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Joseph, Häuptling der Nez Percé |
Joseph war der Sohn des berühmten Upper Nez Percé-Häuptlings gleichen Namens.
Im Knabenalter von 10 Jahren trug er den Namen Mia-ats Ta-weet Tueka-Kas = Sohn des
Ta-weet Tueka-Kas. Beim Schutzgeistertanz im 11. Lebensjahr informierte er seinen Stamm
über seinen neuen Namen Heinnot Tooyalaket. Die Weißen nannten ihn einfach
Joseph. Im Alter von 31 Jahren ging nach dem Tod des Vaters die
Oberhäuptlingswürde an ihn über. Im Wallowa Valley kamen Regierungsbeamte,
die die Nez Percé aufforderten in die Lapwai-Reservation zu ziehen, wo bereits andere
Nez Percé angesiedelt waren. Joseph bat Präsident Grant den Nez Percé ihr
Stammesgebiet nicht wegzunehmen. Grant erteilte daraufhin die Anordnung den Wallowa
Valley als Siedlungsgebiet für Weiße zu sperren. Weiße Siedler und
Goldsucher gingen auf Pferde- und Rinderraub zu den Upper Nez Percé und teilten
Washington mit, dass die Nez Percé den Siedlern das Vieh stehlen und damit Unfrieden
stiften würden. Jedes Mittel war den Weißen recht, den Nez Percé das Tal
abzujagen, da man in ihm Gold gefunden hatte. Als der Präsident von den
vermeintlichen Viehdiebstahl der Upper Nez Percé hörte, gab er 1875 eine neue Order
heraus, die nun das Wallowa Valley zur Besiedlung durch Weiße den Weg frei machte.
Die Nez Percé erhielten eine Frist bis zu welchem Zeitpunkt sie den Wallowa Valley zu
verlassen hätten, doch Joseph weigerte sich das Tal seiner Väter für die
Besiedlung der weißen Eindringlinge zu räumen. General Howard wurde von der
Regierung beauftragt die Nez Percé zwangsweise in die Lapwai-Reservation umzusiedeln.
Howard forderte im Mai 1877 Joseph auf ins Fort Lapwai zu kommen, um den Termin der
Landübergabe festzulegen. Mit Joseph kamen am 2. Mai 1877 die Häuptlinge
Looking Glass, sein Bruder Ollokot, White Bird, der Prophet Toohoolhoolzote und 50
ausgesuchte Krieger, die mindesten 1,80 Meter groß waren. Sie trugen ihre
schönsten Gewänder, ritten auf ihren prächtigsten Pferden und hatten
außer einer zeremoniellen Tomahawk-Pfeife keine Waffen bei sich. Als Sprecher der
Wallowa Nez Percé stellte Joseph den Propheten vor, der mit seiner scharfzüngigen
Art einen heftigen Streit mit dem General auslöste, so dass dieser Toohoolhoolzote
festnehmen ließ. Howard gab Joseph eine Frist von 30 Tagen in das Lapwai-Reservat
umzusiedeln. Ein Einspruch des Oberhäuptlings wegen des hohen Wasserstandes des
Snake Rivers und der weit verstreuten Herden, die erst zusammengetrieben werden
müßten, wies der General zurück. Wenn die Nez Percé den Termin nicht
einhalten, würden sie in die Reservation von Soldaten getrieben werden. Als
sie von der Unterredung mit dem General zurückkamen, befanden sich bereits Soldaten
im Wallowa Valley, um den Umzug der Nez Percé in das Lapwai-Schutzgebiet zu beobachten.
Mit großer Eile wurden die Frauen und Kinder über den Hochwasser
führenden Snake River übergesetzt. Während die Nez Percé einen Teil ihrer
Herden über den Fluß brachten und zahlreiche Tiere im reißenden
Fluß ertranken, stahlen die Weißen mehrere Rinder von der vorerst
zurückgelassenen Herden.
Aufgebrachte Häuptlinge verlangten von Joseph ein Palaver im Rocky Canyon. Der
freigelassene Prophet, Ollokot und White Bird wollten den Oberhäuptling zum Krieg
gegen die Weißen überreden, aber Josph lehnte ab, da er auch in Zukunft mit
dem Stamm in Frieden leben wollte. Von Toohoolhoolzote aufgehetzte Krieger weigerten
sich das Lager zu verlassen. Junge Krieger verließen eines Nachts das Lager und
töteten elf Weiße, um den Viehdiebstahl und die Vertreibung aus ihrem
Stammesgebiet zu rächen. Wegen des Friedensbruches seiner Leute beschloß der
Oberhäuptling in Richtung Montana aufzubrechen. Captain Perry und seine Truppe von
wenig mehr als 100 Soldaten verfolgten die Nez Percé, um eine günstige Gelegenheit
zu bekommen, die Nez Percé auf ihrem Marsch aufzuhalten. Das sie bereits von den Nez
Percé beobachtet wurden, merkten sie nicht. Joseph führte sie am 16. Juni 1877 im
White Bird Canyon in einen Hinterhalt, wo seine Scharfschützen mehrere Soldaten
töteten und im Anschluß jagte er seine 500 Pferde über sie hinweg. Die
nun auf die Soldaten heranstürmenden Pferde lösten bei Lieutenant Theller und
bei weiteren 18 Soldaten Todesangst aus, so dass sie flohen und auf ihrer Flucht leichte
Beute der indianischen Scharfschützen wurden. Captain Perry, Lieutenant Parnell und
die Truppe suchten Schutz in einer Schlucht, wo sie sich noch drei Stunden gegen
angreifende Nez Percé verteidigten. Sie begaben sich dann auf die Flucht nach Mount
Idaho, wo ihnen eine Siedlertruppe begegnete, die nun ihrerseits die Indianer vertrieb.
