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Die Rolle der Frauen
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In diesem Kapitel möchte ich die Rolle oder auch die Stellung der Frau bei den
Indianern beschreiben. Sie wurden verehrt und man brachte ihnen Achtung entgegen.
Für die meisten Weißen waren die Ehefrauen und Mütter der Indianer
unterdrückte Personen, die nichts anderes zu tun hatten, als Kinder zu gebären,
diese groß zu ziehen und die Nahrung zu kochen. Ferner neben der Feldarbeit auch
noch manchmal Vielweiberei ertragen mußten.
Ja, das Leben war voller Mühsal und Plackerei, aber doch anders als die Weißen
glaubten.
Während die Männer auf die Jagd gingen oder in den Krieg zogen, hatten die
Frauen die Aufgabe das dörfliche Leben in Gang zu halten und für den
Fortbestand zu sorgen und Mythen und Bräuche zu bewahren. Ihre mühsame Arbeit
trug ihnen innerhalb einer indianischen Gruppe bzw. eines Stammes oder über ihn
hinaus ein beträchtliches Maß an Achtung ein. Die Frauen bauten bei
seßhaften oder für eine bestimmte Zeit an einem Ort lebende Stämme
Feldfrüchte an, sammelten Beeren, Nüsse und Gemüse und bereiteten bei
Plain-Indianer den Pemmikan. Bisonfelle zu gerben und weiterzubearbeiten - das trifft
ebenso auf die der Hirsche und Elche zu - gehörte auch zu ihrem Tätigkeitsfeld
wie auch die Herstellung der Kleidung und Mokassins. Dabei konnte eine Frau ein ebenso
hohes Ansehen unter ihresgleichen erreichen wie ein tapferer Krieger, wenn sie
Kleidungsstücke besonders schön bestickte und die größte Anzahl an
Fellen gerbte. Bei den Stämmen des Westens war auch die Korbflechterei Aufgabe der
Frauen. Genau wie die Herstellung von Töpferei-Produkten.
Ferner gehörte die Erziehung der Kinder in ihr Aufgabengebiet.
Die Indianerfrauen waren aber weit entfernt ihre Arbeit als Plackerei zu betrachten,
sondern führten sie mit gewisser Befriedigung sogar mit fröhlicher
Kameradschaft aus, wenn sie gemeinsam zum Beerensuchen oder beim Wurzelgraben unterwegs
waren.
Besonders stolz waren die Frauen auf ihre künstlerische Rolle. Geschicklichkeit und
Schöpfertum bei Handarbeiten bestimmten den Rang, den sie in einer kleinen
Gemeinschaft inne hatte. Das Weben von Decken oder die Herstellung der Tipiauskleidung
war auch ihre Arbeit, welches ihr, der Familie und dem Stamm nach außen Ansehen
einbrachte. Bei Prärie-Indianern war das Aufstellen und Abbauen der Zelte
Frauenarbeit, was für Frauen Schwerstarbeit war. Sie waren auch zuständig
für das Heranholen von Brennmaterial. Nicht zu vergessen, ist auch die Zubereitung
der Mahlzeiten.
Beim Irokesen-Bund, welcher aus fünf (später sechs) Nationen bestand,
besaßen Frauen-Abgeordnete, in einer Art Repräsentantenhaus der einem Senat
von 50 Sachem beratend zur Seite stand, einen bestimmten Einfluß. So wie die
Männer den Irokesen-Staat nach außen sicherten, so sicherten das auf
Mutterfolge und Mutterrecht begründete Clansystem den Irokesenstaat nach innen.
Kinder folgten dem Totem der Mutter, Erben des Mannes waren die Kinder seiner älteren
Schwester. Familienbesitz blieb Eigentum der Frau. Im kommunalen Bereich waren die Frauen
führend. Jeder Clan innerhalb einer Nation wurde von einer Clanmutter (Matrone)
geführt. Sie schlug beim Tod eines Sachem den Frauen ihres Clans den Nachfolger vor.
Er wurde auch, wenn er sich nicht bewährte, nach dreimailiger Verwarnung der Matrone
vom Rat wieder abgewählt.
Auch wenn die Frauen die Basis der Familie waren, die kulturelle Tradition ihres Volkes
bewahrten, so konnten sie trotzdem über die Einteilung und Erledigung ihrer
Arbeiten selbst bestimmen.
In den Krieg zu ziehen, war Domäne der Männer, aber zuweilen verteidigten die
Frauen ihr eigenes Lager oder zogen mit in den Krieg, um für eine Kriegergruppe zu
kochen oder auch die Pferde zu bewachen. Manchmal begaben sich die Frauen auch in die
Nähe des Schlachtfeldes, um die getöteten Feinde auszuplündern und die
Beutestücke ins heimatliche Dorf zu schaffen. Die Frauen der Ute, welche mit in den
Krieg zogen, hatten ihren eigenen speziellen Kriegstanz.
Einige wenige Frauen gingen auch auf die Jagd oder zogen in den Krieg. Wenn ein Mann
bei den Ojibway tot, abwesend oder auch keine Luste hatte, gingen die Frauen zur
Jagd. Schon im Mädchenalter begleiteten sie ihren Vater auf Jagdausflügen.
Sioux-Frauen standen ihren Männern auch in der Büffeljagd nicht nach und
erlegten ebenfalls ihre Büffel. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen töteten
Frauen die Feinde und skalpierten sie sogar. Bei den Cherokee - im Südosten -
wurden Kriegerinnen in den Frauenrat gewählt, hatten Mitspracherecht über Krieg
und Frieden und besaßen eine Stimme, wenn es über das Schicksal eines
Gefangenen ging. Die Chiricahua-Apachen besaßen eine Kriegerin mit dem Namen Lozen,
die die Schwester eines berühmten Häuptlings war, die als beste Reiterin,
Pferderäuberin und Lassowerferin ihres Stammes galt. Man schickte sie auch auf
Späherdienste und zog sie im Kriegsrat, wenn es um Strategie ging, hinzu. Woman
Chief, eine von den Crow geraubte Gros Ventres, hatte mehr Mut als manch einer der
Krieger ihres neuen Stammes.
Andere Frauen die nicht in den Krieg zogen, stattdessen weiterhin den Haushalt
führten, die Kinder groß zogen, galten und gelten auch heute noch als lebendes
Gedächtnis. Sie bewahrten die Sprachen, die Rituale und Traditionen ihrer Vorfahren,
waren stolze Hüterinnen des Glaubens, des Selbstbewußtseins und gaben Kraft
der indianischen Kultur. | |
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