NORDAMERIKA
Stämme nach Kulturarealen
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Die Irokesen
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In den Staaten Ohio, Pennsylvania, New York und einwenig jenseits des St.-Lorenz-Stromes
in Kanada lebte einer der bekanntesten Stämme des östlichen Waldlandes - die
Irokesen.
Das Wort »Irokesen« ist französischen Ursprungs (Iroquois, Irocois, Yroquois,
Yrocois etc.) und wird für eine Gruppe von Stämmen angewandt, die sich in der
berühmten Irokesen-Liga vereinten. Zu ihnen gehören die Onondagas, die Oneidas,
die Senecas, die Cayugas und die Mohawks. Das Kerngebiet in dem sie wohnten, lag im Osten
der Großen Seen und am St.-Lorenz-Strom. Aus diesem Gebiet hatten sie die
Stämme vertrieben. Diese lebten nun in einem Gebiet, welches das der Irokesen umgab.
Die Algonkins nannten die Irokesen Nadowa (auch: Nottoway) was soviel wie »Echte Natter«
bedeutet. Sich selbst nannten die Irokesen »Ongwanonsiouni«, was mit »Wir vom langen Haus«
übersetzt werden muß. Weitere Stämme, die der irokesischen Sprachfamilie
zuzurechnen sind, sind die Huronen, die Conestoga, die Tuscarora und die Cherokee. An
dieser Stelle sollen aber nur die Stämme der Liga und die Tuscarora (später
zur Liga gehörend) besprochen werden.
Die Irokesen hatten sich ein fruchtbares Gebiet angeeignet und betrieben Ackerbau. Sie
bauten neben 15 Arten Mais auch Squash und nicht weniger als 60 Arten Bohnen an. Ferner
gehörten Sonnenblumen, Kräuter, wilde Pflanzen und der Zucker des Ahornbaums
zu ihrer Nahrung. Die Männer rodeten das Land und die Frauen leisteten die weitere
Feldarbeit. Die Ernte wurde von den Frauen eingebracht. Währenddessen gingen die
Männer der Jagd und in aufgestauten Bächen oder mit Netzen dem Fischfang
nach. In einem Irokesendorf waren die Häuser eng zusammengebaut und von Holzspitzen
bewehrten Palisaden umgeben die gegen Angreifer ohne Feuerwaffen einen perfekten Schutz
boten. Die Häuser wie auch die Ernte gehörten den Frauen.
Es gab zwei Haustypen: Das eine Haus besaß ein rundes Dach und das andere, ein
sogenanntes »Langhaus«, hatte ein Giebeldach (Spitzdach). Ein Langhaus war bis zu
dreißig Meter lang und in ihm wohnten vier bis fünf Familien einer Sippe.
Beide Haustypen bestanden aus einem Pfahlgerüst und wurden mit Ulmenrinde gedeckt.
Entlang der Mitte eines solchen Hauses war für jede Familien eine Feuerstätte
errichtet über der sich ein Rauchabzug befand. Rechts und links eines jeden Feuers
gab es einen Raum.
In dem Gebiet, wo die Irokesen wohnten, gab es wenig Birkenrinde, so mußten sie
auch ihre Kanus aus Ulmenrinde fertigen. Die Boote waren plump und schwer.
Die künstlerischen Erzeugnisse waren nicht so fein wie die des Südostens, aber
sie waren vielfältiger. Sie webten Schärpen, die durch eine besondere Webart
hergestellt worden. Wampungürtel wurden von den Botschaftern der Irokesen als
Erkennungszeichen getragen. Gürtel oder Streifen in verschiedener Länge und
verschiedener Anordnung dienten als einfache Dokumente. Gefertigte Ketten dienten dazu,
sich an Sagen, geschichtliche Ereignisse und an Verträge zu erinnern.
Die Kleidung der Männer im Winter bestand aus Schäften für die Beine,
einem Tuch um die Lende, kurzen Röcken und Hemden aus Wildleder und aus Mokassins.
Im Sommer wurden das Hemd und die Schäfte weggelassen. Die Frauen trugen im Sommer
Röcke und Schäfte und im Winter lange Kleider.
