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Die
Indianer
Nordamerikas
 
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Geschichte ab Kolumbus


 

Indianer heute - Was ist aus den Indianern geworden


Zehn Jahre nach dem Ende der Indianer-Kriege - also 1900, das letzte große Ereignis der Indianer-Geschichte war das Massaker von Wounded Knee (auch auf dieser Seite), waren die Weißen - also Politiker, Wissenschaftler... - der Ansicht, dass die Zukunftsaussichten für die indianische Bevölkerung düster seien und der «rote Mann» im Sterben liegt. Die Zahl der Indianer hatte rapide abgenommen, ganze Völker waren ausgerottet und die Stämme lebten nur noch in Ortsnamen, Bergen, Wasserfällen... fort. Für den weißen Amerikaner waren die Wilden verschwunden und die Zivilisation konnte sich endlich ausdehnen.

237.000 Indianer waren 1900 in den USA bei einer Volkszählung registriert worden (andere Quellen haben wiederum andere Zahlen), in Kanada 101.000 Indianer ein Jahr später.

Folgen für diese Dezimierung waren Krankheiten, der Einfluß des Alkohols und Opfer durch die Kriege - etwa eine halbe Million Personen waren allein Kriegsopfer in vierhundert Jahren geworden. Völkermord war nicht die offizielle Politik, wurde aber billigend in Kauf genommen. Die Zwangsumsiedlung überlebten die Alten und Schwachen nicht, auch die Vertreibung aus der Heimat und die Hoffnungslosigkeit führte zum Bevölkerungsschwund ebenso der Verlust der alten Wirtschaftsformen und das Zerfallen der traditionellen Gemeinschaften. Durch das Elend und die schlechte medizinische Versorgung in den Reservationen sank die Lebenserwartung und die Geburtenrate drastisch.

Die indianische Bevölkerung war durch die oben beschriebenen Gründe stark dezimiert worden. Aber wie viele Menschen lebten vor dem Eindringen der Europäer in Amerika? Dies ist eine Frage, die niemals jemand exakt beantworten kann. Lange Zeit ging man von einer Million Menschen in Nordamerika aus. Doch diese Zahl läßt sich heute nicht mehr halten. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts bezweifelte man die geringe Bevölkerungsdichte. Auf der Grundlage demographisch und ökologisch rekonstruierenden wie auch ideologischen Hochrechnungen kam man zu der Annahme, dass auf dem nordamerikanischen Kontinent etwa 18 Millionen Menschen gelebt haben müssen. Aber auch diese Schätzungen lassen Schweifel aufkommen. Das liegt einfach an der Tatsache, dass wesentlich mehr Menschen auch mehr urgeschichtliche Spuren hinterlassen als bis heute gefunden wurden. Deshalb wird die indigene Bevölkerung zwischen 2 bis 8 Millionen Menschen beziffert - dies allerdings ist wenig präzis.

Eins ist auf jeden Fall Fakt, dass die indianische Bevölkerung seit der Jahrhundertwende wieder zunimmt. 350.000 Personen wurden 1950 registiert, 1990 waren es etwas mehr als 2 Millionen Menschen. 1996 wurden einschließlich der Metis in Kanada 800.000 Indianer gezählt.

Bessere Lebensbedingungen und der gestiegene Lebensmut führten zur Erhöhung der Geburtenzahlen und einer geringeren Sterblichkeit. Auch werden Personen dazugerechnet, die durch Identitätswanderung Indianer wurden. Das Bureau of Indian Affairs (BIA) rechnet deshalb für das Jahr 1990 nur wenig mehr als 1 Millionen Personen als Indianer, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen.

Wie die Zahlen vor dem Eindringen der Weißen geschätzt werden, so ähnlich ist es auch mit den heutigen Angaben zur indianischen Bevölkerung noch.

Wer nun als Indianer gerechnet wird, ist in der Einführung beschrieben und wird hier nochmals wieder gegeben.
Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Wenn man wie ein Indianer lebt, wohnt, spricht und glaubt wie die Ahnen, ist man noch nicht eindeutig Indianer. Für das Bureau of Indian Affairs (BIA) ist ein Indianer, wer zu 50 Prozent (in Ausnahmefällen 25%) indianischer Abstammung ist und einen offiziell anerkannten Stamm angehört. Jedoch hat jeder Stamm noch seine eigene Definition. Für die US-Zensusbehörde ist Indianer, der es sein will. Der Wille ist fast genauso wichtig, wie die ethnische Abstammung.

