| |
|
|
| |
| |
NORDAMERIKA
STÄMME, STAMMES-
TYPISCHES & HÄUPTLINGE |
|
| Arktis |
| Aleuten |
Inuit
Inuit-Stämme - Übersicht
Inuit-Haustypen
Inuit-Jagdmethoden |
|
| Prärie |
Arapaho
Häuptlinge |
Blackfoot
Piegán
Häuptlinge |
Cheyenne
Häuptlinge |
Comanchen
Kwahadi
Häuptlinge |
Crow
Häuptlinge |
D(L)(N)akota
Einführung
Westwanderung
Sioux-Nation
Sioux-Gruppen
Sitten, Alltag
Familie
Geschlechter
Nomadentum
Jäger / Sammler
Gebr.-Gegenstände
Sioux-Universum
Visionssuche
Sioux-Lebensweg
Häuptlinge
Kriegszüge
Geschichte
Sioux Heute
Sioux-Reservationen Heute |
Kiowa
Häuptlinge |
| Mandan |
Pawnee
Skidi: Gefangenenopferung
Häuptlinge |
Ponca
Häuptlinge |
Weitere
Stämme &
Häuptlinge |
|
| Subarktis |
| Stämme |
|
| Nordwestküste |
| Haida |
| Küsten-Salish |
| Kwakiutl |
| Tlingit |
Weitere
Stämme |
|
| Plateau |
Modoc
Häuptlinge |
Nez Percé
Häuptlinge |
Weitere
Stämme &
Häuptlinge |
|
| Grosses Becken |
Shoshoni
Häuptlinge |
Weitere
Stämme &
Häuptlinge |
|
| Nordosten |
Chippeway
Häuptlinge |
Delawaren
Häuptlinge |
Huronen
Häuptlinge |
Illinois
Häuptlinge |
Irokesen
Irokesen-Liga
(Cayuga, Mohawk, Oneida, Onondaga, Seneca, Tuscarora)
Häuptlinge |
| Ojibway |
Shawnee
Häuptlinge |
Weitere
Stämme &
Häuptlinge |
|
| Kalifornien |
| Stämme |
|
| Südwesten |
Apache
Aravaipa
Chiricahua
Mescalero
Mimbrenjo
Häuptlinge |
Hopi
Götter |
Navaho
Canyon de Chelly
Häuptlinge |
| Papago |
Pueblo-Stämme
Pueblo-Indianer
Acoma - Pueblo-Dorf
Häuptlinge |
| Yuma |
Weitere
Stämme |
|
| Südosten |
| Natchez |
Zivilisierten
(Cherokee, Chickasaw, Choctaw, Creek, Seminolen)
Weg der Tränen
Häuptlinge |
Weitere
Stämme &
Häuptlinge |
| |
 |
| |
 | |
|
| Sie sind in: Stämme |
| |
Die Sioux: Jäger und Sammler |
Die Sioux waren ausgesprochene Jäger und Sammler, aber niemals Ackerbauern.
Das Wohl des Volkes war abhängig von den Fähigkeiten der Jäger.
Eine Tierhaltung kannten die Sioux ebenso wenig. Über das Stammesgebiet der
Sioux zogen große Bisonherden, in Rudeln oder auch vereinzelt Antilopen,
Grauwölfe und Kojoten. Die Flüsse durchzogen das Land mäanderartig
und waren meist tief. In den Niederungen wuchsen Pappeln und Eschenahorn, die
Hügel wurden von Kiefernbestand gesäumt. Dies war das Land für
eine Vielfalt weitere Tiere wie Wapiti, Rotwild, Stachelschwein, Biber, Ente ...
Trotz der großen Mengen an Tieren war das Jagen eine anstrengenden Arbeit
und kein Vergnügen, auch kein Zeitvertreib, sondern eine existenzielle
Beschäftigung. Gute Jäger führten ein gutes Leben, schlechte lebten
in Armut und wurden verspottet.
Die Sioux einst Jäger des Waldlandes anerkannten schnell die Bedeutung des
Bisons für ihre Wirtschaft und machten sich diesen Reichtum zunutze. Sie lebten
ein üppiges leben, merkten aber, dass der Bison sie nicht allein ernähren
konnte. Rotwild zogen sie gegenüber dem Bisonfleisch als Nahrung vor, zudem
lieferte es Hirschleder für die Kleidung.