Für die Irokesen war sehr wichtig die Religion, die sie in jeden Augenblick ihres
Lebens miteinbezogen. Es gab göttliche Wesen wie der Herr des Lebens, von dem alle
guten Dinge kamen und sein Bruder, Urheber alles Bösen, die sich im ständigem
Kampf befanden.
Der Mensch bestand bei den Irokesen aus drei wesentlichen Teilen, und zwar aus dem
Körper, aus der Seele und aus seinem geistigen Wesen (spirit) oder seinem Geist
(ghost). Starb ein Irokese, so trat die Seele das sogenannte Nachleben an, was bei
Christen der Himmel ist. Sein Geist streifte in der Nähe des Begräbnisplatzes
umher und nahm Anteil am Dasein der Lebenden. Kriegszüge konnten von einem
großen Heer von Toten begleitet werden. Festmähler wurden bei den Irokesen
im Winter abgehalten. Hierbei war die Welt der Toten und Lebenden vereint und die
Geister nahmen am Essen, Tanzen und Spielen teil.
Orenda - ein geistiges Wesen - war die geistige Macht, die alle Dinge durchdrang und
war geistige und göttliche Kraft, die alle Elemente der Welt miteinander verband.
Durch Träume konnte ein Mann Orenda erleben und die Kraft verliehen bekommen, die
er für das tägliche Leben und für heilige Dinge benötigte. Wenn
ein Mann durch kraftvolle Träume viel Orenda aufnahm, so konnte er Schamane werden
und erhielt die Vollmacht Kranke zu heilen. Genauso wichtig wie der Schamane waren die
Männer, die sich mit Falschgesichtern beschäftigten. Falschgesichter waren
schreckliche Gesichter ohne Körper, denen man im Wald begegnen konnte und mit
schlimmen Krankheiten angesteckt werden konnte. Die Mitglieder der
Falschgesichter-Gesellschaft brachen in einer Zeremonie, bei der sie hölzerne Masken
trugen, den Bann. Schamanen hatten magische Kräfte und Priester mußten eine
Ausbildung absolvieren. Bei den Irokesen gab es sowohl Priester als auch Schamanen.
Das große Neujahrsfest im Monat Diagona, dem zweiten Vollmond, im späten
Januar oder Anfang Februar, war das bedeutendste Fest der Irokesen überhaupt.
Der Winter starb und es näherte sich die Zeit, in der der Herr des Lebens den
Frühling wieder brachte, zweitens verhinderte er die Ankunft seines bösen
Bruders. Um dem Herrn des Lebens zu helfen, dauerte das Ritual Tage. Am Anfang wurden
alle alten Feuer gelöscht und neue entfacht. Es gab viele Reinigungsbräuche,
zahlreiche Gebete und es wurde dargestellt, wie zu Beginn der Welt der Herr des Lebens
und die Kräfte des Bösen um den Frühling, das grüne Wachstum und
alle guten Dinge kämpften. Der Herr des Guten siegte. Während der Festtage
erzählte man über seine Träume, wer es wollte auch öffentlich. Es
gab ausgebildete Männer, die die Träume analysierten und gaben Auskunft wie
man sich entsprechend des Geträumten verhalten sollte. Im Verlauf der Zeremonien
gaben die Matronen, die Clanmütter - die Häupter der Langhäuser,
Männern neue Namen, wenn er ihn verdiente. Es gab Ritualtänze, Tänze zum
Vergnügen und Spiele. Interessant an diesem Fest war, dass es mitten im Winter
stattfand.
Bei den Irokesen nahmen die Frauen eine höhere Stellung ein, als ihnen bis in
jüngste Zeit von den Weißen eingeräumt wird. Die Felder, die Ernte, die
Häuser gehörten ihnen. Die Abstammung bezog sich immer auf die Mutter. Ein
Kind gehörte zur Sippe seiner Mutter. Das Tiersymbol war über der Tür
eines jeden Hauses angebracht. Wenn Männer heirateten, zogen sie zu ihren Frauen.
Ging die Ehe auseinander, kehrte der Mann zu seiner Mutter zurück, die Kinder
hingegen blieben bei der Mutter.
Die Irokesen waren in Hälften aufgeteilt. Die eine Hälfte bestand aus der
Schildkrötensippe und allen anderen Sippen, die den Namen von vierfüßigen
Tieren, ausgenommen den Hirschen, trugen. Die andere Hälfte setzte sich aus der
Hirschsippe und den Sippen, die nach Vögeln benannt waren, zusammen.