Nicht alle Stämme werden von der Bundesregierung anerkannt. Die, die in der Kolonialzeit mit den Briten Verträge abschlossen, erhielten diese Anerkennung nicht. Ebenso erging es den Stämmen, die niemals Verträge mit Bundesstaaten oder der Regierung in Washington zur Unterzeichnung brachten.

Die Mitgliedschaft zu einem Stamm, zu Gruppen von Personen ist nicht einheitlich geregelt. Jeder Stamm bestimmt selbst. Einst waren Stämme Personengruppen, die durch Verwandtsbeziehungen - Abstammung, Heirat, Adoption - miteinander verbunden waren, zusammen lebten und sich der Gruppe zugehörig füllten. Ein weißer Gefangener konnte Stammesmitglied werden, wenn er es wollte. Schwere Vergehen führten oft zum Stammesausschluß.

Diese Aufschrift fand man auf der Brücke bei Kanahwake, Quebec um 1990 Die Richtlinien für die Abstammungskriterien waren bei den Stämmen unterschiedlich. Zahlreiche Stämme sahen Personen als Mitglied der Gemeinschaft an obwohl sie nicht von der Mutter oder vom Vater diese Mitgliedschaft geerbt hatten. Bei anderen indianischen Volksgruppen war eine Person stammesangehörig, wenn sie durch die Abstammung auf der mütterlichen oder auf der väterlichen Linie mit dem Stamm verbunden war.
Bei den Seneca, wo die Mutterabstammungslinie gilt, gab es zahlreiche Mitglieder mit weißen Vätern und Großvätern, hingegen wenn die Mutter eine Weiße war und sogar im Langhaus der Reservation lebte, erhielt sie keine Stammesmitgliedschaft, ebenso ihr Kind. Andere Stämme machten die Stammeszugehörigkeit davon abhägig, ob die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt auf der Reservation lebten - so z. B. die Salish um 1950. Zehn Jahre später war es nur noch notwendig von einem Stammesmitglied abzustammen oder ein Viertel Indianerblut zu besitzen.

Dieses Kriterium praktizierte die USA ab 1918. Manche Stämme haben heute die Pratik übernommen.

In Europa hatte sich Jahrhunderte vor der Eroberung der Neuen Welt das kulturelle Bewußtsein einer gemeinsamen Identität zumindest auf der Grundlage des Christentums herausgebildet, dieses Empfinden der überregionalen Zusammengehörigkeit fehlte den eingeborenen Völkern Nordamerikas. Nicht einmal ein Wort konnte die Gesamtheit der amerikanischen Urbevölkerung bezeichnen. Kulturelle Ähnlichkeiten beschränkten sich auf regionale ähnliche Anpassungen an die Lebensräume. Als die weißen Eindringlinge in Amerika einfielen, reifte die Einsicht, dass trotz der Verschiedenheiten der Völker allen das gleiche Schicksal drohte, erst nach und nach.

Das was alle Völker zuerst merkten, war der Verlust ihres Stammesgebietes. Weite Teile des Landes hatten bereits im 18. Jahrhundert den Besitzer gewechselt. Die Güter und die Annehmlichkeiten des Lebens der Eindringlinge übte auf zahlreiche Stammesmitglieder eine solche Anziehungskraft aus, dass ihnen die eigenen Traditionen fremd wurden. Erst als 1830 die amerikanische Regierung dazu überging, die Stämme in Oklahoma im Indianerterritorium anzusiedeln, regte sich Widerstand des Vielvölkergemischs. Es entstanden politische Strömungen, wie die Peyotereligion, Musikstile ... - aber nicht in allen Teilen Nordamerikas. Zahlreiche panindianische Strömungen entwickelten sich in den Internatschulen, in die man ab 1879 die Kinder verschiedener Stämme gemeinsam unterbrachte, die zusammen aufwuchsen und langfristig Beziehungen entstanden aus denen im 20. Jahrhundert die Indianerbewegung hervorging. Es waren nicht Indianer, die an den alten Traditionen hingen, sondern die, welche zwischen der indianischen Kultur und die der Weißen standen. Sie waren es auch die erkannten, dass nur die Gemeinsamkeit gegen einen übermächtigen Gegner stark macht.