Als Jäger verwendeten die Sioux auch in ihrer jetzigen Heimat Methoden aus dem
Waldland. Ihre Siedlungen legten sie nahe dem Wasser an, ebenso in Wäldern.
Ungeschützte Hochebenen suchten sie nur für ihre zeremoniellen Versammlungen
im Sommer auf. Für ihr Produktionssystem für Kleidung, Geräte, Waffen
und zum Teil für ihre Behausungen waren sie auf die waldähnliche Umgebung
angewiesen.
Die Sioux und auch jedes andere Jägervolk der Plains hätte nicht ohne
Bisons und das Pferd überlebt. Fast genauso wichtig für das Überleben
war die Beibehaltung ihrer vom Waldland geprägten Lebensweise.
Zwei Möglichkeiten der Jagd kannten die Sioux. Einmal das Tate oder Jagen auf
Familienbasis, zum anderen das Wani-sapa, die Treibjagd, an der sich das Dorf
beteiligte. Auch der einzelne Jäger konnte den Wunsch verspüren auf die
Jagd zu gehen, wenn er es wollte. Manch ein Jäger jagte aber auch zum
Vergnügen oder hatte den Wunsch, eine Feder eines bestimmten Vogels zu erbeuten.
Auch das ¨berraschende Auftauchen von Wild vermehrte den Vorrat.
Im Spätherbst löste sich das zeremonielle Lager auf und die Gruppen teilten
sich zu Tates - Familiengruppen, um die Wintervorräte zusammenzutragen. ... Es gab
jetzt keine offizielle Organisation. Jede Familie blieb für sich bis sich der
Stamm zu Winteranfang an einem vorher festgelegten Platz wieder zusammenfand.
Die Männer jagten nun zu zweien in einer kleinen Familiengruppe. Zusammenarbeit
war vorteilhaft, denn so konnte man Tiere von der Herde abdrängen. Manchmal jagten
auch Männer alleine, dabei mußte der Jäger die Gewohnheiten einzelner
Tierarten genau kennen.
Um Rotwild zu jagen, war es wichtig, dass der Wind gegen einen weht und man in Deckung
bleibt. Im freien Gelände war hingegen schwierig es zu erlegen. Manchmal war das
Anschleichen wichtig, manche Männer zogen dabei die Mokkasins aus, um noch besser
schleichen zu können. Dies soll auch Glück bringen. Beim Schleichen war es
wichtig zuerst die Zehen aufzusetzten und dann das Gewicht auf die Fersen zu verlagern.
Wenn die richtige Position erreicht war, mußte das tier, welches zuerst geschossen
werden sollte, ausgesucht werden, dann das zweite und wenn es möglich auch noch das
dritte zu erlegen. Entdeckten Jäger Rotwild an einem steilen Hang, dann konnte
vielleicht das ganze rudel in die Enge getrieben werden. Mehrere Jäger trieben,
wenn es möglich war, Antilopen und Rotwild in Schneewehen. Dazu kreisten sie es ein
und trieben es in ein Bachbett. Zu Schneejagden trugen die Männer hohe Mokassins
oder Schneeschuhe aus Holz oder banden sich nasse Rohlederstücke um die Beine, die
in der Kälte gefroren.
Die Jagdmethoden waren sehr verschieden. Das Anschleichen gegen den Wind oder
Überraschungsangriffe gehörten genauso dazu wie das Verkleiden mit Wolf- oder
Hirschfellen oder das Auflauern an Tierwechseln. Die Jagd wurde zu Fuß
durchgeführt, Ausnahme bildete die Treibjagd auf Bisons, die zu Pferd erfolgte.
Besonders wichtig auf der Jagd war das geräuschlose Anpirschen und die Versendung
des Pfeils bevor das Tier den Jäger bemerkte. Auch Schlingen auf bekannten
Futterstellen oder auf Wildwechseln gehörten zu einer erfolgreichen Jagd. Mink und
Fuchs wurden mit Fleischstücken, in denen eine Klinge steckte, angelockt. Bissen
sie auf die Klinge, zerschnitten sie ihre Zunge und verbluteten daran.
One Horn, ein Häuptling der Miniconjou, folgte einem fliehenden Bison zu Fuß.
Hatte er den Bison eingeholt, schoß er seinen tödlichen Pfeil dem Tier genau
ins Herz. Größere Tiere wie Bären wurden mit Ködern erlegt. Sobald
das Tier am Köder zerrte, lief ein schwerer Balken auf die Beute hernieder und
tötete es - zumindestens in den meisten Fällen.
