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Frühe Kulturen: Hohokam-Kultur


Hohokam: 300 v.  Chr. bis 1500 n. Chr.


Die Hohokam-Kultur entstand im Süden Arizonas. Sie ist wahrscheinlich aus der prähistorischen Cochise-Kultur hervorgegangen. Ihr Name ist ein Wort aus der Pima-Sprache und bedeutet «Die, die spurlos verschwanden». Weiter unten in diesem Thema werden Sie erkennen, dass diese Bezeichnung nicht gerechtfertigt ist. Wie Sie in der Tabelle (Übersicht der frühen Kulturen Nordamerikas) der Frühen Kulturen entnehmen können, durchliefen die Hohokam mehrere Stufen ihrer Entwicklung - bis sieben kulturelle Phasen werden heute unterschieden.

Bis etwa um 300 v. Chr. sind die ersten Spuren ihrer Kultur im heutigen US-Bundesstaat Arizona zurückzuverfolgen. Sie lebten zu dieser Zeit in einfachen in die Erde versenkte Häuser - dem sogenannten Erdgrubenhaus. Diesen Baustil haben sie von der Cochise-Kultur übernommen. In der als Pionierzeit bezeichneten Phase ihrer Entwicklung wurden diese Behausungen denen der Mogollon immer ähnlicher, die ihre östlichen Nachbarn waren. Die Stützpfähle der Bauten wurden mit Astwerk verflochten über das ein Lehmputz - der als Adobe bezeichnet wird - als Abdichtung zum Einsatz kam. Snaketown - (in Pima-Sprache: Skoaquik, deutsch: Schlangenstadt) die größte Siedlung, die die Hohokam jemals erbauten - bestand nur aus diesem Haus-Typus.

Als die Hohokam um 1100 den Baustil der Anasazi - Pueblos ähnliche Bauten - übernahmen, behielten sie ihre Bauweise mit Lehmverkleidung allerdings bei. Die neue Technik entstand wahrscheinlich durch Kontakte beim Tauschhandel mit den Anasazi und Mogollon. Durch diese Beziehungen ist auch der Anbau fremder Feldfrüchte ebenso die Bewässerung wie auch die Herstellung von Keramik und die Flechtkunst entstanden.

Snaketown im südlichen Arizona - 45 Kilometer südlich von Phoenix, der Hauptstadt des erwähnten Bundesstaates entfernt - war wahrscheinlich der Mittelpunkt der Hohokam-Kultur. Sie liegt am Gila River. Wie ihr Name schon sagt, ist sie die Stadt der Schlangen - da es in ihrer Umgebung von Klapperschlangen wimmelte. In ihren Ausmaßen mißt das Areal von Snaketown mehr als ein Quadratkilometer. 207 Hausruinen sind bei zwei Ausgrabungen freigelegt worden. Von 300 v. Chr. bis 1100 n. Chr. wuchs die Bevölkerung von etwa 100 Personen bis auf 2.000 an. Zwischen den Häusern wurden Hügel entdeckt. Die meisten davon waren Abfallhaufen, die von den Frauen angelegt worden sind. Die Mehrzahl der prähistorischen Völker hatten ihren Unrat jedoch einfach vor der Tür entsorgt. Größere Hügel waren mit Überlegung angelegt wurden. Der höchste Mound von ihnen, der eine Plattform erhalten hatte und 15 Meter im Durchmesser ist, war Nr. 29, in dem bei Ausgrabungen die sieben kulturellen Phasen der Hohokam eindeutig identifiziert werden konnten. Der Bau dieser Mounds beweist den Einfluß aus Mexiko. Ein weiteres Zeichen, der dies bestätigt, sind die entdeckten Ballspielplätze. Das Ballspiel war einst der Nationalsport in Mexiko.

