Von den Kulturen der vorzeitlichen Waldmenschen im Osten in den Vereinigten Staaten ist
nicht sehr viel bekannt. Durch die Feuchtigkeit und die großen
Temperaturschwankungen in dieser Region sind die Funde stark verwittert.
Paläo-Indianer lebten als Nomaden vor 10.000 Jahren in kleinen oder in nicht
zusammenhängenden Gruppen in den riesigen Wäldern der Ostküste und im
Mississippital und gingen der Großwildjagd nach. An diese Jäger schlossen sich
seßhafte halbnomadische Jäger und Sammler der Archaischen Periode bis 1.000
v. Chr. an. Ab 1.000 v. Chr. spricht man von einer Kultur, die sich bis 1.700
n. Chr. entwickelt hat und noch zur Zeit der Entdeckung existierte.
Die Kultur nennt man Mound Builder. Sie hat sich wahrscheinlich im Süden vom Golf von
Mexiko nach Norden bis Wisconsin - unterhalb der Großen Seen - und vom Mississippi
bis zum Atlantischen Ozean ausgebreitet. Mounds gibt es in den Vereinigten Staaten mehr als
100.000. Der Begriff ist ein Sammelwort für die Tempelpyramiden und Grabhügel.
Die meisten dieser Bauwerke - mehrere Zehntausend - sind allein im US-Bundesstaat Ohio zu
finden.
Der Ursprung des Wortes «Mound» ist nicht bekannt, das Wort mußte aber
herhalten für ein Volk eben den Mound Builder (Builder = Erbauer). Man übersetzt
diesen Begriff nicht ins Deutsche. Der Begriff »Mound« wird für alle künstlich
angelegten Erdhügel der östlichen USA angewendet.
Diese Erdhügel haben phantasievolle oder pyramidenähnliche Formen. Wenn man an
Pyramiden denkt, fallen einen gleich die Cheops-Pyramide von Gizeh in Ägypten ein.
Mit diesen sind aber nur die Tempelpyramiden der Maya und Azteken in Zentralamerika und
Mexiko vergleichbar. Die Mounds in Nordamerika bestehen auch nicht aus Stein, sondern aus
Erde und Lehm.
Diese Mounds brauchen sich aber nicht hinter den von Ägypten oder aus Zentralamerika
zu verstecken, da einige von ihnen ähnliche Ausmaße erreicht haben. Nahe
Miamisburg in Ohio erhebt sich ein Mound, der aus nicht weniger als 8.816 Kubikmeter Erde
besteht. In Ross County in Ohio - wo sich 500 weitere Mounds befinden - haben Indianer
einen Hügel aus 20.000 Wagenladungen errichtet (Mounds werden im Text weiter unten
namentlich erwähnt). Wenn man bedenkt, dass die Indianer keinen Wagen kannten und nur
ihre Hände, Körbe und Fellsäcke verwendet haben, so muß ihre Leistung
besonders hoch anrechnet werden.
Thomas Jefferson - der spätere Präsident der USA - hatte die erste
stratigraphische Ausgrabung (Schichtenausgrabung) 1781 an einem Mound im Bundesstaat Virginia
durchgeführt. Auch W. H. Harrison - der im Jahre 1810 Tecumseh am Tippecanoe
River schlug und der neunte Präsident wurde - hatte lebhaftes Interesse an den Mounds.
So kann man sich auch vorstellen, dass die ersten gelehrten Männer an den
Erdhügeln ihren Forscherdrang einsetzten. George Catlin - ein Rechtsanwalt, der acht
Jahre lang durchs Indianerland zog und z. B. Häuptlinge porträtierte -
hatte diese Mounds in seinen Stichen festgehalten. Schon Hernando de Soto, der 1539 in
Nordamerika landete, beschrieb die sonderbaren Hügel. Aber auch Grabräuber
fanden Interesse an diesen Erdhügeln. Heute sind die Mounds durch Gesetze
geschützt.
Im Osten der USA gibt es auch mehrere Mounds, die dicht beieinanderliegen und durch breite
Straßen miteinander verbunden und von runden bzw. elliptischen Straßen umgeben
waren. Einer dieser Mound-Areale befindet sich in Newark - einer Stadt 50 Kilometer von der
Hauptstadt des Bundesstaates Ohio, Columbus, in östlicher Richtung entfernt. Die
meisten dieser Mounds sind zwar zerstört, aber der Great Circle mit einem
Durchmesser von 365 Metern, auf dem sich der Adler-Mound befindet, sind erhalten
geblieben. Diese Siedlung der Vorzeit wurde von mehr als sechseinhalb Quadratkilometer
Boulevards umsäumt. Das Leben der Bewohner dieser Großstadt der Vorzeit wurden
vom Totenkult beherrscht, weshalb im Stadtzentrum wahrscheinlich Grab- und Tempelmounds
errichtet waren. Die wohl ungewöhnlichste Golfanlage der USA befindet sich auf diesen
prähistorischen Mounds. Zahlreiche Farmer von Ohio leben zwischen oder auf Mounds,
was für sie nichts besonderes ist.
Der Great Serpent Mound (= die große Schlange) - der berühmteste Mound -
in Adams County in Ohio wird der Adena-Kultur zugerechnet. Er wurde aus Erde und Lehm
erbaut und besitzt eine Länge von ca. 382 (430?) Meter, 7 Meter Breite und eine
Höhe von 1,50 bis 2 Meter. Der Mound windet sich entlang einer Biegung des Bush Creek.
Der Kopf der Schlange befindet sich am höchsten Punkt, dessen Maul geöffnet ist.
Man bezeichnet den Mound auch als Bilderhügel. Heute geht davon aus, dass dieser lange
Hügel das Sternbild Kleiner Wagen symbolisieren soll.