Die Mehrheit der Indianer Nordamerikas sieht sich als Angehörigen eines Volkes - der Indianer - und hat dies mit unterschiedlichem Arrangement zur Kenntnis genommen.

Einst gaben die Indianer durch Rauchzeichen Nachrichten weiter - heute sind sie im Internet, benutzen das Radio als Medium, um Informationen, Musik, Unterhaltung und Kultur weiterzugeben. Der KTNN - der Navaho-Sender - ist zwölf Stunden am Tag auf Sendung und wenn Life-Auftritte in Supermärkten, Tankstellen, Gemeindezentren und Schulen sind, dann kommen die Leute aus hundert Meilen Entfernung.

Aber auch indigene Zeitungen gibt es. Der «Cherokee Phoenix» erschien 1828 bis 1834. Dieses Blatt begleitete den Stamm, der der Zeitung den Namen gab, auch während der Zwangsumsiedlung ins Indianerterritorium Oklahoma. Abonnenten gab es in ganz Nordamerika und sogar in Europa. 1834 wurde der Cherokee Phoenix wegen den Auswirkungen der Umsiedlung und wegen verschiedener politischer Faktoren eingestellt. Wassaja - auf Deutsch «Signal» war die Zeitung von Carlos Montezuma - einem Yavapai-Indianer, der von 1866 - 1923 lebte, der das Blatt ab 1916 herausgab. Monatlich erschien das Zeitung bis 1922. Durch die Bürgerrechtsbewegung kam die Medienarbeit der Indianer in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts richtig in Schwung. Von 1960 bis 1969 gab es etwa 300 indianische Zeitungen. Bekannteste war die «Akwesasne Notes».

Ab der ersten Hälfte der siebziger Jahre entstanden Radiostationen KYUK in Alaska und KTDB in New Mexico. Dreißig Sender gibt es heute in den USA. Stammesregierungen investieren in diese Medien wie auch in professionell gemachte Webseiten. Politische Einflussnahme und offen ausgeübter Druck erschweren oft die Arbeit der indianischen Journalisten. Die Journalisten empfinden ihre Arbeit als schwierige Gratwanderung zwischen den Fronten, wenn es z. B. um Spielkasinos in den Reservationen geht.

Das weiße Amerika sah seit dem Ende der Indianerkriege das die indigene Bevölkerung friedlich geworden war. Nun erwarteten sie das Aussterben oder das Aufgehen in die Mehrheitsbevölkerung. Dies passierte jedoch nicht, es kam in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zum Aufleben der Indianer. Der zweite Weltkrieg ließ diese Entwicklung wieder abebben. Nach dem Krieg waren durch den vorbildlichen Einsatz der Indianer die Politiker der Meinung das Indianerproblem nun endgültig zu lösen. Es begann ein großangelegtes Übersiedlungsprogramm in die Städte. Ferner sollten die Forderungen der Stämme aus Verträgen des 19. Jahrhunderts abgerechnet werden sowie Maßnahmen zur Beendigung der besonderen Verhältnisse der Stämme zur Bundesregierung war weiterer Konfliktstoff. Ein Wiederaufleben des Widerstand der Stämme war die Folge.

Die Erfüllung der Landabtretungs- und Friedensverträge wurde 1947 von der Indian Claims Commission untersucht. Durch gute Rechtsanwälte konnten beträchtliche Zahlungen erreicht werden, die allgemein die indigene Gemeinschaft stärkten.

Als die direkte Unterstellung des BIA endete, sah sich die indigene Bevölkerung der Willkür der Bundesstaaten ausgesetzt und ihre Existenzgrundlage gefährdet. Einige Stämme waren wegen ihres sogenannten Zivilisierungsgrades offiziell aufgelöst worden. Die Stämme wie Menomimee im Bundesstaat Wisconsin gehörten dazu, deren Mitglieder nun in eine wirtschaftliche Katastrophe versanken. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts kam es durch Bürgerrechtsbewegungen - die zuerst von Studenten ins Leben gerufen worden - auch bei den Indianern zur Renaissance. Das Muster dieser Bewegungen trug afroamerikanischen Charakter. Die sogenannten Stadtindianer nahmen sich als Vorbild die Red-Power-Bewegung, deren Gewaltbereitschaft die Politiker auf den Plan rief. Die Aktionen des 1970 in Minneapolis gegründeten American Indian Movement (AIM) machte die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Die radikale Botschaft erreichte in den konservativen Reservationen aber nicht die Aufmerksamkeit, die erwartet wurde. Dies verschärfte nur die Situation. Es kam zu Machtkämpfen zwischen den Mitgliedern des AIM, was dazu führte, dass die Radikalen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Einfluß verloren hatten. Viele der Rebellen verließen die Bewegung oder gingen in die Stammespolitik.