Mitglieder der einen Hälfte heirateten immer Mitglieder der anderen. Die Sippen
halfen sich auch untereinander, wie bei der Bestattung von Toten.
Eine jede Sippe war in Stammbäume eingeteilt, deren Mitglieder von einem gemeinsamen
Ahnen abstammten. Eine ältere Frau war das Haupt des Stammbaumes - die Matrone.
Der Stammbaum bestand aus einer Großfamilie - dem sogenannten Ohwachira. Aus
Stammbäumen, wo der Häuptling - wird auch als Sachem bezeichnet - herkam,
war die Sippe adlig und sind es heute noch. Starb ein Sachem, wurde von der Matrone des
Stammbaums ein Nachfolger gewählt. Dazu besprach die Matrone die Wahl mit anderen
Frauen des Langhauses und dann mit der Frauen der Sippe. So war die Wahl ausführlich
besprochen und die Frauen gaben meist der Matrone ihre Zustimmung. War die Trauerzeit
für einen verstorbenen Sachem zu Ende, wurde ein großes Fest abgehalten und
der neue Sachem eingesetzt. Als Zeichen seiner Würde erhielt der neue Sachem ein
Hirschgeweih und zog sich aus dem Kriegsgeschäft zurück. Er bekam auch den
Namen und das Orenda seines Vorgängers und wurde dessen Fortsetzung. Ein Sachem
wurde dreimal verwarnt, wenn er versagte. Wenn dies nicht half, nahm die Matrone dem
Sachem das Geweih ab und bat den Rat um die Absetzung, was selten verweigert wurde.
Die Matrone machte dem Rat Vorschläge, regierte aber nicht, hatte aber großen
Einfluß auf die Männer die regierten und ihre Befehle gaben.
Bei den Irokesen war die Behandlung von Gefangenen sehr grausam und zeigt deutlich
südlichen Einfluß. Bevorzugt wurden junge Männer, aber auch Frauen und
Kinder wurden gefangen. Man war bemüht, so viele Gefangene zu machen, wie nur
irgends möglich. Die Gefangenen wurden gewaltsam ins Dorf getrieben und wer nicht
mehr mithalten konnte, wurde getötet. Im Dorf bildeten die Bewohner zwei Reihen -
ähnlich wie der Spießrutenlauf der Preußen - und ließ die
Gefangenen hindurchlaufen. Man schlug mit aller Kraft mit Schnüppeln auf sie
ein. Im Anschluß wurden die Gefangenen an die Frauen verteilt, die zuvor einen
Angehörigen zu beklagen hatten. Die gefangenen Kinder wurden in den Stamm
aufgenommen, hingegen wurden Frauen und alte Männer wie Sklaven gehalten. Ob
ein Mann sterben sollte oder am Leben blieb, entschieden die Matronen. Ein Mann der
am Leben blieb, wurde in den Stamm integriert und der ehemalige Stamm nahm es ihm nicht
einmal übel. Wer sterben sollte, wurde auf grausamste Weise zu Tode gefoltert,
nicht um sich an dieser Folterung zu erfreuen, sondern aus religiösen Gründen.
Der zum Tode Verurteilte, wurde Areskoi geopfert, dem Geist des Krieges und der Jagd -
vielleicht auch der Sonne. Gab es keinen männlichen Gefangenen, so opferte man
eine Frau. Man brachte dem Opfer Achtung entgegen. Der Brauch einen Menschen zu opfern
und ihn vor der Opferung zu bewirten, stammt aus dem Süden - genauer aus Mexiko.
Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, warum die Irokesen eine solche Folterung vornahmen.
Die Folterung der Irokesen war ihr Brauch und geopfert wurden Algonkin und Weiße.
Von den Algonkin wurde diese Folterung aus Rache ausgeübt, wenn sie einen Irokesen
fangen konnten. Die Irokesen waren sehr gefürchtet und man haßte sie. Ihr
schlechter Ruf wurde später auf alle Indianer übertragen.
