Folsom: zwischen 9.000 und 8.000 v. Chr.
Die Indianer der Folsom-Kultur waren Großwildjäger in den Great Plains
und anderen Gebieten Nordamerikas. Die Kultur ist nach dem Ort Folsom, New Mexico,
benannt wurden bei dem der Archäologe Figgins (Direktor des Colorado Museum of
National History in Denver) von 1926 bis 1928 Skelette einer frühen Bisonart und
zahlreiche Steinwerkzeuge freilegte.
Ein schwarzer Cowboy mit Namen George McJunkin verfolgte die Spur eines verlorenen
Rindes, bei der er die Knochen gefunden hatte. Diese Knochen untersuchte Figgins und
konnte sie älter als 10.000 Jahre identifizieren. Die Knochen stammen vom Bison
taylori (oder wie die Biologen ihn nennen Bison antiquus). Zwei abgebrochene
Feuersteinspitzen fand Figgins bei der systematischen Freilegung von 1926 in der selben
Schicht der Bisonknochen. Fachleute akzeptierten diesen Fund nicht, da sie der Meinung
waren, dass die Knochen und Speerspitzen zufällig in die gleiche Schicht gekommen
seien. Das Colorado Museum of National History beauftragte Figgins nochmals zu graben.
Diesmal fand er erneut Speerspitzen und Knochen in der gleichen Schicht. Er ließ
alles unberührt (lat.: in situ) liegen und rief seine Kollegen herbei. Dr. Brown
vom American Museum of National History legte eine Spitze, die zwischen zwei Knochen
eines Tierskeletts steckte, frei - die fortan als Folsom-Spitze in die Geschichte
einging. Es war zweifellos der Beweis der Behauptung von Figgins.
Bei Grabungen im Jahre 1928 durch Brown wurden weitere Folsom-Points gefunden, so dass
eine Zahl von 19 Spitzen zusammenkam.
Dieser Fund - die Folsom-Spitze - näherte den Stolz Amerikas auf seine
Vergangenheit. Bei Folsom wurde aber kein einziger Menschenknochen gefunden. Bei den
Speerspitzen konnte es sich jedoch nicht um Pfeilspitzen handeln. Für Pfeile war
die Spitze zu groß. Pfeil und Bogen wurde auch erst von den Basket Maker im
Südwesten eingeführt. Ein weiterer Beweis, dass hier Menschen der Spezie
Homo sapiens den Bison erlegt hatten, ist das Fehlen des Schwanzwirbels, was nur zu
Erklären ist, dass das Tier gehäutet wurde. Bei dem Bisonskelett wurden
Schaber - Werkzeug zum Reinigen von Fell - gefunden. Das Fell diente wahrscheinlich
als Kleidung, Windschutz oder Unterlage zugleich. Merkwürdiger Weise waren die
Skelette fast vollständig erhalten, was darauf schließen läßt,
dass sie an Ort und Stelle verzerrt wurden. Dies wirft für die Archäologen
zahlreiche Fragen auf. Einige der wichtigsten sind: Hatten die Folsom-Leute kein festes
Lager? Wieso kam kein einziger Jäger ums Leben? Mit nichts als Speeren gegen einen
Bison vorzugehen, brachte doch Gefahr.
Wo die ersten Knochen gefunden wurden, sind dunkle Humusstreifen vorhanden. Dies
weist daraufhin, dass hier einst saftiges Gras gewachsen ist, vielleicht ein kleiner
See lag, zu dem die Bisons zur Tränke kamen.
1928 wurden die Knochen auf 10.000 Jahre geschätzt. Eine Radio-Karbon-Methode gab
es noch nicht.
Auch an anderen Stellen der heutigen USA fand man Speerspitzen der Folsom-Leute.
So wurden schon 1924 bei Fort Collins im heutigen US-Staat Colorado auf einem
Jagdlagerplatz Speerspitzen, Schaber und Steinmesserklingen dieser frühen
Jäger sowie Überreste des ausgestorbenen Bisons (Bison taylori) gefunden.
Die Grabungsstätte «Lindenmeier Site» in Colorado brachte ziemlich
genaue Ergebnisse der Altersangabe - nämlich 10850 ± 550 Jahre. |