Mehr als 200 Ballspielplätze sind in den Siedlungen der Hohokam gefunden wurden. In Snaketown besitzt einer eine Länge von 55 Metern und 19 Meter Breite. An den Längsseiten war die Erde zu einem Wall aufgeschüttet, die Mitte, die obere wie auch untere Feldbegrenzung war mit drei Steinen markiert worden.
Zum Spiel verwendete man einen 10 Zentimeter großen Vollgummiball, der aus dem kautschukhaltigen Milchsaft des mexikanischen Gummibaums (Castilla elastica) und aus einem Extrakt des Morning Glory-Weins (Ipomoea alba) hergestellt wurde. Beide Substanzen wurden vermischt und eine bestimmte Zeit gerührt. Danach formte man den Spielball.

Die gefundenen Töpferwaren beweisen, dass diese Menschen mit Kulturen aus dem Norden wie auch aus dem Süden Handel getrieben haben. Wie Seemuscheln beweisen, so müssen auch Handelsbeziehungen an die Küste vorhanden gewesen sein. Auf den Muscheln waren Verzierungen von solcher Feinheit ausgeführt wurden, dass man kaum glauben kann, wie dies vollbracht wurden ist. Geometrische Figuren, Schlangen und Schildkröten, aber auch Ornamente waren nicht aufgemalt, sondern geritzt wurden - es siehst sogar aus wie geäzt. Archäologen fanden die Lösung, wie die Indianer die Figuren auf die Muscheln aufgebracht haben. Mit Harz oder Erdpech wurde die Zeichnung auf die Muschelschale gemalt. Als Äztmittel diente der Saft aus der Saguarokaktus-Blüte, der die unbemalten Stellen äzte. Im Anschluß wurde durch Abkratzen des Harzes das Muster freigelegt. 900 n. Chr. wurde diese Technik von den Hohokam bereits benutzt - in Europa kam dieses Verfahren erst ein halbes Jahrtausend später zur Anwendung.

Das heute hier gelegene ausgedörrte und karge Land war einst durch Bewässerungsgräben in eine blühende Landschaft von den Hohokam verwandelt worden. Sie hatten damit das größte vorgeschichtliche Bewässerungssystem nördlich von Mexiko gebaut. Ihre kilometerlangen Kanäle wurden von mehreren Generationen errichtet, die für den Bau ihre Hände, einfache Holz- und Steinwerkzeuge verwendeten. Bei Phoenix erreichten die Kanäle eine Länge von 650 Kilometern. Die Gräben waren bis zwei Meter tief und 1,5 bis 3 Meter breit, damit nicht zu viel Wasser durch Sonneneinstrahlung verdunsten konnte. Untersuchungen ergaben, dass diese Bewässerung schon vor Christi Geburt angelegt wurde. Durch die geregelte Wasserzufuhr war es möglich, zweimal im Jahr eine Ernte einzubringen. Sie bauten Mais, zahlreiche Bohnensorten, Kürbis, Baumwolle und Tabak an. Ihre Maissorte war höher kultiviert als die der Pueblos, hatte größere Kolben und weniger Ausschuß. Wild und Kaninchen ergänzten die Nahrung.

In der Herstellung von Keramik zeigten die Hohokam große Kunstfertigkeit. Die Formen waren vielfältig, die als Muster Ornamente besaßen, die zweifarbig - rote Bemalung auf lederfarbenen Grund - ausgeführt waren. Die Menschen der Hohokam-Kultur kannten bereits Schminktäfelchen, die aber nicht die Frauen, sondern die Männer für ihre religiösen Tänze verwendeten. Auch bei der Anfertigung von Waffen, Werkzeugen und Hausgeräten besaßen sie einen höheren Entwicklungsstand als die Pueblos. Als Schmuck fertigten die Hohokam Ringe, Armreifen, Anhänger, Haarnadeln, Schmuck aus Türkis aber auch Wangen- und Lippenstecker an.