Kleinwild, Vögel und Fische ergänzten die Nahrung. Jungen jagten vor allem
Kaninchen, die sie einkreisten und mit kurzen schweren Keulen durch gezielte Würfe
erschlugen. Mit Pfeil und Bogen wurden Eichhörnchen getötet. Präriehunde
schoß man und Biber wurden mit Rauch aus ihrem Bau getrieben und mit Keulen
erschlagen. Stachelschweine gruben Frauen aus, indem sie während ihres Grabens nach
dem Tier tasteten, sobald sie das Fell entdeckten, in das Stachelfell einen Stock drehten,
das Stachelschwein aus dem Bau herausholten und es totschlugen. Auch Kojoten, Wölfe,
Stinktiere und Bisamratte waren wichtige Jagdbeute, ebenso Luchs und Dachs.
Fand ein Jäger eine Waschbärenspur an einem hohlen Baum, so stopfte er
Hölzer und Heu in das Loch und zündete es an. Nun wartete er was passierte.
Entweder fiel das Tier ins Feuer und war halb gar oder es kletterte aus einem oberen
Baumloch heraus und sprang herunter, wo der Jäger ihn mit einer Keule erschlagen
konnte. Vögel wurden meist mit einer Keule erschlagen oder mit Schlingen und Fallen
gefangen, seltener schoß man nach ihnen. Die Jagd nach Enten und Gänsen wurde
mit einem Schleuderpfeil - Wismahi yeyapi - unternommen, denn er reichte weiter als ein
Schuß mit einem Pfeil. Präriehühner schoß der Jäger und
Zwergohreulen und Ziegenmelker fing er.
Um Erfolg bei einer Jagd zu haben, reichte Wissen, Geschick und Schnelligkeit nicht aus,
sondern auch Verständnis für die Tiere und die Anerkennung ihrer geistigen
Eigenschaften. Respekt wurde vom Jäger erwartet und eine besondere Versöhnung
als Gegenleistung. Ein Krieger holte sich die Forderungen in Visionen. Die Tiere waren
heilig, weshalb vor der Jagd religiöse Riten abgehalten wurden. In der Philosophie
der Sioux war der Mensch ein untrennbarer Bestandteil der Natur, der aber zur Erhaltung
seiner Macht wegen des übernatürlichen Ursprungs der Tiere auf diese angewiesen
war, deshalb war eine Versöhnung mit ihnen wichtig. Das Jagen war also eine ernste
und mystische Beschäftigung, die Geschick, Macht und Organisation verlangte und vom
Übernatürlichen kam.
Um Achtung einem Tier zu erbringen, mußte der Jäger vor der Jagd eine Pfeife
als Symbol der demütigen Bitte rauchen. Ein Dankopfer gehörte zur
Versöhnug bei der Erlegung und während der Mahlzeit opferte er kleine
Fleischstücke, in dem er sie hoch hielt und den Geist dankte. Männer mit
Jagdpech glaubten einen Fehler während der Rituale gemacht zu haben.
Durch bestimmte persönliche Handlungen konnte der Jäger zusätzlich zu den
Riten noch Rat und Macht von dem Übernatürlichen erhalten, dazu konnte er auf
Visionssuche gehen oder Hilfe von einem Schamanen erbitten.
Ganz besonders heilig war die Adlerjagd, die ausschließlich von Männern
unternommen wurde.
Dachse, Kojoten, Stinktiere, aber auch Falken und Adler nahmen sich Jungen als Haustiere.
Waren die Tiere ausgewachsen, liefen sie davon. Genannte Vögel tötete man wegen
ihrer Federn.
Die Sioux jagten aber nicht nur, sondern fischten auch. Dazu verwendeten sie Knochenhaken,
der an einer langen Schnur aus Sehnen an einem Weidenstock befestigt war. Für
Forellen und Rotflosser kamen Heuschrecken als Köder zum Einsatz. Eine weitere
Fischfangmethode war das Vorrücken von zwei Personen jeweils an einem Ufer mit einer
siebartigen Haut als Netz. Von einem Unterlauf eines Baches rückten sie auf einen
Wasserfall zu, indem sie im Gehen die tiefen Stelles des Baches abfischten. Mit dieser
Jagdmethode konnten große Mengen Fischen gefangen werden.
