Nordamerika ist ein sich nach Norden zum Polarmeer und nach Süden zum Golf von
Mexiko weit öffnender und nach Osten und Westen durch Faltengebirge abgeschlossener
Kontinent. Man unterscheidet vier großzügig bemessene Landschaftsräume.
Im Norden und Nordosten ist es der "Kanadische Schild", ein Festlandskern, der
eine von den Eiszeitgletschern abgetragene und felsige Hügel- und Moränenlandschaft
mit vielen Seen bildet. An der Ostküste sind es die parallel zum Atlantischen Ozean
erstreckenden 2.600 km langen und 200 bis 300 km breiten Appalachen, die mit dem Mount
Mitchel eine Höhe von 2.037 m erreichen.
Im Westen hingegen türmen sich die 4.300 km langen und 1.700 km breiten Gebirgsketten,
der Kordilleren mit den beiden Hauptketten Coast Range und Rocky Mountains auf, die in
Nord-Süd-Richtung verlaufen und den Kontinent gegen den Pazifischen Ozean abgeriegeln.
Zwischen den beiden Hauptketten weit im Süden gelegen befindet sich eine Senke, das
Große Becken. Höchster Berg ist der 6.198 m hohe Mount McKinley in Alaska. Die
Gebirgsformation der nordamerikanischen Kordilleren umfassen eine Fläche von sieben
Millionen Quadratkilometern.
Im Innern des Kontinents breitet sich zwischen Felsengebirge im Westen und Mississippital
im Osten ein von Ost nach West ansteigendes terrassenförmiges Flachland aus, die
Prärie, welche bevor sie die Kordilleren erreicht an einem wüstenhaften, stark
zerklüfteten Hochplateau endet.
Die mittelamerikanische Festlandbrücke
Mittelamerika, auch Zentralamerika genannt, ist eine von Nordwesten nach Südosten
verlaufende Landbrücke zwischen dem nord- und dem südamerikanischen Kontinent.
Sie beginnt im Norden mit dem Isthmus (Landenge) von Tehuantepec und wird im Süden
mit dem Isthmus von Darién bis zur Mündung des Rio Atrato begrenzt. Im Westen
schließt sich der Pazifische Ozean an. Der Golf von Mexiko im Nordosten und das
Karibische Meer im Südosten sind die Begrenzungen im Osten. Die Länge der
Festlandbrücke beträgt 2.300 km und sie hat eine Fläche von 800.000
Quadratkilometer. Faltengebirge mit zum Teil noch tätigen Vulkanen durchziehen sie,
die die nordamerikanischen Kordilleren fortsetzen. Die Pazifikküste fällt
steil ab. Die Ostküste hingegen ist flach und unregelmäßig.
Südamerika
Im Westen von Südamerika verläuft das Hauptgebirge dieses Kontinents, die
Anden, die genau wie die Rocky Mountains in Nordamerika in Nord-Süd-Richtung
verlaufen. Sie erstrecken sich vom äußersten Norden Kolumbiens bis nach
Feuerland den südlichsten Zipfel Südamerikas in einer Länge von 7.500
Kilometer. In ihrer Breite erreichen sie in Bolivien 750 Kilometer. Einige der vereisten
Vulkankegel liegen in Höhen von ca. 7.000 m (der Ancohuma 7.014 m). Unmittelbar vor
der Westküste Südamerikas verlaufen Tiefseegräben mit einer Tiefe von ca.
8.000 m (Atacama-Graben 8.066 m) und damit befinden wir uns hier in einer Zone mit den
größten Höhenunterschieden auf unserer Erde. Das Tiefseegräben,
Kettengebirge und Vulkane eng zusammenliegen, ist kein Zufall. Die Senkung der ozeanischen
Platten, der Vulkanismus und die Gebirgsbildung gehen auf einen Vorgang zurück, der
sich tief unter der Erdoberfläche abspielt: das Abtauchen der ozeanischen Platten
unter der kontinentalen südamerikanischen Platte. Unter den Anden werden die Cocos-
und die Nazcaplatte im Erdinnern verschlungen und schmelzen zum Teil auf. Die starken
tektonischen Hebungen der Anden im jüngeren Tertiär und Quartär sind die
Folge der Abtauchung. Durch das Abtauchen der eben genannten Platten erhielten die Anden,
die aus leichten Gesteinen bestehen, einen Auftrieb. In manchen Abschnitten wurde das
Gebirge bis zu 6.000 m angehoben. Dieser Vorgang hatte natürlich Brüche und
Verschiebungen zur Folge. Die wichtigsten Brüche verlaufen in Längsrichtung der
Anden und gliedern sie in zwei bis fünf annähernd parallel verlaufende Ketten,
welche zwischen sich Hochbecken einschließen. Das Hochland der Anden dehnt sich vom
südlichen Peru bis in den Norden Argentiniens aus; auf ihm liegt im Grenzgebiet
zwischen Bolivien und Peru der Titicacasee, die höchstgelegene schiffbare
Wasserstraße der Erde. Nur im äußeren Süden queren einige
Flüsse, die in den Pazifik münden, das Gebirge. Das Gebiet östlich der
Anden wird durch drei weitere Bergregionen beherrscht; das Bergland von Guayana im Norden,
im Osten das Hochland von Brasilien und im Süden das Hochland von Patagonien. Diese
Gebirgsformationen werden in einigen Gegenden von schwindelerregenden Abgründen
unterbrochen, wie z. B. den Iguaçufällen an der Grenze zwischen Brasilien,
Argentinien und Paraguay. Die meisten großen - oft riesigen Flüsse, wie der
Orinoco und der Amazonas, entspringen in den Anden und fließen wie das Flußsystem
des Paraná-Paraguay, welches den Norden mit dem Süden verbinden, in den Osten und
enden im Atlantischen Ozean. Der Amazonas ist die Lebensader des Amazonasgebietes, des
größten Regenwaldes der Welt mit der Gesamtfläche von ungefähr
6,5 Millionen Quadratkilometern. Nördlich und südlich des Amazonasbeckens
erstrecken sich die endlosen Savannen, die Chacos und, wie sie in Argentinien, Pampas
genannten Steppen. Sie sind das großartigste Weideland der Welt, die heute aber
zum Teil für den Getreideanbau genutzt werden.