Auf ihrem Rückzug fanden die Nez Percé 34 tote Soldaten, denen sie die Waffen und
Kleidung abnahmen, aber deren Skalpe nicht anrührten.
General Howard nahm nun die Verfolgung der Nez Percé am 22.06. mit 227 Soldaten aus
Fort Lapwai auf. Am Clear Water River nahe Kamia im Bundesstaat Idaho befand sich Looking
Glass mit seiner Streitmacht und erwartete die Ankunft der US-Armee. Die Nez Percé hatten
450 Frauen, Kinder und Greise und etwa 250 Krieger zur Verfügung. Howards Armee war
bis zum 11. Juni auf 700 Mann angewachsen und glaubte einen leichten Sieg zu erringen.
Ohne Vorwarnung eröffnete er mit einer Haubitze und zwei Revolvergewehren das Feuer.
Die Revolvergewehre schossen zu kurz und die Haubitze schlug weit hinter den Nez Percé
im Wald ein. Die Nez Percé brachten ihre Angehörigen und das Vieh in Sicherheit und
gingen am Clear River in Stellung. Das Gefecht dauerte den ganzen Tag. Ohne das die
Soldaten die Nez Percé bezwingen konnten, zogen sie sich über den Fluß mit
allen Leuten, mit aller Habe und Vorräten zurück. Durch eine strategische
Meisterleistung von Oberhäuptling Joseph waren keine schweren Verlusten zu beklagen.
In einer Beratung beschlossen die Häuptlinge nach Kanada zu gehen. Howards Truppen
hängten die Nez Percé bei der Überquerung der Bitterroot Mountains ab, jedoch
Captain Rawn versperrte ihnen mit einer Barriere den Weg durch den Lolo Canyon. Drei Tage
der Verhandlung vergingen, da Rawn die Nez Percé bis zum Eintreffen von General Howard
und Colonel Gibbon hinhalten wollte. Die Barriere umgingen die Indianer am 28. Juli,
kauften den Siedlern gegen Wucherpreise Lebensmittel ab und zogen weiter nach Norden.
Rawn verfolgte die Nez Percé zwar, konnte aber gegen die Nachhut Josephs nichts
ausrichten, weshalb er umkehrte.
Da Looking Glass nicht ahnte, dass Colonel Gibbon aus Fort Shaw mit einer Abteilung sich
nördlich des Missouri näherte, verlangte er von Joseph eine Rast einzulegen.
Der Oberhäuptling stimmte zugern dieser Bitte zu. Am Morgen des 9. August 1877
umzingelten 170 Infanteristen das Lager am Big Hole River und eröffneten auf
Befehl des Colonels das Feuer. Mehrere Salven krachten, bevor die Soldaten das Zeltdorf
im Sturm einnehmen wollten. Während die Nez Percé mit aller Kraft ihr Lager gegen
die Soldaten verteidigten, brachten einige Krieger unter ihnen auch Joseph die Frauen,
Kinder und Alten in Sicherheit. White Bird führte die Hauptstreitmacht gegen Gibbons
Truppe an und machte als erstes die Kanoniere, die gerade ihr Geschütz in Stellung
bringen wollten, unschädlich. Dann beschossen Scharfschützen die Soldaten,
wobei eine Kugel Gibbon ins Bein traf, und konnten somit die Verfolger abhängen.
80 Tote hatten die Nez Percé nach diesem Gefecht zu beklagen, darunter zwei Drittel
Frauen und Kinder. Die Truppen von Gibbon hatten 30 tote und 40 verwundete Soldaten.
Zuerst zogen die Nez Percé in südliche Richtung, um vermeintliche Verfolger zu
täuschen. Außerdem hatten die Nez Percé eine Nachhut zurückgelassen,
die Gibbon und seine Leute fast ausgehundert hätten, wenn Howard sie nicht mit
einer neu eingetroffenen Kavallerie-Einheit verscheucht hätte. Joseph erhielt
Kenntnis von den neuen Verfolgern und konnte ihnen fast alle Pferde und Maultiere, die
Proviant und Munition trugen, abnehmen. Den General blieb nichts anderes übrig als
am Camas Meadows zu bleiben. Die Nez Percé zogen über den Targhee-Paß zum
Yellowstone Park. Auf dem Gebiet der Crow angekommen, baten sie um Beistand, was
abgelehnt wurde. Die Crow verständigten stattdessen Colonel Sturgis vom 7.
