig werden. Sie interessieren sich nur für ihre Diäten.
Zivilisation !!!
Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist ihre Zukunft nicht vielversprechend.
Die Crao erhielten ein Gebiet von 52.000 Alqueire (1 Alqueire = 2,5 Hektar) zugesprochen. | |
|
MEHR INFOS ZUM THEMA
Bücher, CDs, DVDs zum Thema
|