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Die
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Hochkulturen


 

Die Muisca-Kultur


Noch mehr Achtung als schon die Tairona und Quimbaya verdient haben, muß man der Kultur des vergoldeten Königs geben - den Muisca. Die Muisca sind ein Volk der Chibcha, deren Name «Menschen» bedeutet. Ihre Kultur war höher als die anderer chibchasprechenden Völker, ebenso ihre Gesellschaftsordnung.

Die Muisca hatten zu Beginn des 16. Jahrhunderts sehr ausgedehnte Gebiete im Nordwesten von Südamerika bis hinein nach Mittelamerika in die heutigen Staaten Panama, Kostarika und den Süden von Nikaragua. Als die Spanier eindrangen, lebten die Muisca hauptsächlich im Hochland von Bogotá in 2.500 Höhe. Die östlichen Nebenflüsse des Rio Magdalena und einige Seen befinden sich in ihrem Einzugsgebiet. Wald gibt nur sehr wenig und die klimatischen Verhältnisse sind auch nicht die besten.

Der Boden ist allerdings sehr fruchtbar, was der wichtigste Faktor der Besiedlung dieser Region war. Seit ältester Zeit hatten sich hier Indianervölker niedergelassen, weshalb diese Landschaft die größte Bevölkerungsdichte im gesamten vorkolumbischen Amerika aufwies. Wenn man die Anzahl der Bevölkerung auf einen Quadratkilometer umrechnet, so waren es 60 bis 70 Menschen zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Als nun die Spanier in dieses Gebiet vordrangen, waren neun Muisca-Staaten gerade dabei sich zu entwickeln. In jedem dieser Staaten hatten sich Stammesverbände der Muisca vereinigt. Uzaque hieß das Wort für Staat in der Chibcha-Sprache. Ein jeder dieser Uzaques bewohnte ein Tal, dem 80 bis 120 Dörfer zugehörten. Ein Fürst war das Oberhaupt eines solchen Staates, der erblich dieses Amt erhielt und vom Herrscher bestätigt wurde.

Die Bauern pflanzten auf ihren Feldern neben Kartoffeln, Mais, Maniok auch Quinoa, Bataten, Koka, Tabak wie auch Tomaten an. Hunde waren die Haustiere der Muisca. Neben den Bauern gab es Handwerker, Händler und Bergleute, die allesamt als freie Muisca galten. Für die Herrscher, Fürsten, Kaziken, Offiziere und Priester arbeiteten die in Kriegen gemachten Gefangenen als Sklaven.

Stoffe und Töpferwaren wurden von den Handwerkern gefertigt. Besondere Meisterschaft erreichten die Muisca bei der Bearbeitung von Gold und Edelsteinen, wie Smaragden. Im Hochland siedeten die Muisca aus salzhaltigen Quellen Salz, welches eine wichtige Handelsware darstellte. Große Märkte wurden in Zipaquira und Turmeque im Vier-Tage-Rhythmus abgehalten, auf denen Salz, Kokablätter und Gewebe angeboten wurden. Das gewonnene Salz und die Smaragde waren wichtige Tauschobjekte im Handel mit benachbarten Völkern. Auf einer angelegten Straße wurde das Salz aus dem Hochland im Norden bis ans Meer gebracht. Für diese Handelsgüter tauschten sie vor allem Gold ein. Über die Straße drangen später die Spanier in das Land der Muisca ein.

Die oben erwähnten neun Muisca-Staaten waren zur Zeit der Ankunft der Spanier Bogotá, Chipata, Guanenta, Iraca, Saboya, Sachica, Tinjaca, Tundana und Tunja. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war der Einfluß Bogotás und Tunjas am größten. Der Herrscher des Tunja-Staates nannte sich Zake und der von Bogotá Zipa. Als die Europäer ankamen, hatte Zipa bereits 13 kolumbianische Täler unter seine Herrschaft gebracht. Durch Verträge und Verwandtschaftsehen bekam er weitere Staaten unter seinen Einfluß. Wären die Spanier einige Jahre später erschienen, so hätte der Herrscher von Bogotá alle anderen Staaten unter seinem vereint.

Ende des 15. Jahrhunderts als Saguamachica seine Herrschaft antritt, bemächtigt er sich als erstes der beiden unabhängigen Fürstentümer Fusagasugá und Tibaguy bevor er auf Konfrontation zum Staat Tunja geht. Guatavitá will sich von Bogotá loslösen, weshalb der Staat bei Tunja um Hilfe bittet. Zipa - der Herrscher von Bogotá - fordert Gehorsam und zieht mit einem Heer von 50.000 Mann gegen Tunja und seinem Herrscher Zake aus. Beide Herrscher fallen im Kampf, was keine Lösung bringt. Nemecense - der neue Herrscher von Bogotá - kann seinem Staat neue Fürstentümer einverleiben. Es kommt wiederum zum Kampf zwischen den Staaten Bogotá und Tunja. Dabei wird Nemecense tödlich verwundet. Der neue Zipa wird Tisquesesa, der abermals Vorbereitungen für einen Kriegszug gegen Tunja unternimmt. Doch diesmal kommen die Konquistadoren.