US Kavallerie-Regiment, welches nach der Schlacht am Little Bighorn am 25. Juni 1876
wieder seine volle Stärke von 350 Mann erreicht hatte. Sturgis und seine Truppe
konnten zwar die Nez Percé einholen, jedoch gelang den Indianern die Flucht.
General Howard und Colonel Sturgis vereinigten sich am Stinking Water River und nahmen
nun die Verfolgung gemeinsam auf. Joseph zog zum Musselshell River, wurde aber am
Canyon Creek von Sturgis eingeholt. Nez Percé-Scharfschützen konnten bis zur Nacht
die Truppen aufhalten - bis zur Grenze nach Kanada waren es nur noch 30 Kilometer. Die
Eilmärsche zwangen die Nez Percé in der Nähe des Bear-Paw Mountain am Milk
River eine Ruhepause einzulegen. Aus Fort Keogh näherte sich General Miles, der von
General Howard unterrichtet worden war, dem Lager der Nez Percé.
280 Soldaten mit Artillerieunterstützung eröffneten am 29. September 1877
im dichten Schneetreiben das Feuer auf das Lager. Die Nez Percé brachten ihre
Angehörigen in Sicherheit und 125 Scharfschützen versteckten sich in den
Felsklippen bis 115 Kavalleristen auf 20 Schritt herangekommen waren. Nun wurden
29 Infanteristen und 24 Kavalleristen erschossen und 42 Soldaten verwundet. Die Nez Percé
verloren drei Frauen und 18 Krieger, unter ihnen Ollokot und der Prophet Toohoolhoolzote.
Dann schossen die Infanteristen mit einer vierpfündigen Haubitze und einer
Hotchkiß-Kanone auf die Stellungen der Indianer und waren sich fast sicher den
Verlauf des Kampfes für sich zu entscheiden, da aber begannen die Nez Percé
Scharfschützen die Esel- und Maultiergespanne zu beschießen. Dabei gab es
hohe Verluste unter den Soldaten, so dass sie sich zurückzogen. Nach einer Beratung
der Offiziere mit Miles wurde das Gefecht fortgesetzt. Die Nez Percé hoben in der Nacht
Schützengräben aus. Am anderen Morgen kam es zu Verhandlungen, wo Miles Joseph
zur Kapitulation aufforderte, was der Oberhäuptling ablehnte. Mit
Zwölfpfünderkanonen ging es bis zum Abend mit dem Gefecht weiter, jedoch
erzielten die Soldaten keinen Bodengewinn. Miles lud Joseph zu einem weiteren
Gespräch ein. Trotz weißer Parlamentärfahne wurde Joseph zwei Tage lang
gefangengehalten. Der General versprach dem Oberhäuptling in seine Heimat
zurückkehren zu dürfen, wenn sie die Waffen ablieferten. Doch Joseph lehnte ab.
Die Nez Percé nahmen Lieutenant Jerome zum Geisel, den sie gegen ihren Häuptling
austauschten. Erneut kam es zum Gefecht bis Miles Kuriere zu Terry in das 100 Meilen
entfernte Fort Benton, zu Howard und Sturgis, die weiter südlich sich befanden,
schickte.
General Howard traf als erster bei Miles ein und zwar am 5. Oktober. Miles forderte
den Oberhäuptling nochmals zur Aufgabe auf. Eine Beratung zwischen Joseph, White
Bird und Looking Glass kam zu dem Schluß bis zum Tod zu kämpfen, was den
Oberhäuptling zum Aufschub der Entscheidung veranlaßte. Ein Scharfschütze
der Soldaten tötete Looking Glass. Joseph kapitulierte am 6. Oktober 1877. White
Bird und weitere Krieger flohen nach Kanada zu Sitting Bull. Der Oberhäuptling und
die anderen Nez Percé kamen in Gefangenschaft. Vom Tonque River in Montana kamen sie
nach Bismarck in North Dakota und von dort nach Fort Leavenworth. Man transportierte sie
schlimmer als Vieh. Nach einem weiteren halben Jahr ging es nach Baxter Springs in
Kansas und von dort verlegte man sie am 21. Juli 1878 ins Indianerterritorium Oklahoma.
Die Horden von White Bird und Looking Glass durften 1885 in die Reservation ihres Volkes
in Lapwai zurück. Die Horde von Joseph - noch etwa noch 150 Personen - wurden nach
Nespelm in das Colville-Reservat im US-Bundesstaat Washington umgesiedelt. Hier blieben
sie bis zu ihrem Tod in der Verbannung.
Joseph starb am 21. November 1904 an gebrochenem Herzen, so schrieb es der Arzt in den
Totenschein. |
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