In einer mit kleinen Blättern ausgelegten Grube wurde der Fisch gegart. Der
gesäuberte Fisch wurde auf Blätter gelegt, diese wurden mit einer Lage
Stöckchen bedeckt, auf die wieder Blätter kamen. Darauf kam eine dünne
Schicht Erde, die nun die gleiche Höhe des Bodens erreicht hatte. Über die Grube
zündeten die Sioux ein mächtiges Feuer an. War das Feuer heruntergebrannt, war
der Fisch durchgebraten. Nun legten die Männer den Fisch vor sich hin, zogen ihm die
Haut ab und genossen ihre Mahlzeit. Fisch, den man mit nach Hause nahm, wurde vor dem
Kochen gesäubert und erst nach dem Garprozeß die Haut abgelöst - dies
ging einfach leichter.
Schildkröten fing man mit der Hand, wenn sie früh morgens Tau tranken. Sie
wurden zu Suppen verarbeitet - das Fleisch galt als Delikatesse.
Einzelne Jäger und kleine Jagdgruppen konnten trotz des vielfältigen
Nahrungsangebots kaum eine größere Gesellschaft mit ausreichend Fleisch
versorgen bzw. einen Vorrat anlegen. Dazu waren Gruppenunternehmungen notwendig. Die
wichtigste Jagdmethode war das Wani-sapa - die Einkreisung der Bisons. Eine erfolgreiche
Treibjagd brachte genügend Lebensmittel für die gesamte Gesellschaft einen
ganzen Winter lang. Sie war die wirkungsvollste und zugleich aufregenste Jagdform der
Prärie-Indianer. Anders als ein Tate - das vom Familienoberhaupt angeregt wurde,
war die Treibjagd eine Gruppenaktion - eine Stammesangelegenheit - die genauen
religiösen und politischen Gesetzen und einer festen Form folgte. Für eine
erfolgreiche Wani-sapa war die Mitarbeit fast jeden Gruppenmitglieds notwendig. Sie
diente ausschließlich der Erbeutung von ausreichend vielen Bisons.
Im Wani-sapa sieht man, dass die Sioux zu systematischen Handeln fähig waren. Ob
eine Bisonjagd stattfinden sollte, war die Entscheidung des sogenannten Nacas, der
für die Jagd die Oberaufsicht hatte. Es war eine seiner Aufgaben eine Jagd - also
eine Wani-sapa - zu organisieren. Dazu rief er eine Versammlung ein, in der entschieden
wurde, ob die vorhandene Nahrungsmenge reichte. Meist war Fleischmangel Grund für
eine Jagd. Der Nacas stützte sich auch auf den Rat des Schamanen, der in einer
Vision Wild gesehen hatte. Herrschte akuter Nahrungsmangel bat man einen Schamanen die
Entscheidungsgewalt zu übernehmen. Als sogenannter Bison-Träumer stellte er
seine Dienste zur Verfügung, indem er ein Schwitzbad nahm und auf diese Weise zu
übernatürlichen Helfern Verbindung aufnahm. Nach dem Ritual gab er bekannt,
ob ein Jagdzug erfolgreich sein könnte oder nicht. War kein Erfolg zu erwarten,
bat man einen anderen Schamanen die Aufgabe zu übernehmen. War dieser von einer
erfolgreichen Jagd überzeugt, so ordnete er bestimmte Rituale und Opfer an, die
seinem übernatürlichen Helfer dargebracht werden sollten. Dies war
gewöhnlich der Büffeltanz. Nach der Bekanntgabe dieser Zeremonie reinigte
sich der Schamane nochmals mit einem Schwitzbad und gab bekannt, wo Bisons auftauchen
oder zu finden sind und welche weiteren Zeremonien notwendig waren. Wurden Bisons
gesichtet, übernahm wieder der Nacas den weiteren Ablauf.
Nur sehr selten wandte man sich an den Bison-Träumer, da man es gar nicht erst
bis zu einer Hungersnot kommen lassen wollte. Der Häuptling trug die Verantwortung
für ausreichend Lebensmittelvorräte zu sorgen. Häufig riefen die Nacas zu
Versammlungen, wo die Notwendigkeit einer Jagd besprochen wurde. Gelegentlich lud er
auch dazu die Mitglieder des Ska Yuha, des Ältestenrats, in dem geschätzte
Jäger aus früheren Tagen saßen, zu der Besprechung ein.
