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Die Inka und ihre Mumien


Totenmaske eines Inka-Häuptlings Mit dem Aussterben der Chinchorro - ebenfalls auf dieser Webseite erschienen - ist das Balsamieren von Toten in Südamerika nicht verschwunden. Andere Andenvölker, die entlang der Küste und der nahegelegenen Berge lebten, konservierten später ebenfalls ihre Toten und brachten damit ihre Verehrung und Zuneigung dar. Die trockene Wüstenluft half ihnen bei dieser Arbeit. Große Baumwolltücher, die häufig um die Leichname gewickelt worden waren, saugten die Körperflüssigkeit auf. Mit dieser Technik wurde der Trocknungsprozess zur Mumifizierung sogar beschleunigt. Die Paracas in Peru sollen sogar die inneren Organe entnommen haben und trockneten dann den Leichnam am Feuer. Anschließend wurde der Körper in feinstes Tuch gehüllt.

Warum ich das hier schreibe, weil die Inka ihren Mumien ebenfalls größte Ehrung entgegenbrachten. Sie gingen sogar soweit, dass sie glaubten, die Toten seien noch lebendig und könnten ihre Weisheit noch weitergeben. Die Lebenskraft der Mumien - auch von den Inka - könnte sich mit der Natur vereinigen und so reiche Ernten bringen. Dafür mußten allerdings die Lebenden sich um die Toten kümmern. Den Toten wurden Kokablätter und Maisbier gereicht, die Kleidung in Ordnung gehalten - also angemessen ihrer ehemaligen Würde - und untergebracht.

Dies war auch der Grund warum der neue Herrscher immer wieder einen eigenen Palast erbauen ließ - der seines Vorgängers wurde für dessen Totenkult weiterhin benötigt. Einige Forscher sind der Auffassung, dass deshalb immer neues Land erobert wurde, da das alte den Toten gehörte.

Waren wichtige Entscheidungen zutreffen, so traf der Herrscher erst seine Entscheidung, wenn die Mumien konsultiert waren. Der Regent erwies den konservierten Leichnamen seinen größten Respekt aus Dankbarkeit.

Durch hinterhältigen Verrat in Cajamarca wurde Atahualpa von den Spaniern gefangengenommen. Um sich loszukaufen, schickte der Herrscher einen seiner Würdenträger mit einer kleinen Gruppe spanischer Offiziere nach Cusco, um das Lösegeld zu holen. Angekommen in der Inka-Hauptstadt plünderten die Offiziere das Gold des Sonnentempels. Sie raubten auch die prächtige Kleidung und den Schmuck der Mumien. Einige Kostbarkeiten der Mumie seines Vaters konnte Atahualpa jedoch retten.

Inka-Mumie Für die königlichen Gefangenen hatte Pizarro nach seiner reichen Beute keine Verwendung mehr, weshalb er sie für die erfundenen Verbrechen schuldig sprach und zum Tod durch das Feuer verurteilte. Für Atahualpa war dies unerträglich, nicht als Mumie von seinen Nachkommen verehrt zu werden und sich nicht über ein ewiges Leben erfreuen zu dürfen.

Um dem elenden Feuertod - den man bei den Inka nur verhaßten Feinden zumutete - zu entgehen, konvertierte er zum christlichen Glauben und erhielt den Namen Juan de Atahualpa. Damit erhielt er das Anrecht durch Erhängen gerichtet zu werden und im Anschluß ein Erdbegräbnis - was vielleicht auf natürliche Weise eine Mumifizierung einleitete.

Nach der Unterwerfung des Inkareiches zog Pizarro in den Sonnentempel ein. Einige seiner Leute hatten ein ungutes Gefühl, da sie sich an die mumifzierten Herrscher erinnerten. Spanische Priester beeilten sich den Seelenfrieden dieser Menschen wieder herzustellen und ordneten die Vernichtung der Mumien an. Entsetzen packte die Inka, die nun heimlich die Mumien auf dem Land in Sicherheit brachten. Das Quechua-Wort für die königlichen Mumien bedeutet: «etwas Wertvolles, das man sorgsam aufbewahrt». Mehrere Verstecke konnten jedoch ausfindig gemacht werden und welch Erstaunen bei den Spaniern, dass die Mumien noch intakt waren - weder Haare, Wimpern noch Augenbraunen fehlten.

Die gefundenen Leichname wurden in Lima 1560 öffentlich ausgestellt. 1580 ordneten spanischen Behörden an, sich der Mumien zu entledigen. Auf dem Hof eines Hospitals wurden sie begraben.

Im ganzen Inkareich mumifizierte man die Leichname - auch gewöhnliche Tote - was den Spaniern nicht bekannt war. In der Atakama-Wüste und in ihren Randgebieten wurde der Tod von den Menschen nicht als das Ende des Lebens betrachtet. Er war vielmehr nur der Beginn einer neuen, einflußreicheren Phase - dem Vorfahr Beistand zu leisten und dafür verehrt zu werden. Bei Mondlicht suchten einfache Bauern die Mumien ihrer Stammesführer in verborgenen Berghöhlen auf, brachten Maisbier und Kokablätter mit, ordneten und pflegten die Kleidung und teilten ihnen ihre Sorgen mit.

Als die Spanier die Verehrung der Mumien endlich begriffen, glaubten sie nicht daran, einmal die Indianer zum Christentum und zu ihrem Glauben zu bekehren. Deshalb begann die Geistlichkeit einen regelrechten Feldzug gegen die Mumien. Berghöhlen und entlegene Heiligtümer durchsuchten sie. Gefundene Leichname wurden konfisziert und die Wächter gefangengenommen. Über das Auffinden der Toten brachten sie sogar einen Leitfaden heraus. Die Hüter der Toten wurden durch vorgefertigte Fragebogen ausgehorcht.

In Lima verbrannten die Spanier die Mumien auf Scheiterhaufen. Damit sollten sich die Indianer von ihrem tiefverwurzelten Glauben lossagen. Ganze Dörfer wurden umgesiedelt, um die Bindung der Indianer zu ihren Mumienschreinen zu zerstören. Heimlich errichteten man neue Schreine.

Inka-Nachkommen mißfiel die Politik der Zerstörung ihrer Heiligtümer. In den darauffolgenden Jahren nahmen allerdings die Inka den Katholizismus an. Jedoch wurde die Religion ihrer Vorväter - die mumifizierten Toten zu ehren - nie vergessen.
 
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