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Die
Indianer
Nordamerikas
 
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Geschichte vor Kolumbus


 

Frühe Kulturen: Großwildjäger


Allgemeine Einführung zu den Themen "Clovis", "Folsom", "Goshen" und "Sandia"


Alle Großwildjäger Amerikas werden heute von den Wissenschaftlern als Paläo-Indianer bezeichnet.

Niemand besitzt gesicherte Daten wann und wo der Mensch Amerika betreten hat. Wir wissen auch nicht wie sie aussahen, welche Kleidung sie trugen, wie sie sprachen, noch was sie dachten. Auch nicht klar sind die Erkenntnisse wann diese asiatischen Jäger ihre Heimat verließen. Es besteht aber heute kein Zweifel, dass sie Ende des Pleistozäns von Asien her Amerika besiedelten.

Ihre archäologische Vergangenheit verweist auf eine asiatische Heimat. Nur wann sie die Neue Welt betraten - der zeitliche Ablauf, ist heute noch nicht eindeutig gesichert. Dass bereits vor 100000 Jahren eine erste Einwanderungswelle stattgefunden hat, ist nach jetzigen Erkenntnissen - Anfang des 21. Jahrhunderts - unwahrscheinlich (Vergleichen Sie das Kapitel "Sie besiedelten Amerika").

Vor etwa 18.000 Jahren erlebte die letzte Eiszeit - vier Eiszeiten gab es - ihren Höhepunkt. Gewaltige Eisschichten - bis etwa 3.000 Meter hoch - bedeckten ganz Kanada und reichten hinunter bis in das Gebiet der Großen Seen (Oberer See, Michigansee, Huronensee, Eriesee und Ontariosee). Die Gletscher der Eiszeit hatten soviel Wasser gebunden, dass der Meeresspiegel wesentlich niedriger als heute lag und das Kontinentalschelf zudem Beringia - eine große eisfreie Landmasse zwischen Nordostasien und Alaska, die beide Kontinente miteinanderverband - freilegte. Beringia hatte eine gutbewachsene Flora, die Riesentieren des Pleistozän als Nahrungsquelle diente. Jäger folgten den Herden der Tiere. Die Gletscher begannen zu schmelzen und bedeckten den freigelegten Kontinentalschelf. Vor etwa 12.000 Jahren zog sich der laurentische Eispanzer nach Osten und die Eisdecke der Kordilleren nach Westen zurück und gaben einen von Nord nach Süd entstehenden Korridor frei. Dieser eisfreie Korridor erstreckte sich vom Yukon über den Westen von Kanada bis hinunter nach Montana. Dies war die Route, so glauben Prähistoriker, auf der die Großwildjäger zu den Prärien Nordamerikas vordrangen.

Etwa vor 12.000 bis 10.000 Jahren kam es zu einer Klima- und Umweltveränderung. Zur Zeit des Auftauchens der Clovis-Kultur um etwa 12.000 bis 11.000 Jahren waren die Sommer noch kälter und die Winter wärmer. Die jahreszeitlichen Temperaturextreme waren also weniger ausgeprägt als heute, was zum Wachstum hoher Gräser in den Ebenen führte - heute ist das Gras wesentlich kürzer. Die gewaltigen Säugetiere wie Mammut, Mastodon, Riesenfaultier, Kamel, Pferd, Höhlenbär - etwa doppelt so groß wie der heutige Grizzlybär - des Pleistozäns begannen auszusterben, nur der Bison sollte noch 3.000 Jahre leben. Vor etwas weniger als 11.000 Jahre änderte sich abermals das Klima. Es grenzten sich die Jahreszeiten wesentlich stärker voneinander ab - lange, warme und sonnige Abschnitte nahmen zu, während Schneefälle und Niederschläge nachließen. Etwa vor 10.000 Jahren - zu Beginn des Holozän - hatte diese Entwicklung ihren Höhepunkt erreicht. Es herrschte etwa die Klimaverhältnisse wie wir sie heute kennen.

Dass bereits vor der Clovis-Kultur Menschen in Nordamerika beheimatet waren, ist auch die Auffassung vieler Archäologen, jedoch geht man davon aus, dass die Waffen und Werkzeuge der Clovis-Kultur die ältesten sind, mit denen Jäger zur Wild nachstellten. Verwandt waren die Clovis-Jäger mit Jägern der Alten Welt des oberen Paläolithikums, die ebenfalls Mammuten, Wisenten und anderem Großwild nachjagten.