Zeugnisse der Hohokam sind auch Felsmalereien und Ritzzeichnungen an Canyonwänden und Steinblöcken, die mit Steinwerkzeugen geschaffen wurden. Figürliche und andere Darstellungen werden kultische Bedeutung besitzen, die mit bestimmten Ritualen in Zusammenhang stehen. Obwohl sich die Anasazi, Mogollon und Hohokam in ihrer Kultur beeinflußten, können heute die Archäologen bestimmte künstlerische Ausdrucksweisen der verschiedenen Gruppen unterscheiden.

Die Menschen der Hohokam lebten in kleinen Dörfern zusammen und waren wahrscheinlich in Clans organisiert, denen vermutlich ein Häuptling oder Schamane vorstand. Bereits die Hohokam kannten höher gestellte Persönlichkeiten. Dies wird am Totenkult deutlich, da die höher gestellten Verstorbenen mit Muschelschmuck und anderen Kostbarkeiten, wie Armbändern und Mineraliensammlungen beerdigt wurden. Die anderen Toten wurden verbrannt und ihre Asche verstreut, weshalb man heute nicht weiß, wie sie einst ausgesehen haben. Die Verbrennung der Toten war sonst im Südwesten nicht üblich. Weshalb von diesem Volk nicht viel gefunden wird, liegt auch daran, dass sie ihre wertvollsten Keramikgegenstände zerbrachen, was bis heute den Archäologen ein Rätsel aufgibt. Bemerkenswerte Bauwerke sind auch kaum zu finden. Zum Ende ihrer Kultur entstanden in manchen Ortschaften, vor allem in denen, wo wichtige Wasserkanäle vorbeiführten, Plattformhügel, die als Zeremonialstätten oder für die Elite verwendet wurden. In der letzten Phase der Hohokam-Kultur sind anscheinend verschiedene Kulturen miteinander verschmolzen.

Den kulturellen Höhepunkt erreichten die Hohokam um das Jahr 1300. Zu dieser Zeit war Snaketown bereits 200 Jahre lang eine tote Stadt. An anderen Stellen im selben Tal wurden kleine Siedlungen erbaut. Ihre Bewässerung verwendeten sie weiterhin. Während des 14. Jahrhunderts wanderten aus dem Norden und aus dem Osten andere Stämme in ihr Gebiet. Diese Invasion war genauso friedlich von statten gegangen, wie die Hohokam selbst mehr als 1.000 Jahre gelebt hatten. Die neue Kultur war die der Anasazi. Archäologen nennen die eingeströmten Menschen "Salado-Volk". Zu der Zeit als sich dieser Wandel vollzog, entstand das vierstöckige Adobe-Haus, das man heute Casa Grande nennt.

Nicht die große Dürreperiode zwischen 1276 und 1299, auch nicht der Einfall athapaskischer Völker - wie die Vorfahren der Navaho und Apachen, ebenso wenig die Verbreitung von Seuchen aus Mexiko her - es wurden keine Massengräber gefunden - sind an der Abwanderung der Völker des Südwestens schuld, sondern die Zunahme der Bevölkerung - also die Bevölkerungsdichte. Diese könnte zum Zeitpunkt ihrer Blüte zwischen 15.000 und 30.000 Personen gelegen haben. Durch das Fällen der Bäume änderte sich erst das Einzugsgebiet der Flüsse bis es zerstört wurde. Dies wiederum vernichtete die Felder. Der Bevölkerungszuwachs und der geringere Niederschlag zwang die Menschen in andere Lebensräume auszuweichen. So verließ Familie für Familie ihre Heimat. -
Durch die Bevölkerungsdichte kam es zum ökologischen Exodus. Die Hohokam waren die letzten im Südwesten, die ihren Kulturraum verschließen

Den Hohokam folgten unermüdliche Bauern, die das Bewässerungssystem ihrer Vorfahren für ihre Felder übernahmen. Wir kennen sie heute unter den Namen Pima und Papago.
 
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