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Frühe Kulturen: Mississippi-Kultur
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Mississippi-Kultur - von 800 bis 1500 n. Chr.
Nach dem Niedergang der Hopewell-Kultur erlebte das Östliche Waldland die Epoche
der Neuorientierung. Um das Jahr 800 entstand die Mississippi-Kultur. Diese Kultur
breitete sich bis Oklahoma im Westen und bis Wisconsin im Norden aus - sie umfaßte
den gesamten Osten der Vereinigten Staaten. Die Bezeichnung Mississippi-Kultur steht
für Hunderte von Gruppen, die sich im Einzugsgebiet der östlichen Waldregion
angesiedelt hatten. In den großen Zentren entstanden gewaltige Erdpyramiden mit
abgeflachter Spitze, die als Fundamente für Heiligtümer und
Häuptlingsresidenzen dienten.
Zwischen 800 und 1100 n Chr. kam es in der Landwirtschaft zur Revolution. Die
Bauern der Mississippi-Kultur wendeten sich von den traditionellen einheimischen
Feldfrüchten ab und sich einer fremden eingeführten Frucht zu - dem
Mais. Mit dem Anbau des Maises änderte sich die gesamte Lebensweise. Auch die
gesellschaftlichen und politischen Strukturen wandelten sich. So entwickelte z.nbsp;B.
sich im Südwesten der Großen Seen die Oneota, die Fort-Ancient-Gemeinschaften
im mittleren Ohiotal sowie verschiedene Häuptlingtümer in den
Flußtälern des Südostens und im mittleren Westen.
Seit der Einführung dieser Kulturpflanze beherrschte er die Völker des
Südwesten in ihrer Kultur. Bis der Mais im Osten die traditionellen
Feldfrüchte ablöste, vergingen etwa 600 Jahre. Man vermutet, dass eine
genetische Veränderung dieser Kulturpflanze diese Zeit benötigte.
Ungefähr 1000 n. Chr. ist eine neue Maissorte im Osten aufgekommen. Diese
Sorte war res?stent gegen Frost und war für besonders kurze Wachstumszeiten
geeignet. Bevor die Weißen in Nordamerika eindrangen, hatte sich diese
Neuzüchtung im Gebiet der Großen Seen, im Ohiotal wie auch im Nordosten
als vorherrschende Sorte verbreitet.
Der Mais hatte sich vor 1000 n. Chr. allerdings weiter im Süden nur
geringschätzig ausgebreitet. Gründe dafür können sein, dass man
den Mais nur zu bestimmten Ritualen einsetzte oder erst vor 800 n. Chr. der
Bevölkerung zugänglich machte. Vielleicht wurde er auch im grünen Zustand
verzerrt und keine Vorräte angelegt. Ein anderer Grund könnte mit der
Kultivierung im Zusammenhang stehen. Für Maispflanzungen mußte Boden gerodet
werden, was einen höheren Arbeitsaufwand darstellte, als bei den Nutzpflanzen der
Hopewell-Kultur - Gänsefuß und Wasserholunder. Es kann auch sein, dass der
Mais erst eingeführt wurde, als die Zahl der Bevölkerung zunahm.
In der Landwirtschaft kannte man in der Mississippi-Kultur keine Zugtiere. Die Felder
wurden in Flußtälern oder in Mäandern, die durch Deiche reguliert
wurden, angelegt. Zur Feldarbeit verwendete man nur die Hacke. Die Menschen der
Mississippi-Kultur besiedelten das fruchtbare Land an solchen Stellen, wo sie über
Landwege und Wasserstraßen weiter entfernte Siedlungen und ihre Nachbarn erreichen
konnten.