Überlebt hat allerdings der Geist des Widerstands und wurde Teil des neuen indianischen Bewußtseins zu Beginn des dritten Jahrtausend.

Die Lage in den Reservationen war schlecht. Einst lebten die indianischen Völker als Jäger, Fischer und Sammler. Der weiße Mann hat sie ihrer Lebensgrundlage beraubt und auf Land angesiedelt, welches zum Überleben nicht geeignet ist. Die Reservationen liegen zudem weitab von Industrie und Märkten, die Verkehrslage ist schlecht und Arbeitsplätze gibt es kaum. Betriebe konnten nur selten angesiedelt werden. Als nun noch die Bevölkerungszahlen anstiegen, wurde die Lage noch katastrophaler. Wirtschaftliche Not war die Folge. 90 Prozent der Bevölkerung war arbeitslos und das in einem Wohlstandsland wie die USA.

Bei der Einrichtung der Reservate war bestimmt nicht bekannt, dass unter dem kargen Land die Energiereserven des gesamten Landes liegen. Da die Landnutzung in der Hand des Innenministeriums liegt, konnten besonders günstige Verträge mit der Energiewirtschaft über dem Abbau von Kohle, Uran und Erdöl ausgehandelt werden. Als die Eigenverantwortung der Stämme verbessert wurde, hofften die Stammespolitiker während der Energiekrise in den 70er und Anfang der 80er Jahre als die Preise anstiegen, ihre Lage wesentlich zu verbessern. Da jedoch die Weltmarktpreise für Öl schnell wieder sanken, war auf den Reservationen durch Kohletagebaue das Land zerstört und durch das Uran das Trinkwasser verseucht wurden. Erhoffte Gewinne blieben allerdings aus.

Nun entdeckten die Reservationsindianer eine neue Einnahmequelle. Da ihr Land zwar auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten liegt, aber nicht den Gesetzen der Bundesstaaten unterstellt sind, begangen sie steuerfrei Zigaretten und Benzin zu verkaufen. Dies war jedoch nur dort möglich, wo sich das Indianerland nahe von Städten der Weißen befindet. Einst sollte der steuerfreie Verkauf nur den Indianern zu gute kommen, weshalb die Polizei versuchte den Schmuggel zu unterbinden.

In den Köpfen kleverer Indianerbosse entstand nun allerdings ein neue Idee zu reifen, sie errichteten auf ihren Reservationen Spielkasinos. Das Glücksspiel Bingo wurde der Renner, das ebenfalls karitative Organisationen und Kirchen zur Finanzierung ihrer Projekte verwenden. Die Bundesstaaten versuchten diese Bestrebungen zu verbieten. Grund für sie war, dass organisierte Verbrechen in den Reservaten zu verhindern. Es wurden sogar Gerichtsverfahren angestrebt. Von der Bundesregierung wurden die Stämme hingegen unterstützt, um öffentliche Gelder für die Sanierung der Reservationen zu sparen. Die Gerichte sprachen sich für die Kasinos aus, so dass 1988 ein Bundesgesetz verabschiedet wurde, was das Betreiben von Spielkasinos in den Reservationen regelt. In zahlreichen Reservationen entstanden daraufhin Bingopaläste, die zum Teil im Jahr einen Reingewinn von mehreren 100 Millionen Dollar erwirtschaften. Selbst Reservate, die wegen ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage von den Stammesangehörigen fast verlassen waren, werfen heute riesige Gewinne durch das Bingospiel ab.



...wird fortgesetzt.

Zum Thema finden Sie auch unter "Die Indianer im 20. Jahrhundert und Die Indianer im 21. Jahrhundert" weitere Informationen.
 
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