Beschloß man eine Jagd, so wählten die Nacas anerkannte Männer als
Führer der Spähergruppe. Der Ausrufer rief die beiden Ausgesuchten zur
Versammlungshütte, wo sie ihre Anweisungen erhielten und wo sie nach Bisons suchen
sollten. Der zuerst Gewählte leitete den Trupp. Die Ehre als Späher eingesetzt
zu werden, gab den Eltern die Erlaubnis im Namen der Söhne Geschenke zu verteilen.
In der Mitte des Tipidorfes errichtete man einen Pfahl, der einen Bison oder Feind
symbolisierte, an dem es nun galt Berührungscoups zu vollziehen. Unter Singen und
Tanzen schickte ein ruhmvoller Mann, der selbst Späherdienste ausgeführt
hatte, die Auserwählten auf den Weg.
Das Lager folgte meist den Spähern. Fanden diese keine Bisons, kehrten sie heimlich
zu den Zelten zurück. War ihr Unternehmen von Erfolg gekrönt, dann ritt ein
Reiter auf einen Hügel und legte durch Hin- und Herreiten die Entfernung zurück,
in welcher sich die Bisonherde befand. Danach begab man sich zum Tiyo-Tipi und zelebrierte
das Rauchritual - das Gelübte die Wahrheit zu sagen. Dazu wurde ein Altar mit
Süßgras, Bisonmist und einer geweihten Pfeife errichtet. Wenn das Ritual
vollzogen war, erteilten die Nacas den Spähern das Wort ihren Bericht zu erstatten.
Nachdem der Ausrufer verkündet hatte, dass nun die Jagd beginnen solle, fand sich
der Kriegerbund, der zur Zeit die Polizeipflichten wahrnahm, am Tiyo-Tipi ein, um
womögliche Anordnungen entgegennehmen zu können. Wichtig war jetzt, die
Bisonherde nicht zu stören. Die Besitzer der weißen Pferde - die Ältesten,
die Ska Yuhas - entschieden über die Jagdmethode.
Die Geländebeschaffenheit war meist ausschlaggebend. Es gab einige Standardmethoden.
Bei der Umkreisung der Bisonherde teilte man die Jägerschar in zwei von erfahrenen
Männern geführte Abteilungen. Auf ein Zeichen ritt man auf die verwirrte Herde zu
und hinein. Selbständiges Handeln war nun gefragt, um so viel wie möglich Bisons
zu erbeuten. Nachzügler auf langsameren Pferden machten Knoten in den Schwanz von
getöteten Bisons, um ihren Anspruch auf Fleischanteile geltend zu machen. Knaben und
ältere Männer führten die Packpferde. An den persönlichen Zeichen der
Pfeile erkannte der Jäger seine erzielte Beute. Streitigkeiten um die Jagdbeute
schlichtete der Anführer der Jagd oder der Akicita. Die, welche Knoten in den Schwanz
von Tieren geknotet hatten, durften jetzt ihre Wünsche äußern. Der
erfolgreiche Jäger hatte die erste Wahl, er durfte aber den Glücklosen die
gewünschten Fleischstücke nicht verweigern.
Bisons über einen Rand einer Steilwand zu jagen, war eine ältere Methode, um an
große Fleischvorräte zu gelangen. Der sogenannte Bisonrufer hatte dabei die
wichtigste Rolle. Er brauchte ausgezeichnete Kenntnisse über das Verhalten der Tiere
und vor allem viel Geduld und Geschick. Als Bison verkleidet und die Bewegungen eines
Bisons zu vollführen, ahmte er, um das sich aufmerksam zu machen, ihre Laute nach.
Zuvor hatten sich Männer, Frauen und Kinder vor einer solchen Steilwand so postiert,
dass ihre Form, die eines V entsprach, dessen Spitze auf die Klippe wies und dessen Endpunkte
oft kilometerweit auseinanderlagen. An häUfig verwendeten Felsstürzen waren
an den Punkten Steinhaufen errichtet worden, wo jetzt die Helfer dieser Treibjagd postiert
waren. Der Rufer lenkte die Herde in die Richtung des Abgrunds, während die Helfer
Umhänge schwenkten, um die Herde voranzutreiben. Die Tiere bekamen dadurch solche
Angst, so dass sie panisch auf die Felsklippe zu liefen und dort in den Tod stürzten.
Tiere, die überlebten, wurden am Fuße des Steilhangs mit Keulen und Steinen
erschlagen. Der Rufer hatte sich rechtzeitig seitwärts in sicherheit gebracht.
