NORDAMERIKA
Stämme nach Kulturarealen
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Die Natchez
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Die Natchez sind ein Stamm der Muskhogee-Sprachfamilie, der am unteren Mississippi
siedelte. Für die Franzosen war das Schönheitsideal dieser Indianer besonders
reizvoll. Die Natchez waren aber auch um ihr Aussehen bedacht, wie auf einen harmonisch
entwickelten Körper. Die Säuglinge wurden deshalb durch künstliche
Eingriffe der Kopf in die gewünschte Form gebracht. Auch auf ihre Haartracht legten
die Natchez großen Wert.
Die Häuser in ihren Dörfern besaßen einen viereckigen Grundriß mit
rundgewölbten Dächern. es waren auch Dörfer vorhanden, welche mit Palisaden
befestigt waren. In unmittelbarer Nähe der Dörfer erstreckten sich die Felder
dieser Bodenbauer.
Im Hauptort der Natchez überragten zwei künstliche Erdhügel, sogenannte
Mounds, die anderen Häuser. Auf dem einen der Mounds stand der Haupttempel, in dem
das heilige ewige Feuer brannte, das von zwei Männern bewacht wurde. Der andere
Mound war der Herrschersitz. Er wurde als »Große Sonne« bezeichnet, dem große
Verehrung zuteil kam und außergewöhnliche Rechte besaß. Bei den Natchez
wurde ein ausgeprägter Sonnenkult gepflegt und nach den Vorstellungen dieses
Stammes war der Herrscher der Bruder der Sonne. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang trat der
Herrscher aus seinem Haus auf den Mound um seinen Bruder - die Sonne - den Weg zu weisen,
den dieser von Ost nach West nehmen sollte. Er war für seinen Stamm selbst ein Gott,
für den die Priester einen Kult pflegten. Es waren wirkliche Priester schon nicht
mehr Zauberer oder Schamanen. Die Natchez glaubten auch, das die »Große Sonne« nach
dem Tod wieder gen Himmel fuhr, um dort für sein Volk zu sorgen. Für das Volk
der Natchez war der Tod des Herrschers eine Tragödie. Einige Indianer töteten
ihre Frau, Kinder und sich selbst, um der »Großen Sonne« ins Jenseits zu folgen, um
ihm weiterhin dienen zu können. Wurde die »Große Sonne« hingegen ein
Nachfolger geboren, suchten die Familien der Natchez unter ihren Neugeborenen die aus,
die einmal ihren neuen Herrn dienen sollten. Der Herrscher lenkte die eschicke seines
Stammes, erließ Gesetze und war der Herr über Leben und Tod. Der »Großen
Sonne« stand ein beratender Ausschuß, der aus lokalen Oberhäuptern bestand,
zur Seite. Er ernannte auch die Hauptwürderträger, wie zwei Befehlshaber
für den Krieg, zwei Beauftragte, die in seinem Namen Kriege erklärten und
genauso Frieden schlossen, vier Zeremonienmeister, die für die Hauptfeste
verantwortlich waren und zwei Beamte für das öffentliche Arbeiten.
Die »Große Sonne« unterschied sich von den anderen Privilegierten seines Volkes
durch eine Krone mit den schönsten Vogelfedern und einen prachtvollen Federumhang.
Untertanen empfing die »Große Sonne« auf einem mit Hirschleder ausgelegten Lager
und auf Kissen aus Federn liegend. Wenn er seine Dörfer bereiste, wurde er in einer
Sänfte getragen, damit er als Herrscher und heiliger Mann nicht die bloße Erde
berühren sollte. Auch die Söhne der Schwester der »Großen Sonne« genossen
besondere Verehrung, denn auch sie gebührte die Bezeichnung »Große Sonne«.
Kleine Sonnen waren alle anderen Mitglieder der Königssippe.
Neben der »Großen Sonne« gab es bei den Natchez eine zwei Klassengesellschaft -
Adlige und Gemeine. Der Adel wurde nochmals in drei Stufen geteilt. An der Spitze stand
die »Große Sonne«. Als erste Stufe folgten die Sonnen, dann als zweite Stufe
(mittlere Aristokratie) kamen die Edlen und als dritte Stufe (untere Aristokratie)
schlossen sich die Geachteten an. Die Gemeinen wurden als Stinker (Michmichgupi)
bezeichnet. Diese konnten aber in den Adel einheiraten, ohne selbst geadelt zu werden.
Die »Große Sonne« war der oberste Häuptling und hatte oberste Gewalt über
Leben und Tod. Wenn er starb, wurden alle seine Frauen hingerichtet. Aber nicht nur die
»Große Sonne« entschied über Leben und Tod, sondern jeder Angehörige
der Königssippe konnte die Todesstrafe verhängen, sofern der Verurteilte nicht
dem Geschlecht der »Sonnen« entstammte.
Die Natchez waren Ackerbauern, die Mais, Kürbisse, Melonen, Sonnen blumen, Tabak und
Hirse in großen Mengen anbauten. Sie kannten vor Ankunft der Weißen als
Haustier nur den Hund. Sie übernahmen sehr schnell von den weißen Einwanderern
das Pferd, das Rind, das Schweinund cdas Geflügel. Um ihre Dörfer pflanzten die
Natchez in Obstgärten Pfirsiche und Feigen an. Sie gingen auch zur Jagd und betrieben
Fischfang. Als Kleidung trugen sie den Lendenschurz und nur wenig mehr. Eine große
Rolle spielt bei den Natchez der Krieg, er bestimmte aber nicht ihr Leben. Gefangene
wurden auf grausamste Art gemartert.
Bis 1716 vertrugen sich die Natchez mit ihren französischen Nachbarn bis ein Siedler
an der Stelle eines Natchez-Dorfes seine Farm bauen wollte und sie gewaltsam umgesiedelt
werden sollten. Daraufhin metzelten die Natchez die gesamte Besatzung eines Forts nieder.
Die Franzosen und indianische Söldner rotteten nun die Natchez fast völlig aus.
500 Gefangene wurden nach Westindien verkauft. Überlebende fanden in anderen
Muskhogee-Dörfern Zuflucht.
Vermutlich waren es die Natchez, die an die rätselhaften Mounds der
Mississippi-Kultur anknüpften. Aber seit dem 18. Jahrhundert gehören die Mounds
der Natchez, auf denen der Palast der »Großen Sonne« und der Tempel des ewigen
Feuers standen, der Vergangenheit an, wie die Mounds der Mississippi-Kultur. | |
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