Der Cahokia-Mound (auch Monk-Mound = Mönch-Erdtempel) in Illinois ist der
größte Erdtempel, der 316 (330*) Meter lang, 241 (216*) Meter breit und 33
(30*) Meter hoch ist (die Cheops-Pyramide zum Vergleich ist 230 Meter lang wie breit und
146 Meter hoch). Seine Grundfläche ist 23.000 (18.000*) Quadratmeter größer
als die der Cheops-Pyramide in Gizeh. In unmittelbarer Nähe des Mounds befinden sich
100 kleine Mounds und im weiteren Abstand sind nochmals 300 Mounds errichtet worden. Das
gesamte Areal umfaßt 22 Kilometer Durchmesser und besitzt eine Fläche 380
Quadratkilometer.
Der Seip-Mound in Ross County im US-Bundesstaat Ohio ist 76 Meter lang, 46 Meter
breit und besitzt eine Höhe von 9 Metern. 99 Skelette wurden zwischen hölzernen
Grabkammern gefunden. Die Toten wurden mit einer Vielzahl von Flußperlen beigesetzt,
die einen Wert von 3 bis 4 Millionen Dollar besitzen. Ferner wurden in den Gräbern
feinste polierte Keramiken, Werkzeuge, Schmuck aus Kupfer, Silber, Glimmer und Schildpatt
gefunden.
Im Bundesstaat Mississippi befindet sich der Merald Mound mit einer Höhe von
12 Metern. Auf seinem Plateau befinden sich sechs kleine Mounds. Diese Mounds enthielten
Erkenntnisse über ihre Erbauer. Die Indianer dieser Zeit waren bereits in der Lage,
Metall (Kupfer, Silber) zu tempern. Diese Kunst hatte eine Stufe erreicht, die nie wieder
erreicht wurde - selbst in Europa erlangte sie erst viele Jahrhunderte später dieses
Niveau.
Nahe Miami in US-Bundesstaat Ohio erhebt sich der Miamisburg Mound mit einer
Höhe von 23 Metern. Der Grave Creek Mound befindet sich in Moundville in
Virginia und erreicht eine Höhe von 21 Metern.
Das Wort «Mound Builder» wird von heutigen Archäologen nicht mehr gern
verwendet, da es ein solches Volk nie gegeben hat, sondern mehrere Völkergruppen zu
verschiedenen Zeiten diese Mounds errichtet haben. Durch wissenschaftliche Untersuchungen,
die nach 1900 begannen, konnte festgestellt werden, dass die Mounds lokale Unterschiede
aufweisen. Im Norden des Mississippi-Tales sind die Mounds nicht höher als 10 Meter,
sind bucklig und wurden ausschließlich als Grabhügel benutzt - werden auch als
Burial Mounds bezeichnet. Im Süden - von St. Louis bis zum Golf von Mexiko - gleichen
die Mounds eher Pyramiden. Sie sind quadratisch oder rechteckig und oben abgeflacht.
Wahrscheinlich führte eine Treppe auf die Plattform. Oben könnten Tempel
errichtet gewesen sein, weshalb diese Mounds den Namen «Tempel-Mounds»
erhielten. Die Mounds mit tierischen Aussehen sind archäologisch schwer einzuordnen.
Ein Beispiel dafür ist der bereits erwähnte Great Serpent Mound. Weitere Formen
waren Adler, Bären, Bisons, Elche, Füchse und Schildkröten wie auch
Menschen, aber auch geometrische Formen gab es, wie Oktagone, Dreiecke und Vierecke -
diese Erdbauwerke, gibt es einmalig auf der Welt. In ihren Ausmassen konnten sie gewaltige
Dimensionen erreichen, die nur aus der Luft voll zur Geltung kommen. Sie werden in der
Archäologie als »Effigy Mounds« bezeichnet.
Eine zeitliche Einordnung war für die Archäologie kaum möglich, da die
Baumring-Datierung wegen der Wetterschwankungen über Jahrhunderte hinweg versagte.
Die Entwicklung der Mounds dauerte viele Jahrhunderte und wird in 4 Abschnitte
eingeteilt:
- Burial Mound Periode I: 1000 bis 300 v. Chr.
- Burial Mound Periode II: 300 v. Chr. bis 700 v. Chr.
- Tempel Mound Periode I: 700 v. Chr. bis 1200 n. Chr.
- Tempel Mound Periode II: 1200 n. Chr. bis 1700 n. Chr.
Die Moundsiedlungen wurden von verschiedenen Völkern bewohnt, die auch
unterschiedliche mystische Vorstellungen hatten. Im Höhepunkt ihrer Blüte
betrieben sie Ackerbau und Viehzucht, beschäftigten sich mit Handwerk und Kunst und
wurden später von primitiveren Jäger- und Fischervölkern abgelöst,
die die Mound-Siedlungen dem Urwald überließen. Zwei wesentliche
Mound-Builder-Kulturen waren die Adena und Hopewell, wobei die Hopewell die höhere
Kulturstufe erreichten.
Diese vielen Erdhügel im Osten Nordamerikas sind auch für die
Astroarchäologie sehr interessant. Schon die Menschen der Adena-Kultur erbauten ab
1.000 v. Chr. die ersten dieser Hügel. Um etwa 300 v. Chr. soll die
Adena-Kultur von der Hopewell-Kultur abgelöst wurden sein.
Fazit: Wenn man alle nordamerikanischen Mounds berücksichtigt, so haben die
Erbauer wesentlich
mehr Hügel errichtet und einen
größeren und organisierteren Arbeitsaufwand betrieben, als es in
Ägypten der Fall war.