Das Fleisch wurde an alle Gruppenmitglieder verteilt, bestimmte Personen hatten wegen ihres
besonderen Jagdtalents, ebenso Alte und der Bisonrufer das Recht auf ausgesucht gute
Stücke. Die Aufsicht der Verteilung oblag dem Anführer der Jagd und dem
Akicitabund. Wurde ausreichend Beute gemacht, erhielt jeder was er brauchte.
Persönliches Ansehen zu erringen, war meist dem Anführer und der Lagerpolizei
vorbehalten, weshalb diese Methode der Treibjagd im 19. Jahrhundert immer weniger durch das
Pferd angewandt wurde.
Eine Art Treibjagd wurde auch im Winter durchgeführt, wenn man Tiere, die in Herden
lebten, in Schneeverwehungen trieb. Zu Fuß oder auf Schneeschuhen waren dazu die
Jäger unterwegs und als Waffen kamen Pfeil und Bogen und der Speer zum Einsatz.
Die Treibjagd brachte eine reichliche Versorgung oder sogar Überfluß an Fellen,
Nahrung und Rohmaterial. Wurden mehr Tiere getötet als gebraucht wurden, so diente
der Überfluß zur Absicherung in Notzeiten. Mit dem Abschluß der Jagd
endeten auch die Ordnungsaufgaben des Polizeibundes, nur Fehlverhalten wurde noch bestraft.
Der Akicitas hatte das Recht den Besitz und das Zelt des Missetäters zu zerstören.
Zeigte dieser öffentlich reue, erhielt er Ersatz für seinen Verlust.
Fleisch bildete die Hauptnahrung der Sioux. Pflanzliche Kost war aber eine willkommene
Ergänzung. Junge unverheiratete Mädchen und alte Frauen hatten die Aufgabe
Beeren zu pflücken. Einige trugen dazu Sammelschürzen, andere hielten ihre
Röcke hoch und ließen die Beeren hineinfallen, wieder andere legten ein
Stück Tierhaut unter einem Busch, in das die Beeren gesammelt wurden. Zum
Heimtransport füllte man die Beeren in Felltaschen oder ließ sie von Hunden
mit Travois ziehen.
Wilde Kartoffeln und Rüben wurden mit einem Stock ausgegraben. Fand man größere
Mengen, mußten auch die Männer helfen, um so viele wie möglich zu
ernten. Pfeilkrautbeeren wuchsen im tiefen Wasser und mußten deshalb auch von den
Männern gepflückt werden. während die Frauen am Ufer standen und die Beeren
auffingen.
Von den Siouxfrauen wurde die gesamte Pflanzenwelt sorgfältig beobachtet, um keine
Nahrungsquelle übersehen zu können. Die Gewohnheit der alten Frauen ging sogar
soweit, dass neue Lagerplätze nach Mausverstecken untersucht worden, um eventuell
getrocknete Bohnen zu finden. Für jedes Pflanzenprodukt gab es eine Methode der
Haltbarmachung.
Wichtigste Frühjahrsspeisen waren wilde Rüben, Cheyenne-Rüben, Erdbeeren
und Felsenbirnen. Ihnen folgten etwas später Kartoffeln, Artischocken und Kirchen.
Im Herbst wurden Pflaumen und Pilze gegessen, denen Hagebutte und Eicheln folgten.
Einige Gerichte mußten vor dem Verzehr behandelt werden, so zum Beispiel
Kaktusfrüchte und Eicheln. Zuerst wurden Eicheln getröstet. Wenn sie von der
Röstunterlage sprangen, aufgesammelt, gekocht, getrocknet und dann mit einem
Kirschstampfer zerstoßen. Zur Aufbewahrung wurden sie nun mit Fett vermischt.
Aus ihnen wurde einmal ein Brei zubereitet werden.
Trotz des überflusses im Sioux-Gebiet gab es auch Essenmangel. Dann schabten die
Frauen die aufgespannten Häute und stellten daraus eine Suppe vor allem für
die Kinder her.
Die Sioux siedelten allerdings in einem Gebiet, welches vom Standort her begünstigt
wurde - zweimal jährlich zogen auf ihrene Wanderungen die Büffel durch. Um die
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das System der Sioux-Gesellschaft das höchste
Maß der Stabilität erreicht. Ihre wirtschaftliche Grundlage war der Bison. Sie
brauchten sich mit keiner anderen Wirtschaftsform zu beschäftigen, wie etwa dem
Ackerbau.
Als der weiße Mann auftauchte und die Bisons abschlachtete, führte ihre
einseitige Wirtschaftsform zur Katastrophe. |
|