Die Herkunft des Zipa wurde vom Mond abgeleitet, stattdessen der Zake als ein Abkömmling der Sonne verehrt. Goranchacha soll die Mutter des ersten Zake gewesen sein und die Sonne der Vater. Der höchste Herrscher wurde wegen seiner göttlichen Abstammung von den Muisca verehrt. Niemals durfte man dem Herrscher in die Augen blicken. Auch empfing er nur Besucher, die ein wertvolles Geschenk für seine Schatzkammer mitbrachte. Auf Reisen wurde der Herrscher in einer Sänfte aus edlem Holz getragen. Er trug ein Gewand, welches mit Goldplättchen geschmückt war. Auf seinem Haupt thronte ein Diadem und ein kostbarer Umhang schmückte seine Schultern. Sein Palast bestand aus Holz und war mit goldenen Platten verziert. Wandmalereien und Schnitzereien vervollständigten diesen Prunk. Ein Recht des Herrschers war, eine unbegrenzte Zahl Frauen zu besitzen. Dazu mußten die Muisca ihre Töchter wenn gefordert als Steuer abgeben. Die eigentliche Steuer waren sonst landwirtschaftliche oder handwerkliche Erzeugnisse. Deshalb waren die Steuereintreiber die wichtigsten Beamten des Staates. Wer im Rückstand mit den Steuern war, wurde auf eine ganz besondere Art zur Bezahlung bezwungen. Der Steuerbeamte band an die Tür des Schuldners einen gezähmten Puma und quartierte sich selbst im Haus ein. Für jeden Tag, den er beim Steuersünder zubrachte, berechnete er einen Ballen Leinwand. Auch für das Wohl des Puma mußte der Schuldner aufkommen. Dem Herrscher oblag die Verteilung der eingetriebenen Steuern. Er dachte zuerst an sich, dann an den Adel, an die Priester und an die Offiziere.

Nach dem Tod des Herrschers, wurde der Sohn der ältesten Schwester sein Nachfolger. Sechs Jahre wurde er auf sein Amt vorbereitet. Dazu lebte er in einem Tempel, durfte kein Fleisch essen, die Nahrung nicht würzen und nur nachts den Tempel verlassen. Ihm war auch der Umgang mit Frauen verboten. Hatte er die Zeit der Vorbereitung erfolgreich bestanden, so konnte er die Herrscherwürde antreten. Die sogenannte Thronbesteigung war ein höchst feierlicher Akt, der nicht nur stattfand bei der Einsetzung des Herrschers an die Macht, sondern auch wenn der Kazike eines Fürstentums sein Amt antrat. Bei der Zeremonie wurde der nun neu einzuführende Herrscher in einer goldenen Sänfte an den heiligen See Guatavitá getragen, wo er sich auszog und mit duftenden Harz von den Priestern eingerieben wurde. Im Anschluß bestreute man ihn mit Goldstaub. Nun bestieg er mit den Priestern ein Floß und fuhr zur Seemitte, wo sie Schmuck dem heiligen See opferten. Der Thronfolger reinigte sich vom Gold und kehrte zu seinem Volk als Herrscher zurück.

Dieses Zeremonial eilte als Sage vom vergoldeten König der Muisca bis nach Europa. Im 16. Jahrhundert - genauer in den vierziger Jahren - brachen drei Expeditionen von Konquistadoren zum Lande der Muisca auf und eroberten es. Sie machten große Beute. Der wahre Goldschatz lag aber auf dem Grund des Sees. Dies lockte die Konquistadoren an. Man baute einen Kanal über dem ein Teil des Wassers abgeleitet wurde. Vom sumpfigen Grund barg man dann zahlreiche goldene Gegenstände, die heute im Museum von Bogotá gezeigt werden.

Bis heute liegen am Grund des Guatavitás goldener Muisca-Schmuck, der immer noch auf die Bergung wartet. Auch im Fúquene und im Siecha vermutet man einen Goldschatz. Die Zeremonie der Krönung hatte wahrscheinlich bei den Muisca religiösen Charakter. Von den Muisca ist nur sehr wenig ihrer Religion bekannt, so spielte die Sonne und der Mond eine besondere Rolle. Bochica war der Gott der Krieger und Könige, der den Muisca die guten Sitten, gegenseitige Achtung und Liebe brachte. Der Widersacher dieses Gottes war Chibchacum, der Gott der Goldschmiede, Händler und Bergleute.

Xeque - der Priester - leitete die religiösen Zeremonien. Ganz bedeutende Heiligtümer befanden sich in Chia, Iraca und in der Hauptstadt Bogotá, die von den Priestern verwaltet wurden. Hier fanden zu Gunsten der Götter Opferungen statt, bei denen Gold, Smaragde und Menschenopfer dargebracht wurden. Die Opfer waren Kriegsgefangene und 15- bis 16-jährige Jünglinge fremder Stämme. Das Menschenopfer wurde beim ersten Sonnenstrahl am Morgen vollstreckt. Die Priester nahmen diese Opferungen vor, wie auch wahrscheinlich die Krönungen der Herrscher.
 
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