Nicht die Landwirtschaft, sondern ein Wandel in der Sozialstruktur änderte den
Charakter der Mississippi-Kultur. Das Gemeinwesen wurde straffer organisiert. Es gab
einen Häuptling und eine in mehrere Stände gegliederte Hierarchie. Die
gesellschaftliche Distanz zwischen Adel und Volk wurde zunehmend sichtbarer. Etwa
fünf Prozent machten die Oberschicht der Mississippi-Kultur aus, die man an
ihrer Kleidung, am kostbaren Schmuck und an ihren Wohnsitz - den künstlichen
Hügeln, die oben abgeflacht waren, erkannte. Von ihren Wohnsitzen regierten sie
das Volk und die Rituale, die den Lebensstil der Mississippi-Kultur ausmachten. Unter
den Herrschern, die weitreichende ökonomische und verwandtschaftliche Beziehungen
besaßen, entwickelten sich Allianzen, die gegeneinander konkurrierten und sich
auch revalisierten. Kam es zum offenen Kampf wurden Tributleistungen und
Bündnisverpflichtungen verlangt, aber keiner der Gegner von seinem Land verjagt.
Ein besonders einflußreicher Häuptling wurde als Führer von regionalen
Gemeinschaften akzeptiert. Nach seinem Tod zerfiel die Allianz wieder in einzelne
Ortschaften. Je mehr politische und soziale Ränge durch den Kampf um Macht
entstanden, desto häufiger mußten Zeremonien veranstaltet werden, um die
Menschen auf die gemeinsamen kulturellen Werte einzuschwören. Daraus entwickelte
sich das Kultwesen des Südens - auch als Südöstlicher Zeremonialkomplex
bezeichnet.
In der Mississippi-Kultur entstanden Kunstwerke mit einer ungewöhnlichen
Aussagekraft. In den Gräbern fand man Halsschmuck, Steinskulpturen und Keramiken,
Kupfergegenstände, Lochperlen sowie Becher aus gravierten Muschelschalen.
Im Mai 1539 war De Soto in der Bucht von Tampa gelandet. Er hauste so im Süden,
dass er ihn entvölkerte. Die Mississipi-Kultur war in ihren großen
Zentren bereits auf dem Niedergang. Aber eingeschleppte Krankheiten der weißen
Eindringlinge ließen es in der Mississippi-Kultur zum Chaos kommen. Durch
Epidemien ging die Bevölkerungszahl stark zurück, so dass das politische
und soziale Leben in dieser Kultur zusammenbrach. Es wurden keine neuen Hügel mehr
angelegt und die Herrscherschicht hatte den Rückhalt im Volk verloren, so dass sie
sich selbst überlassen blieb. Die Begräbnisrituale wurden nicht mehr geleitet.
Mit der Ankunft der Europäer war das aristokratische System der Mississippi-Kultur
verschwunden, aber einige religiöse Vorstellungen wurden von den
südöstlichen Stämmen übernommen, so z. B. das Fest des
grünen Maises. Auch die Zeremonie des Schwarzen Tranks überlebte. Es wurde
ein aus gerösteten Blättern des Cassina-Strauches koffeinhaltiges Gebräu
gekocht, welches während einer Zeremonie getrunken wurde und den Ältesten
einen klaren Kopf und den Kriegern Kraft und Mut geben sollte. Relikte der
Mississippi-Kultur sind die großen Hügel. Es wurden zwar keine großen
Pyramiden mehr gebaut, aber ihre Glaubensvorstellungen erhielten sich in der Sprache,
im Brauchtum und bei den Ritualen bei den Indianern des Südostens. Die
religiösen Orte der Mississippi-Kultur behielten ihre symbolische Bedeutung bei
den Cherokee, Chickasaw, Choctaw und Muskogee. Für die Verbundenheit zum Land
standen die alten Hügel. Bei den Choctaw gilt die Plattform von Nunih Waya - im
heutigen Winston County, Bundesstaat Mississippi - als die Große Mutter ihrer
Schöpfungsgeschichte.
Die Menschen der Mississippi-Kultur wurden Flüchtlinge im eigenen Land. Die
Überlebenden, die den weißen Eindringlingen und Sklavenjägern
entgangen waren, schlossen sich zu Gruppen zusammen. Aus diesem Flüchtlingsgruppen
entstand in Georgia und Alabama eine Konföderation unter der Führung der
Creek. Weitere Gruppen wurden die Chickasaw, Choctaw und Seminolen. Im Bergland des
westlichen North Carolina und östlichen Tennessee siedelte sich die
größte Gruppe an - die Cherokee, die etwa sechzig Dörfer bewohnten. | |
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