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Wissenschaftler der Ansicht, dass der Mensch noch nicht lange in Nordamerika gelebt hatte. Der schwarze Cowboy George McJunkin hütete nahe der Stadt Folsom im Nordosten von New Mexico eine Rinderherde als er am Ufer eines Arroyo - eines steilwandigen Kanals - große Knochen aus der Erde ragen sah. 1926 entdeckten Paläontologen des Naturhistorischen Museum Colorados an der Fundstätte Waffen aus Stein, die später als Folsom-Spitzen bekannt worden. Zwischen den Knochen einer ausgestorbenen Bisonart wurden auch Schlachtwerkzeuge entdeckt. Anfangs waren aber die Archäologen nicht davon überzeugt, dass die Waffen mit den Knochen etwas zutun hatten. Drei Jahre der Ausgrabungen zogen dahin bis alle Archäologen und Paläontologen zu dem Schluß kamen, dass Menschen schon viel früher in Nordamerika gelebt hatten als bisher angenommen wurde.

Als 1932 der North Platte River im Norden Colorados über die Ufer trat, wurden Knochen von Mammuten freigelegt. Zwischen den Knochen fanden die Wissenschaftler Pfeilspitzen mit Auskehlung, die typisch für die Clovis-Kultur war. Ihren Namen verdankt aber die Clovis-Kultur zahlreichen Funden an einem anderen Ort, der als Blackwater Draw - Fundort 1 - im Osten von New Mexico bekannt wurde - der nahe der Stadt Clovis liegt.

Blackwater Draw war in wesentlich früherer geologischer Zeit ein Bach, der in Südostrichtung die Llano Estacado durchquerte, zur Zeit der Clovis-Kultur waren durch klimatische Veränderungen seichte Seen entstanden, die Mammuten und Bisons als Tränke gedient hatten, und heute ist der Blackwater Draw nur noch ein Entwässerungskanal. Wenn die Tiere zur Zeit der Paläoindianer zu den Wasserlöchern kamen, wurden sie wahrscheinlich von den Jägern bereits erwartet und wurden so leichte Beute. Blackwater Draw diente viele tausend Jahre den Paläoindianern als Jagdrevier. Vor 11.000 Jahren erlegten hier Clovis-Jäger Mammute und Bisons. Einwenig später jagten hier auch die Jäger der Folsom-Kultur, wie eine Schicht über der Clovis beweist - sie erlegten aber keine Mammute mehr, sondern nur noch Bisons.

Die Funde von Blackwater Draw wurden aber nur gefunden als man den darüber liegenden Kies für den Straßenbau abbaute. Knochen von Mammuten und Bisons wie auch menschliche Werkzeuge hatte man freigelegt. Die Fundstätte wurde später zur Kiesgrube erklärt. Damit ging vermutlich eine der bedeutendsten paläoindianischen Fundstätten Nordamerikas für immer verloren.

Clovis wurde für die älteste nordamerikanische Kultur gehalten, der aber Folson nur wenig nachstand. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts machte man aber im Südosten von Wyoming eine neue sensationelle Entdeckung - Hell Gap. Hell Gap wurde die älteste und zugleich umfangreichste paläoindianische Fundstätte Nordamerikas. Anhand der tiefen Schichtung konnte eine verläßliche Chronologie der Paläoindianer der nördlichen Ebenen aufgestellt werden. Einige steinerne Gegenstände die unterhalb der Folsomschicht entdeckt wurden, ordnete man zunächst den Clovis zu. Nähere Untersuchungen erbrachten aber, dass die Funde weder Clovis noch Folsom zugeordnet werden konnten. Die Pfeilspitzen ähnelten einem Typus, den man in den südlichen Ebenen einst entdeckt hatte - dem sogenannten Plainview-Typ. Da aber die Plainview-Kultur wesentlich jünger als Folsom war, die Relikte aus Hell Gap aber wesentlich älter als Folsom waren, nannte man die Fundstücke nach dem Bezirk, wo man sie freigelegt hatte - als Goshen-Kultur oder Goshen-Kulturkomplex.

                                                 
Projektilspitze der Clovis-Kultur        Projektilspitze der Goshen-Kultur        Projektilspitze der Folsom-Kultur


Die Paläo-Indianer hatten die Fähigkeit entwickelt aus Stein verschiedene Arten von Waffen und Werkzeugen anzufertigen. Anhand der Waffen - vor allem der verschiedenartigen Projektilspitzen - können heute Archäologen die unterschiedlichen Kulturkomplexe unterscheiden. Bestes Hilfsmittel dafür ist die Radiocarbon-Datierung mit der es Wissenschaftlern gelang eine Chronologie der verschiedenen paläoindianischen Gruppen für Nordamerika zu erstellen. Mit diesen Kenntnissen sind Fundstätten der Paläo-Indianer nicht nur Anhaltspunkte für Vergleiche, sondern man kann die menschlichen Gesellschaften studieren und vor allem ihre Lebensweise kennenlernen.

