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NORD- BIS SÜDAMERIKA
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Maya-Codizes, Rindenpapier-Bücher


Die Kodizes waren Bücher aus der Rinde eines Feigenbaumes (lat. Name Ficus cotinifolia). Man durchsetzte die Fasern mit Stärke und verarbeitete sie dann zu flachen Papierstreifen. Als Werkzeug wurde ein steinerner, an der Unterseite geriffelter Schlägel verwendet. Dann weißte man das Papier mit einer feinen Kalkschicht und beschrieb es mit winzigen Pinseln und feinen Federn. Durch die Ziehharmonikafaltung konnte man von dem meterlangen Streifen beliebig viele Seiten aufklappen und nebeneinander legen. Der Einband eines solchen Buches bestand aus Holz - manchmal auch aus Jaguarfell. Zum Schutz bewahrte man die Schriftwerke in Holzkästen auf. Eine Seite dieser Handschriften ist zwischen 20 und 25 Zentmeter hoch und etwa halb so breit. Diese Größe muß das Standardformat der Maya-Bücher gewesen sein. An einigen Stellen sind die Seiten durch drei bis vier feine rote Linien in horizontaler Richtung gegliedert. Jeder dieser Abschnitte konnte mehrere Seiten umfassen. Die anderen Seiten wurden von links oben nach rechts unten gelesen.

Eine Seite des Dresdner Codex Für die Schreiber - ah dzib - der Maya, die diese Kodizes verfaßten, gab es göttliche Schutzpatrone - ein Heuler und ein Affe. Damit erlangte der Schreiber einen Status, der nur vom König - ahau - selbst übertroffen werden konnte. Wissenschaften, Prophezeiungen und geschichtliche Epen wurden in die gebundenen Bücher aus Rindenpapier geschrieben. Jeder dieser Kodizes bestand aus einem langen Stück Rindenpapier, wovon die Mayaherrscher ganze Bibliotheken besaßen. Ein heiliger Bibliothekar - ah k'uhun - beaufsichtigte die Werke.

Mit dem Erscheinen der spanischen Konquistadoren endete ein wichtiges Maya-Kapitel für die Wissenschaft. Da der Bischof von Yucatan Diego de Landa am 12. Juli 1561 auf dem Platz des Franziskanerklosters in Mani einen großen Scheiterhaufen auftürmen, Kreuze und Bänke für die zuschauer aufstellen ließ und seine franziskanischen Mönche aufrief alle Götzen und Objekte der Teufelsanbetung auf den Scheiterhaufen zu werfen. Jeder Maya-Adlige, der seinen Glauben nicht abschwor, wurde auf der Stelle mit 200 Peitschenhieben bestraft.

Auch die Bücher der Maya fielen dem Flammenmeer zum Opfer, wie der Jesuit José de Acosta im Jahre 1590 berichtete. Bischof Landa bemerkte nur, dass die Bücher nichts wertvolles enhielten außer Aberglauben und Lügen des Teufels. Später bedauerte man die Vernichtung der Kodizes, wie de Acosta weiterschrieb. Damit gingen die Kenntnisse der Indianer von Pflanzen, Tieren, alten Sitten und die Abfolge der Zeit für immer verloren.

Unschätzbar viele Bücher wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die klimatischen Verhältnisse - das Tropenklima - allerdings hätten kaum mehr Bücher aus der vorspanischen Zeit ohne entsprechende Konservierung überdauern lassen. Die Bücher aus der klassischen Zeit waren bereits vor Ankunft der Spanier zerfallen. Das Wissen ganzer Bibliotheken ist damit verloren gegangen.

Aus vorspanischer Zeit stammen die vier bekanntesten Handschriften - Dresdner Codex, Madrider Codex, Pariser Codex und Mexikoer Codex. Der Madrider Codex könnte in der letzten unabhängigen Maya-Stadt Tayasal erst im 17. Jahrhundert entstanden sein. Die drei Handschriften europäischer Bibliotheken wurden in der Frühzeit der Kolonisation nach Europa gebracht, hingegen der vierte Codex 1971 in einer sehr trockenen Höhle in Südmexiko entdeckt wurde.

