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Die Medizin der Inka
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Zweit wichtigste Wissenschaftsdisziplin der Inka war hinter der Astronomie die Medizin. Das
Interesse an guter Gesundheit war im Inka-Reich nicht nur Angelegenheit des einzelnen, sondern
die Sache des Staates. Der Staat wollte gesunde Purice, wie die Bauern und Steuerzahler im
Inka-Reich hießen, ebenso auch gesunde Soldaten.
Die ärztliche Kunst wurde in Tahuantinsuyu - im Inka-Staat - besonders gefördert,
auch wenn wirklich komplizierte und zugleich nützliche Eingriffe vorgenommen wurden, kam
es immer wieder vor, das Heilverfahren Anwendung fanden, die nichts mit Wissenschaft, sondern
eher in den Bereich der Magie angesiedelt waren. Trotz manchen Rückfalls in alte magisch,
medizinische Vorstellungen hatte die ärztliche Kunst der Inka, Methoden und Mittel
entwickelt, auch in der Pharmakologie, die ein hohes medizinisches Wissen voraussetzten.
Bei Verdauungsstörungen setzten bereits die Inka-Internisten eine sogenannte Klistierspritze
ein, mit der über den After Flüssigkeit in den Körper geblasen wurde. Wesentlich
mehr medizinische Instrumente wurden von den Chirurgen entdeckt.
Eins der wichtigsten dieser Chirurgen-Instrumente war das sogenannte Tumi - ein an ein Hackbeil
aus der Küche erinnerndes Bronzemesser. Zudem verwendeten sie in mehreren Größen
hergestellte Skalpells, sogenannte "Turniketts" zum Adern abklemmen, Pinzetten, Nadeln und
Zwingen.
Um ihre berühmten Schädeltrepanationen - (Kraniotomie), die operative Öffnung
des Schädels für operative Eingriffe im Schädelinnern - vornehmen zu können,
kam eine Art Stichel aus Obsidian (ein Mineral - siehe rechts oben) zum Einsatz - siehe 2.
Abbildung links.
In Peru wurden bis in die Gegenwart reichend mehr als zehntausend solcher von indianischen
Ärzten trepanierte Menschenschädel gefunden. Untersuchungen an einen Schädel
ergaben, dass der Patient diese äußerst schwere Operation überlebt hatte.
Nach der Operation verschloß der Arzt das Loch mit einem Silberplättechen oder
mit einer Kürbisschale.
Entweder wurde der Schädel mit den Obsidianstichel geöffnet, indem milimeterkleine
Einstiche vorgenommen wurden, oder in die Schädeldecke vier Schnitte ausgeführt und
im Anschluss ein viereckiges bis rechteckiges Loch in den Schädelknochen gebohrt wurde.
Bis ins 20. Jahrhundert sind Schädeloperationen immer noch schwierig, dabei hatten manche
Patienten der Inka-Ärzte mehrere Trepanationen über sich ergehen lassen müssen.
Grund dafür könnte auf dem Schlachtfeld der Kampf Mann gegen Mann gewesen sein. Bei
diesem Zweikampf wurde die Makana - eine Art Keule mit sternförmigen Steinknauf - eingesetzt,
die schwere Kopfverletzungen auslöste und eine Operation erforderlich machte.
Im Tiefland und im Bereich der Küstenebene wurde den Bewohnern durch Ärzte Füße
ja sogar Beine amputiert. Notwendig wurden diese Operationen wegen des Wurmparasiten Eremita
analoga, der in Füsse und Beine eindringt und unerträgliche Schmerzen auslöst
und deshalb eine solche Amputation notwendig wurde.
Die Ärzte der Inka konnten aber auch ausgekugelte Gelenke einrenken, behandelten Geschwüre
und kannten ebenso den Aderlaß. Aber auch andere ärztliche Methoden waren ihnen vertraut,
die in anderen Regionen Amerikas bekannt waren, wie das Aussaugen von Wunden.
Für manche derart ausgeführter Behandlungen war es erforderlich den Patienten die
Schmerzen zu nehmen, dazu verwendeten sie Narkotikas oder setzten die Lokalanästhesie ein.