Die Irokesen-Stämme lagen noch vor 500 Jahren in ständigen Streitigkeiten, was
sie daran hinderte Ligen oder Allianzen zu bilden. Es kam jedoch vor, dass zwei oder
mehrere Stämme sich verbündeten, aber eine solche Verbindung war immer nur von
kurzer Dauer. Das dies so war, liegt bestimmt an der Blutrache. Wurde ein Mann
getötet, so mußte ein Mann vom Stamm sterben, der ihn tötete selbst wenn
es unbeabsichtigt geschah. Wenn die Irokesen unterwegs waren ein Nachbardorf anzugreifen,
wurde ihr Dorf in ihrer Abwesenheit von Algonkin-Stämmen überfallen und dem
Erdboden gleich gemacht.
Die Irokesen-Liga
Bevor die Weißen Nordamerika - die Neue Welt - betraten, gründeten die
Irokesen die fünf Nationen, ihre berühmte Liga - die sie »Großer Friede«
nannten. Deganawida - ein großer Prophet - hatte die Vision, dass die Spitze eines
Tannenbaumes durch den Himmel in das Land des Herrs des Lebens reichte. Der Baum sollte
die Bruderschaft aller Stämme und seine Wurzeln die fünf Nationen der Irokesen
darstellen. Auf der Spitze sollte ein Adler sitzen, der nach Feinden Ausschau halten
sollte, die den Frieden verletzen wollten. Deganawida wollte den Frieden als Weltbund.
Seine Lehre stützte sich auf den religiösen Idealismus und seine Anhänger
sollten drei Prinzipien praktizieren:
- Gesundheit an Leib und Seele - und Frieden zwischen den einzelnen und den Stämmen
- Rechtes Betragen und gute Gedanken - und Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte
- Bereitsein zur Verteidigung - und Bewahrung und Stärkung der geistigen Kraft Orenda
Sein erster Anhänger war Hiawatha, dessen Hauptverdienst es war, eine brauchbare
Sprache geschafft zu haben. Hiawatha, ein Staatsmann, vereinigte um das Jahr 1570? die
Onondagas, Oneidas, Senecas, Cayugas und Mohawks in einer wirklichen Union, der Liga der
Irokesen. 1715 traten die Tuscarora der Liga bei, die nahe dem Cherokee-Land gelebt
hatten und nach Norden gewandert waren, um den Angriffen der Weißen zu entgehen.
Die Liga besteht seit mehr als 400 Jahren und bewährt sich heute noch.
Innerhalb der Liga wurde die Blutrache beendet, in dem für einen Mord eine bestimmte
Buße festgelegt wurde. Gab es Streit zwischen zwei Mitgliedsstaaten, den sie
selber nicht beilegen konnten, wurde der Rat eingeschaltet. Hiawathas Verfassung verband
unabhängige Stämme, die vor der Welt als vereint auftreten konnten. Der Rat
der Liga mischte sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Stammes ein. Als die
Verfassung der Vereinigten Staaten ausgearbeitet wurde, sahen sich die Politiker den
gleichen Problemen der Vereinigung von selbständigen Staaten gegenüber wie
einst die Irokesen. Deshalb sind auch Ideen der Liga der Irokesen in die Verfassung der
Vereinigten Staaten aufgenommen wurden.
Die Irokesen-Liga hielt durch die feste innere Bindung zwischen den eng verknüpften
Sippen. Nach außen erschien die Liga als Konföderation von fünf
später sechs Stämmen. Die Liga war nach ihrer politischen Struktur eine
Mischung von Rätesystem und Oligarchie. Ein Häuptlingsrat übte die
Regierungsgeschäfte aus. Die wichtigsten Entscheidungen, die alle Nationen betrafen,
wurden vom Bundesrat entschieden. Frauen- und Kriegerräte hatten nur beratende
Funktion.
