Wer heute auf amerikanischen Straßen mit dem Auto, dem Bus oder abseits der Pisten
mit dem Pferd oder Motorrad unterwegs ist, weiß meist nicht, dass dies einst die
Routen von indianischen Kaufleuten waren.
Der erste Handel wurde mit benachbarten Stämmen getrieben. Schon um 8000
v. Chr. war Obsidian - ein Mineral - ein Handelsgut, dass im nördlichen
Britisch-Kolumbien und den Alaska Panhandle von Händlern transportiert wurde.
Es dauerte nicht lange - vor etwa 5000 Jahren v. Chr. - und ein Netz aus
Handelsstraßen durchzog den ganzen Kontinent. Weitere 3000 Jahre später
wurden exotische Produkte verbreitet.
Gehandelt oder getauscht wurden in jener Zeit vor allem Nahrung, die einer mehr anbaute
als ein anderer. Zur Zeit der Hopewell (um 300 v. Chr. bis 400/500 n. Chr.) existierte
ein Handelsnetz zwischen ihren Gruppen.
Später kam man durch den Austausch von Waren an Produkte, die es in der näheren
Umgebung nicht gab, aber auch Alltagsgegenstände, Waffen und anderes Gerät
waren wichtige Tauschobjekte. Ein weiterer Aspekt, der erst durch den Handel möglich
wurde, war der Kontakt zu weit entfernten Stämmen. In einigen Gegenden wurde statt
getauscht mit Muschelgeld bezahlt.
Reisende Händler kamen bis in die entferntesten Dörfer und Gegenden, wo ein
Handelszentrum entstand. Wichtige Märkte lagen z. B. nahe der nördlichen
Verbreitungsgrenze des Maisanbaues. Ein solches Gebiet war das der Huronen im heutigen
Ontario oder in North Dakota im Gebiet der Mandan, wo Bohnen, Mais, Kürbisse gegen
Fleisch und Felle getauscht worden.
Die Huronen, Nipissing und Ottawa waren sogenannte Zwischenhändler in einem
riesigen Handelsimperium. So erreichten Güter aus dem Norden den Süden und
umgekehrt.
Manchmal führte die Konkurrenz in der Entwicklung des Handels und einer Hierarchie
auch zum Krieg, so wie Waffen und Rüstungen in Gräbern beweisen.
Als Handelswaren wurden bei den Tsimshian - ein Stamm der Nordwestküste - Obsidian,
Pelze, Beilklingen, Kupfer, Trockenbeeren, Klauen von Grizzlybären, Ziegenwolle,
Schafshörner und zahlreiche andere Güter getauscht.
Später als der weiße Mann nach Amerika kam, wurde auch mit ihm Handel
getrieben. Getauscht wurden Felle und Häute gegen Werkzeuge und Töpfe aus
Metall. Ebenso wechselten Pferde, Gewehre wie auch der Alkohol den Besitzer.
Das Handelseinflußgebiet der Huronen wurde durch die Ankunft der Franzosen weiter
ausgedehnt, was vor allem dem Pelzhandel betraf. Ebenso waren bei den
Algonkin-Stämmen vor allem Felle wie die der Seeotter, Biber und Büffel das
Produkt im Tausch gegen europäische Waren.
Dieser Handel führte im 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts an der
Pazifikküste praktisch zur Ausrottung der Seeotter, der Biber war in weiten Teilen
Nordamerikas stark reduziert und die Zahl der Bisons hatte sich ebenso stark verringert.
Je mehr die Indianer mit den Sachen der Weißen in Berührung kamen, desto mehr
verloren sie ihre Fertigkeiten und ihre Unabhängigkeit. Etwa 150 Handelsstationen
gab es um 1840. Einer dieser Handelsposten wurde unter dem Namen Fort Laramie - 1934
gegründet - bekannt. Es war Handelsposten und zugleich Fort. Hier kamen die
Friedensgespräche zwischen 5.000 Vertretern der Prärie-Indianer und
Weißen 1851 zustande, ebenso Verhandlungen 1864, die zu Vertragsabschlüssen
führten.
Indianer konnten stur sein, wenn es um Waren ging, die sie wirklich benötigten.
Für ein gut ausgebildetes Bisonpferd forderten sie ein halbes Dutzend Pferde von
ihrem indianischen oder weißen Tauschpartner. Wie man aus einem guten Geschäft
noch ein besseres machte, kannten z. B. die Arikara. Für ein Pferd forderten
sie ein Gewehr, hundert Schuß Munition und ein Messer. Mit diesen überfielen
sie dann andere Stämme und Weiße und erbeuteten wiederum Pferde, um diese
wieder zu verkaufen.
Angebot und Nachfrage bestimmten den Preis. So erhielt ein Händler am oberen
Missouri zu Beginn des 19. Jahrhundert, wo es wenig Pferde gab - dafür aber
reichlich Bisons - für zehn Bisonfelle ein Pferd. Der Preis sank später auf
drei Felle.
Weitere Produkte wurden wie folgt getauscht:
1 gewöhnl. Reitpferd gegen 8 Bisonfelle oder 1 Gewehr und 100 Schuß Munition
oder 15 Adlerfedern oder 5 Tipistangen oder 1 Tipiüberzug aus Bisonfell oder 1
Tabakballen von 3 Pfund Gewicht
1 gutes Rennpferd gegen 10 Gewehre
1 Bisonfell gegen 3 Stahlmesser oder 25 Schuß Munition oder 1 Eisenkessel von 3,8
Liter Inhalt