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| Sie sind in: Mittelamerika: Hochkulturen |
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Die Mixteken, eine Hochkultur |
Die Mixteken traten erst viel später als die Zapoteken in Erscheinung. Erst zu Beginn
des 7. Jahrhunderts. Sie nannten ihr Stammgebiet poetisch: »teures und heiliges Land«. Der
wesentliche Unterschied zwischen den Zapoteken und den Mixteken ist der: Die Zapoteken
gehören mit ihrer Kultur der klassischen Zeit an. Die Mixteken hingegen müssen
schon der nachklassischen Zeit zugerechnet werden.
Die zweitwichtigste indianische Stadt Südmexikos ist Mitla, die schon Ende des ersten
Jahrtausend unserer Zeit entstand. In dieser Zeit kamen die ersten vereinzelten Bauten auf,
die nach Eroberung durch die Spanier weiter verwendet wurden. Die Architektur zeichnet sich
durch lange Gebäude aus, die von zentralen viereckigen Höfen umschlossen sind.
Die Tempel besitzen flache Dächer, das von sechs Säulen getragen wurde. Die
Säulenarchitektur in Mitla ist zu erklären, dass die Stadt von toltekischen
Flüchtlingen aus Tula gegründet wurde. Der Säulenpalast - das
Hauptgebäude in Mitla - besteht aus einem Saal, der von Säulen umgeben ist, die
das Dach trugen. Das Innere der mixtekischen Gebäude soll vollkommen dunkel gewesen
sein. Stützbalken im Innern wurden durch dicke außerordentlich schwere Monolithen
gebildet. Die Gebäude der Mixteken sind lang und niedrig und ihre Fassaden sind
ungefähr drei Meter hoch. Es herrscht die Tendenz zum Horizontalen in der Baukunst vor.
An der Stirnseite befinden sich Steinmosaiks, in denen sich stufenförmige Ornamente
mit einer Vielzahl von Mustern (Zacken, Zickzackbogen, Spiralen) abwechseln.
In vorkolumbischer Zeit waren die Mixteken noch nicht so zahlreich wie die Zapoteken. Es
wird auch vermutet, dass die Mixteken niemals einen gemeinsamen Staat mit einer
Zentralregierung gebildet haben, sondern in kleinen Fürstentümer von
Herrscherhäusern des ansässigen Adels verwaltet wurden.
Trotz alledem hatten die Mixteken ein ausgeprägtes
Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie besaßen gemeinsame religiöse
Vorstellungen. Das Hauptzentrum des Kultes war die Stadt Achiutlan. Hier gab es ein
gesamtmixtekisches Nationalheiligtum, in dem ein riesiger Smaragd aufbewahrt wurde, den
sie verehrten. Sie nannten ihn »Herz des Volkes«. Er war Symbol der Einheit, die über
die Grenzen der Fürstentümer hinausreichte. Zur Zeit der Eroberung verschwand
dieser Edelstein aus Achiutlan. Aber andere Werke ihres Schaffens haben bis in die heutige
Zeit überlebt. Die Mixteken, deren Kultur später von den Tolteken beeinflußt
wurde, brachten eine ganze Reihe künstlerische Handwerkszweige hervor. Sie waren die
besten Goldschmiede Mexikos. In der Metallbearbeitung kannten sie eine ganze Reihe an
Techniken, besonders in der Goldbearbeitung. Sie verstanden es, Objekte aus Gold mit Edel-
und Halbedelsteinen zu verzieren. Am Hofe des Aztekenherrschers waren die mixtekischen
Kunstwerke sehr geschätzt.