In den Bundesrat delegierten die Fünf Nationen 50 Sachems. Diese 50 Sachems waren im
Rang und in der Autorität ebenbürtig. Die Sitze in diesem Rat waren wie folgt
verteilt: die Onondaga erhielten 14 Sitze, die Cayuga 10, die Mohawk wie auch die Oneida
9 und die Senaca 8 Sitze. Die Abstimmung im Bundesrat erfolgte stammweise, weshalb die
Anzahl der Sitze hierfür bedeutungslos war. Jede Nation besaß ein Vetorecht,
denn für jeden Beschluß war Einstimmigkeit unerläßlich. Wurde einmal
keine Einigung erreicht, hatten die Onondaga das Recht für eine Einigung zu sorgen
oder zwischen den Fraktionen zu vermitteln. Brachte dies keinen Erfolg konnten sie das
Thema von der Tagesordnung streichen. Die Sachems des Rates waren auch die Sachems in
ihren eigenen Stammesräten, die von den Matronen einer Großfamilie
auserwählt worden waren. Neben dem erblichen Bundesrat der 50 Sachems entstand
später noch eine Art Unterhaus, in welches verdienstvolle Persönlichkeiten
gewählt wurden, wie berühmte Redner, angesehene Krieger oder sogenannte
bürgerliche Staatsmänner aller fünf später sechs Nationen. Diese
Abgeordneten der Bürgerschaft erhielten den Titel Fichten. Bei Entscheidungen des
Bundesrates durften sie anwesend sein, hatten aber kein Stimmrecht und ihr Titel war
auch nicht erbbar. Ihren Ratschlägen wurde trotz alledem große Bedeutung
beigemessen.
Die Versammlungen fanden jährlich im Herbst im Hauptort der Onondaga statt. An
diesem Ort kam auch unter Vorsitz von Hiawatha die erste verfassungsgebende Versammlung
zustande. Gab es außergewöhnliche Vorfälle konnte jede der fünf
Nationen den Rat der Irokesen-Liga einberufen. Diese Beratungen wurden dann aber nicht
immer im Hauptort der Onondaga angesetzt.
Die Tagungen wurden in sogenannten Langhäusern abgehalten. Bevor jedoch eine solche
Sitzung des Bundesrates begann, wurde erst eine spezielle Zeremonie ausgeführt:
Die Sachems traten getrennt nach Stamm in Gänsemarsch auf den Beratungsplatz und
ordneten sich hier zu einem geschlossenen Kreis. Nachdem dieser Kreis dreimal die Runde
gemacht hatte, entzündeten die Onondaga das Ratsfeuer und der Kreis der Sachems
machte nochmals drei Kreise um das Feuer. Ein jeder der Sachem drehte sich während
dieser Umkreisung des Feuers mehrmals um die eigene Achse. Mit diesen Drehungen setzte
der Sachem all seine Körperseiten der Wärmequelle aus, was Einigung und ewigen
Freundschaft symbolisieren sollte. Jeder der Sachem legte daraufhin seinen Mantel ab und
setzte sich darauf. Der Zeremonienmeister entzündete nun die Friedenspfeife - auch
Calumet genannt - und rauchte dreimal - einmal zum Zenit, das zweite Mal zur Erde und
der dritte Zug galt der Sonne.
Mit dem ersten Zug bedankte er sich beim Großen Geist, dafür das er
noch lebte und der Ratsversammlung beiwohnen kann.
Mit dem zweiten Zug dankte er der Mutter Erde für die Erzeugnisse der Natur.
Sein dritten Zug galt der Sonne. Er drückte damit seinen Dank für das
nie versagende Licht aus.
Er gab das Calumet seinen Nebenmann und es machte die Runde. Gab es nach einer Beratung
eine Einigung, so tauschten die Sprecher der Nationen ihre Wampumgürtel aus und
sagten bei der Übergabe die Worte »Meine Worte bewahrt dieser Gürtel«.
Durch diese Liga wurden die Irokesen die stärkste und schlagkräftigste
Streitmacht des Ostens. In historischer Zeit waren die Krieger der Irokesen besonders
wild, grausam und tapfer und führten viele Kriegszüge gegen ihre Nachbarn
durch. Die Stämme der Irokesen-Sprachfamilie wurden aufgefordert der Liga
beizutreten. Weigerten sich die Stämme, wurden sie vernichtet.
Der »Große Friede« stellt den irokesisch gemeinten Frieden dar, bei dem die Liga
an der Spitze stehen sollte. Die Tuscarora sind als einziger gleichberechtigter Stamm
in die Liga aufgenommen wurden. Sie mußten sich zuvor jedoch mehrere Jahre lang
in einer untergeordneten Stellung bewähren. Weitere Stämme, die in die Liga
aufgenommen werden wollten, wurde gesagt, dass sie nur Rechte wie Frauen oder Kinder
erhalten würden, die Männer keine Krieger mehr sein dürften und der Liga
unterstehen sollten. Alle Stämme lehnten diesen Frieden ab, außer die
Delawaren, die von den Weißen aus ihrer Heimat vertrieben wurden waren und nun
Schutz suchten.