Die wichtigsten Rauschgifte, die dafür zur Anwendung kamen, waren der Stechapfel - Datura
stramonium - aus dem das Atropin herausgefiltert oder auch Koka aus dem das bekannte Alkaloid
Kokain gewonnen wurde.
Zur Gattung der Färberwurzeln gehört der peruanische Balsambaum, vom dem 30 wichtige
Alkaloide bekannt sind. Darunter befindet sich das Chinin zur Behandlung der Malaria oder das
Chinydin, ein Heilmittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen.
Zahlreiche Krankheiten, die es in Peru gibt, kennen wir auch in Europa. So waren im Inka-Reich
die Gicht, Durchfallerkrankungen und Augenleiden bekannt, aber auch Epilepsie, Nierenbeschwerden
und die eben erwähnte Malaria sind genauso verbreitet.
Eine Krankheit in Peru gibt es glücklicher Weise nicht in Europa - die furchtbare,
südamerikanische Leischmaniose, heute unter den Namen "Uta" bekannt. Vom Erscheinungsbild
her ähnelt sie der Lepra. Am Kranken bilden sich an Nase und Lippen Geschwüre mit
roten Rändern, die nach dem Abheilen häßliche Narben hinterlassen. Diese
Krankheit ist im peruanischen Tiefland verbreitet, hingegen das Hochland unter der Verruga leidet.
Auch bei ihr bilden sich auf der Haut Geschwüre. Diese bluten ständig, dass schließlich
der Kranke am hohen Blutverlust sterben muß.
Die Inka hatten aber noch eine Krankheit, mit der sie die Europäer ansteckten. Diese in Peru
entstandene Krankheit, kennen wir unter den Namen "Syphilis" - lateinisch "Lues venerea".
Nach den Vorstellungen der Inka wurde der krank, der sündigte, wie beispielsweise
religöse Zeremonien, Gebete und Opfer nicht nach den Regeln vorgenommen hatte. Ebenso konnten
Krankheiten durch schwarze Magie von Zauberern ausgelöst werden oder Dämonen und
böse Geister haben ihre Hände im Spiel. Für die Ursache von Krankheiten, so
zumindest glaubten die Inka und auch andere Stämme, wäre nur eine Sünde der Grund.
Krankheiten zu heilen oder zu bekämpfen war die Aufgabe der Priester. Ausgebildete Priester
und Ärzte aus dem Kreise altperuanischer Gelehrter und Weisen - den Amautu - sorgten für
den Inka und die Adligen. Das Volk wurde von Ärzten und Medizinmännern aus den unteren
Klassen behandelt.
Eine weitere wichtige Tätigkeit im Inka-Staat "Tahuantinsuyu" war neben der Behandlung von
Kranken durch Ärzte, Zauberer und Hexer die der Hebamme - auf Quechua: Huachachicoc. In allen
gynäkologischen Belangen durften nur Frauen diesen speziellen Zweig der Medizin ausüben.
Dazu benötigten sie keine besondere Ausbildung, sondern ihre Berufung zu dieser Tätigkeit
erhielten sie infolge von Träumen und Visionen oder hatten selber Mehrlingsgeburten gehabt.
Im Inka-Reich war die Gesundheit des Herrschers und seiner Frauen vor allem seiner offiziellen
Gemahlin - der Coya - die Angelegenheit des ganzen Volkes. Wenn der Herrscher tatsächlich
einmal erkrankte, war niemand der Überzeugung der Sonnensohn hätte gesündigt,
sondern vielmehr ein Bürger des Staates. Eine Erkrankung des Herrschers bedeutete für
jeden Bürger des Staates Gefahr, deshalb betete jeder für die schnelle Genesung des
Inka. Halfen alle Fürbitten nicht, so wurde für das Leben und die Gesundheit des
Sonnenkönigs ein Mensch, meist Kinder, geopfert.
Das Situa-Fest war eine der wichtigsten Zeremonien und zugleich einer der höchsten Feiertage,
die zur Zeit der Tagundnachtgleiche im September gefeiert wurde. Bei dieser Festlichkeit wurde
anlßlich der Gesundheit aller Bürger im Inka-Reich gebetet, damit sie von Seuchen
und Krankheiten verschont bleiben. | |
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