1100 v. Chr. bis 1300 n. Chr.
Keiner weiß wer in der Sierra de San Francisco in den Höhlen die
Felszeichnungen hinterlassen hat. Soviel ist sicher, dass diese großartigen
Zeugnisse präkolumbischer Kunst zwischen 1100 v. Chr. bis 1300 n. Chr.
geschaffen worden.
Die Sierra de San Francisco befindet sich im Zentrum der Halbinsel Baja California in
der Wüste El Vizcaino in einer Linie zwischen Guerrero Negro im Nordwesten und
Santa Rosalia im Südosten. Durch das trocken-heiße Wüstenklima sind
zwischen dem Golf von Kalifornien und der Pazifikküste die Felsmalereien in den
Grotten sehr gut erhalten geblieben.
Diese unwirtliche Gegend - trocken, staubig und heiß - zählt zu den
dünnsten besiedelten Regionen in Mexiko. Trotz alledem hat die Wüste von
El Vizcaino auf der 1200 Kilometer langen Halbinsel Baja California eines der
spektakulärsten Kulturdenkmäler präkolumbischer Höhlenmalerei
zu bieten. Der hervorragende Erhaltungszustand der Felszeichnungen sucht weltweit
ihresgleichen.
In den abgelegenen und schwer zugänglichen Höhlen sind an Wänden und
an Decken diese Felsmalereien zu finden. Nicht nur das trockene Klima, sondern auch,
dass diese Malereien so versteckt liegen, haben zur Erhaltung dieser einzigartigen
Kunstwerke beigetragen.
Die monumentalen Abbildungen zeigen Menschen und Tiere in Lebensgröße.
Das auf den Bildnissen auch Waffen zu sehen sind, läßt darauf
schließen, dass hier Jagd- und Kriegsszenen dargestellt werden. Vermutlich
dienten die Höhlen als Kultstätten oder als Jagdfallen für Beutetiere.
Das es sich um Wohnplätze handelt, schließen Wissenschaftler aus.
Eindeutig konnten bei den Felsmalereien Puma, Luchs, Rotwild, Dickhornschafe, Adler,
Pelikane, Schildkröten, Wale und andere Fische identifiziert werden. Einige der
gezeichneten Tiere sind schon lange nicht mehr im Gebiet der Baja California heimisch.
Klimaänderungen haben in der Tier- und Pflanzenwelt Veränderungen mit sich
gebracht.
Was die Wissenschaftler in Erstaunen versetzte, waren die ausgezeichnet entwickelten
Maltechniken, wie Farbgrundierungen, Umrißzeichnungen sowie Schattierungen.
Hergestellt wurde die Farbe aus gemahlenen Vulkangestein. Bevorzugt wurden die Farben
Schwarz, Rot und Weiß. Die Felszeichnungen sind nicht nur an den Wänden
aufgemalt worden, sondern auch in höheren Lagen, wo eine Leiter oder ein
Gerüst nötig waren.
Wer und wann die präkolumbischen Kunstwerke auf die Wände, Decken und
Überhänge malte, weiß man nicht. Kulturell am weitesten entwickelt,
waren auf Baja California die Guachimis, die in der Region zwischen La Purisima und dem
Nordende der Halbinsel heimisch waren.
Bei einer Reise entdeckte der Jesuit Francisco Javier Clavijero die Felsmalereien und
berichtete 1789 darüber. |