Der »Große Friede« wurde durch einen Krieg erreicht. Kämpfe zwischen
Mitgliedstämmen und außerhalb des Bundes Stehende, die um den Einfluß
eines ertragreichen Pelzhandel kämpften, erschwerten das Leben der Irokesen. Aber
auch Kämpfe mit Franzosen und Holländern, zwischen Franzosen und Engländern
um die Herrschaft Nordamerikas hatten ihren Einfluß. Bei diesen Kämpfen standen
den Engländern im Norden die Irokesen und im Süden die Creeks als Bundesgenossen
zur Seite.
Die Irokesen überfielen nach ihren Gesetzen nur Stämme, denen der Rat den
Krieg erklärt hatte. Da für einen jungen Mann der Krieg der Weg zum Ruhm war,
hörten die kriegerischen Auseinandersetzungen nicht auf. Überfälle wurden
von kleinen Gruppen oder von nur einem Mann durchgeführt, die Ruhm erlangen wollten.
Als es wegen Konflikten beim Pelzhandel und bei Machtplänen zwischen England und
Frankreich zum Krieg kam, konnten die Irokesen Armeen von 500 bis 1000 kampferprobten
Kriegern ins Feld führen. Solche Heere waren niemals in diesem Teil der Welt vorher
gesehen wurden. Die Algonkin-Stämme und die irokesischen Huronen wurden von den
Franzosen unterstützt. Die Irokesen konnten aber einen Stamm nach dem anderen
besiegen. Überlebende und die Reste von Stämmen wurden in den Irokesen-Stamm
aufgenommen oder blieben im eigenen Stammesgebiet. Das Irokesenreich erstreckte sich kurz
vor der Amerikanischen Revolution im Süden bis Tennessee und im Westen bis Illinois.
Stämme, die noch weiter entfernt lebten, waren den Irokesen ergeben. Die
Irokesen-Liga kämpfte auf seiten der Engländer im französisch-indianischen
Krieg. Sie unternahm Überfälle in den Bundesstaaten Pennsylvania und New York
und band somit die Kräfte von Hunderten amerikanischen Soldaten, die eigentlich zum
Schutz abgestellt waren. Die Kolonialtruppen waren aber nur solange die Freunde der
Irokesen solange sie unter britischen Rechtssprechung standen. Nach der Revolution
wurden die englischen Kolonialtruppen Amerikaner. Die Irokesen lernten erstmals für
eine kurze Zeit die Greueltaten kennen, die sie gegen die Franzosen und Algonkin geduldet
hatten.
Die Engländer boten den Irokesen nach Beendigung der Revolution Schutzgebiete in
Kanada an. Viele Irokesen nutzten diese Gebiete, aber die meisten von ihnen blieben in
ihrer Heimat. Einige Wampumgürtel gingen mit nach Kanada, andere blieben in der USA,
weshalb es heute zu Streitigkeiten kommt, welche Gruppe den Rat der Liga einberufen kann.
Georg Washington schloß mit der Irokesen-Liga einen gerechten Frieden, was sich
1812 auszahlte, als Tecumseh eine Allianz der Stämme zwischen Ohio und Mississippi
mit Unterstützung der Engländer bildete und den Norden der Vereinigten Staaten
bedrohte. Die Irokesen traten dieser Allianz nicht bei, da zwischen ihnen und den
Engländern keine Allianz mehr bestand und sie der neuen Nation ihr Wort gegeben
hatten. Wären die Irokesen dieser Allianz beigetreten, hätten sie und die
Allianz den nördlichen Teil der USA eingenommen und der Krieg wäre anders
verlaufen.
Im 19. Jahrhundert mußten die Irokesen einen großen Teil ihres Landes abgeben,
wurde ein Teil nach Oklahoma und Wisconsin umgesiedelt und der Rest etwa 10.000 Personen
blieben im Staat New York. Bewußte Irokesen halten sich noch heute an die
Traditionen der Irokesen-Liga. | |
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