Als die Spanier das Aztekenreich eroberten, erbeuteten sie viele Kunstwerke, die von
mixtekischen Künstlern hergestellt waren. Auch die Mehrzahl der Bücher (Codices),
die sich aus vorkolumbischer Zeit erhalten haben, stammen von den Mixteken. Die Mixteken
besaßen auch eine eigene Bilderschrift, die sich aber von der zapotekischen
unterscheidet. Die Bücher der Mixteken wurden auf Hirschlederstreifen, gelegentlich
auch aus Baumrinde bestehende Streifen geschrieben. Man begann das Blatt zu beschreiben von
der rechten oberen Ecke nach unten, dann stieg die Schrift wieder an und endete an der
linken oberen Ecke. Dazu verwendete man das piktografische System. Die Farbe der Schrift
war blau, rot, gelb, braun, grün, grau und schwarz. Das längste erhaltene Buch
ist der Wiener Codex, der 13,5 m mißt. Sie enthielten religiöse Ritualtexte
und genau datierte Lebensläufe der Angehörigen der mixtekischen
Herrscherhäuser. Die Mixteken nannten die Bücher Tonindeye (Geschichte der
Geschlechter). In den Büchern sind die Geburts- und Sterbedaten der Mixtekenherrscher
aufgelistet, aber auch das der Herrscher des Fürstentums Tilatongo Oanana zu Ehren des
Planeten Venus geopfert wurde. Über kein anderes Volk Amerikas gibt es aus der
vorkolumbischen Geschichte so umfangreiche und genaue Beschreibungen wie über die
Mixteken. Fast tausend Jahre ihrer Geschichte (692 - 1642) sind auf diese Weise
für uns erhalten geblieben. Die Aufzeichnungen über das Herrscherhaus der Stadt
Tilatongo sind vom Jahre 838 bis 1580 ohne jede Unterbrechung.
Eine Zeit lang herrschten die mixtekischen Fürsten auch über die
südmexikanische Stadt Monte Albán. Die Mixteken waren die Schöpfer der Kunstwerke,
die in den Gräbern der Stadt gefunden wurden. Die Pracht dieser Schätze hat die
ganze Welt in Erstaunen versetzt. Die Konstruktion der Gräber waren Höhlen
nachempfunden, wie es den mythischen Vorstellungen der Indianer entsprach: In Höhlen
sollen sie die Welt betreten haben und in Höhlen führt der Weg ins Jenseits.
Die Mixteken setzten die herrschaftlichen Toten mit all ihren Schmuck bei. In den 30er
Jahren des 20. Jahrhunderts legte der mexikanische Archäologe Alfonso Caso mit seinem
Mitarbeiter das als Nummer 7 markierte Grab frei. Er fand unvorstellbar schöne
Stücke mixtekischer Künstler. Das Grab bestand aus einem einzigen unterirdischen
Raum, in dem 500 Kunstgegenstände gefunden wurden. Zu ihnen gehören:
wunderschöne und fein gearbeitete Schmuckstücke, eine Maske des Gottes Xipe Toteco
aus Goldblech, Halsketten aus Perlen, Ohrgehänge aus Obsidian und Nephrit, eine
Darstellung eines menschlichen Schädels der aus einem Stück Bergkristall gehauen
wurde und Gold, Gold und nochmals Gold: goldene Armreifen und Halsketten aus 900 Gliedern
und eine goldene Tabaksdose. Zur Verzierung der goldenen Schmuckstücke verwendeten die
Mixteken Edelsteine. Zur Herstellung wurden verschiedene Techniken angewandt, so z. B.
die Verlorene Wachs-, Treib- und Filigrantechnik sowie die Gießtechnik. Die
Schätze sind heute im Museum von Oaxaca ausgestellt.
Die Mixteken kannten seit dem 10. Jahrhundert die Keramik. Diese Kunst war aber weniger
auffallend wie die Kunst der Goldschmiede. Die ersten Gefäße waren einfarbig
(schwarzgrau) von bleiglänzender Oberfläche. erst nach und nach wurde die Keramik
zweifarbig (orangefarbenes Dekor mit gelben Untergrund mit Motiven der Tempeldekoration).
Schließlich gelang den Töpfern die Herstellung polychromer Keramik. Deren
Verzierung war in Hellrot, Schwarz und Kastanienbraun mit weißem Untergrund gehalten.
Als Verzierung kamen Schädelmotive mit gekreuzten Knochen zur Anwendung, aber auch
der Jaguarkopf. Mitunter hatten die Gefäße Tiergestalt oder noch öfter
einige Gefäßteile. es setzen sich auch Schlangenköpfe auf Ständern
durch. Die Cholula-Keramik zeichnet sich durch Hochglanz aus. Für die Formen sind
kugelförmige Becher auf sehr niedrigen Füßen typisch. Auch eine lange Form
dieser Becher setzt sich später durch. Sie wird anfangs nur wenig breiter, zieht sich
dann zusammen und ist schließlich ausgeglichen. |
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