Die Paläo-Indianer - auch schon Homo sapiens sapiens - lebten in kleinen nomadisierenden Gruppen zusammen und sahen sich mit den Problemen des täglichen Überlebens konfrontiert. In ihrem Leben herrschte Harmonie, aber ihre Umwelt war lebensfeindlich. Der kleinste Fehler bei der Nahrungssuche konnte den Tod, Gesundheitsschäden des Jägers nach sich ziehen und damit den Hungerstod der ganzen Familie bedeuten. Große Raubtiere und den Verlust der gespeicherten Nahrungsvorräte waren die größten Gefahren der Menschen dieser Zeit.

Für die paläoindianische Wirtschaft war die Jagd wichtigstes Element, die von den Männern ausgeübt wurde. Die Zubereitung des Fleisches war die Arbeit der Frauen, genauso das Sammeln von genießbaren Pflanzen. Wie bereits geschrieben, so lebten die Paläo-Indianer in kleinen Gruppen, die von Männern geführt worden. Eine Gruppe konnte aus 20 bis 50 Personen bestehen, die sich wiederum zu vier bis zehn Kernfamilien zusammenschlossen. Die längste Zeit des Jahres zerfiel die Gruppe in kleine Einheiten einzelner oder mehrerer Familien, um immer ausreichende Nahrungsressourcen zu bekommen. Die einzelnen Einheiten versammelten sich zur gemeinsamen Jagd oder wenn Nahrungsüberschuß herrschte - manchmal trafen sich auch mehrere Gruppen.

Jede Gruppe hatte ihr eigenes Revier, in dem sie jagten und andere Nahrungsressourcen nutzten. Geheiratet wurde ein Mitglied einer anderen Gruppe - also exogam. Dies führte dazu, dass sie ihre Territorialgrenze überschreiten mußten. Die Frau zog in das Haus des Ehemannes, denn es war für derartige Jagdgesellschaften lebensnotwendig, dass die genauen Kenntnisse des Jagdreviers vom Vater auf den Sohn vererbt wurden.

Dass ein Jagderfolg zwingend erforderlich war, ist nicht zu leugnen, es hing ja das Leben einer ganzen Familie davon ab. Und deshalb hatte eine Familie, eine Jagdgruppe ein besonderes Verhältnis zur Tierwelt. Dies äußerste sich in Ritualen - in einer Jagdmagie. Der Glauben dieser Menschen lag darin, dass sich die Tiere freiwillig den Menschen zur Verfügung stellten und ihnen deshalb ein entsprechendes Maß an Respekt entgegengebracht werden mußte. In jeder Situation der Jagd mußten die Geister der Tiere angemessen behandelt werden. Wenn dies nicht geschah, war die Verfügungstellung der Tiere zu Ende. Der Schamane war bei jeder Jagd anwesend, um sicherzustellen, zu entsprechender Zeit das richtige Ritual abzuhalten. Die Aufgabe des Schamanen war es auch Krankheiten zu heilen, die nach Überzeugung nur dann entstanden, wenn ein Ritual - Tabu - nicht eingehalten wurde.

Viele Jahrtausende überlebten diese paläoindianischen Jagdgesellschaften - das Geheimnis ihres Erfolges war die Zusammenarbeit. Egal wer ein Wild erlegt oder Nahrung gesammelt hatte, ein jeder der Gruppe erhielt einen Anteil. Hatte ein anderer Jäger einen Jagderfolg, so teilte auch dieser seine Beute. Auf diese Weise überlebte die Gruppe und so bekam auch jener seinen Anteil, der heute nichts zum Teilen beisteuerte. Wurde die Nahrung knapp, war das Teilen sogar noch wichtiger. Verwerflich wäre hingegen gewesen, Nahrung zu hamstern. Große Achtung brachte man denen entgegen, die viel Jagdbeute machten. Nahrung in Vorratsspeichern zu lagern, war sogar wichtig, um in Zeiten wo man keine Beute machte, versorgt zu sein. Die Art der Nahrungsspeicherung war besondern in kälteren Regionen verbreitet.

Mit welcher Kleidung sich die Paläo-Indianer vor allem in der kalten Jahreszeit schützten, ist nicht eindeutig zu beweisen. Eher schon wie die Winterquartiere aussahen. Vermutlich lebten die Paläo-Indianer in Zelten, ähnlich die der Prärie-Indianer. Diese mit Tierhäuten bedeckten Behausungen sind im Winter bemerkenswert warm - von außen isoliert der Schnee und im Innern heizt die Feuerstelle. Was die Kleidung betrifft, ist nur bekannt, dass sie Werkzeuge kannten mit denen sie welche herstellen konnten.

Clovis           Goshen           Folsom
 
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