Der wohl schönste, jedoch nicht umfangreichste Codex mit seinen 74 Seiten ist der Dresdner Codex. Sein Inhalt befaßt sich ausschließlich mit religiösen und rituellen Inhalt. Behandelt werden der Umlauf der Venus, Berechnungen ihrer Phasen, Vorhersagen über Sonnen- und Mondfinsternisse sowie Rituale zur Jahreswende. Ein Kapitel befaßt sich ausführlich mit der Mondgöttin, ihren Einfluss auf Krankheit und Geburt. Verschiedene Kapitel widmen sich dem Regengott Chaak und seiner Herrschaft über Wetter und Ernte. Bei der Erstellung dieses Codexes müssen mindestens fünf Meister des Schreibens gearbeitet haben, dies zeigen die unterschiedlichen Schreib- und Malstile. Der Dresdner Codex, so vermuten Forscher, muß eine postklassische Abschrift aus der klassischen Zeit sein. Der Ort der Entstehung dieser Handschrift ist nicht bekannt, könnte aber irgendwo im Norden der Halbinsel Yucatan liegen.

Die Madrider Handschrift - Codex Tro Cortesiano - umfaßt 112 Seiten. In seiner ästhetischen Qualität liegt er weit entfernt vom Dresdner Codex. Die Themenpalette erstreckt von Ritualen für eine erfolgreiche Jagd, über Bienenzucht, über die Aussaat bis hin zu ausführlichen Kapiteln über den Regengott und seinen Einfluß auf die Landwirtschaft. Es kommen auch Abschnitte des Dresdner Codex vor. Dabei geht es um religiöse Vorstellungen aus der postklassischen Zeit.

Was Forscher allerdings ins Staunen versetzte, waren die Fehler, Auslassungen und vertauschten Hieroglyphen im Madrider Codex. Die Schreiber können keine Meister ihres Faches gewesen sein.

Der 22-seitige Pariser Codex, der in der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrt wird, erreicht ebenso wenig die Qualität des Dresdner Codex hinsichtlich der Eleganz der Linienführung - übertrifft aber in Genauigkeit und Detailreichtum den Madrider Codex. 70 Prozent der ursprünglichen Malerei auf der Stuckschicht, die das Feigenbastpapier bedeckt, sind jedoch kaputt. Die restlichen Bilder und Schrifttexte verraten uns aber trotzdem mit was sich die Themen des Pariser Codex befassen: Zum einen mit den Prophezeiungen für die 1320 Jahre dauernden K'atun-Zyklen des Maya-Kalenders, mit den 13 Tierkreiszeichen der Maya und der Beschreibung der Erschaffung des Universums.

Der vierte Codex ist erst in der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mexiko aufgetaucht und wurde nach der Galerie, in der er zuerst ausgestellt wurde, benannt - Codex Grolier. Er unterscheidet sich im wesentlichen von den anderen Codizes in Richtung des Dargestellten - nämlich Zahlzeichen. Erst glaubte man an eine Fälschung dieses Codex, konnte aber bei Untersuchungen feststellen, dass das verwendete Papier aus vorspanischer Zeit stammt und wie der Dresdner Codex einen Venuskalender enthält. Damit war die Echtheit des Buchfragments geklärt.

Keiner, der hier erwähnten Kodizes wurde von Archäologen ausgegraben. Das feuchte Klima hätte sie zuvor zerstört. Fragmente von Kodize wurden aber in Gräbern gefunden. Der wohl besterhaltene Fund ist der Mirador-Kodex. Er befindet sich heute im Nacional de Antropologia in Mexiko City. Das Papier ist jedoch bereits verrottet, aber der Kalüberzug blieb erhalten. Dieser klebte zu einer festen Masse zusammen, jedoch konnte bei Untersuchungen die Zeichnungen im Innern als intakt erkannt werden.

In trockenen Höhlen konnten große Mengen unbenutzten Rindenpapiers aus vorkolumbischer Zeit entdeckt werden, was Archäologen zu der Hoffnung verleitet, doch noch einmal gefaltete Bücher - diese wunderschön illustrierten Kodizes - zu finden.
 

Info-Kasten 1 - Codizes


(auch Kodizes) sind lange Streifen aus Rindenpapier, die beiderseits bemalt sind und wie Fortsetzungsgeschichten gelesen werden. Zur besseren Aufbewahrung wurde ein solcher Codex ziehharmonikaartig gefaltet und zwischen Tierhäute gebunden. Der Dresdner Kodex ist wohl der schönste, der vier erhalten gebliebenen. Er ist 40 Meter lang, der Madrider nur 6,7 Meter. Auf fünf gefalteten Seiten wird im Dresdner Kodex der komplette Zyklus der Venus während eines Sonnenjahres beschrieben. Mayapriester verwendeten die Kodizes, die unter anderem Horoskope und Sterntafeln beinhalteten, für ihre Vorhersagen.


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