1934 wurde am Lindenmeier Site - benannt nach dem Besitzer des Geländes - im Norden
von Colorado ein prähistorisches Lager von Paläo-Indianern entdeckt, welches
wesentlich mehr Aufschlüsse über die Kultur der Folsom-Leute brachte als der
Ort Folsom in New Mexico. An dieser Stelle hatten mehrere Jahre lang Paläo-Indianer
gelebt. In der Wirbelsäule eines Bison antiquus fand man eine Speerspitze des Typus
Folsom. Neben diesem Fund wurden in fünf Jahren archälogischer Arbeit etwa 6.000
Steinwerkzeuge und anderes gefunden.
Feuersteinmesser, Hackmesser, geschliffene Knochenspitzen, schwere Steinhämmer, Ahlen
aus Knochen und sorgfältig geschnittene Knochenscheiben waren gefundene Gegenstände
dieser Grabung. Mit der Radiocarbon-Methode konnte ein Alter von 8820 Jahren ermittelt
werden.
Lindenmeier Site ist heute eine trostlose wie auch trockene Landschaft. Die Jäger
der Paläo-Indianer kamen wahrscheinlich zu einer bestimmten Jahreszeit an diesem Ort,
um zu jagen. Geologen konnten beweisen, dass vor etwa 10.000 Jahren diese Region feucht und
fruchtbar war.
Bei Clovis in New Mexico nahe der texanischen Grenze wurden 1932 Speerspitzen gefunden, die
sich deutlich vom Typus Folsom unterschieden. Edgar B. Howard von der University of
Pennsylvania Museum - später John L. Cotter - suchten an längst ausgetrockneten
Seen nach weiteren Waffen der Frühen Jäger. Sie fanden zwischen den Rippen der Tiere die
gesuchten Objekte - bearbeitete Steinspitzen. 1949 - 51 fanden erneut Ausgrabungen statt, die
zutage brachten, dass der Clovis-Point älter als der Folsom-Point sein mußte.
Geologen bestätigten diese These und errechneten ein Alter von maximal 13.000 Jahren. Damit
kam Clovis noch vor Sandia und Folsom. Archäologen geben aber zu bedenken, dass sich alle
drei Kulturen zeitlich überlappt haben könnten. Mehr Funde könnten neue
Erkenntnisse bringen.
Wie bereits im Kapitel «Sie besiedelten Amerika» geschrieben wurde, so wurden unter
der Leitung von Peter Mehringer in einem Apfelbaumgarten bei East Wenatchee im Bundesstaat
Washington 1988 vierzehn gekehlte Speerspitzen vom Typus Clovis ausgegraben. Sie bestehen aus
fast durchsichtigen Quarz und besitzen die für Clovis-Spitzen ungewöhnliche Länge
von 22 Zentimetern (sonst übliche Länge der Clovis-Spitzen 9,5 Zentimeter). Im Umkreis
von nur 2 Quadratmetern fand man weitere Clovis-Spitzen von normaler Größe. All
diese geborgenen Relikte lagen unter einer Vulkan-Aschenschicht, die bei der Eruption des
Glacier Peak (British Columbia) vor 11.250 Jahren zugedeckt wurden waren. - Schlußfolgerung
daraus: Die ausgegrabenen Fundstücke müssen also noch älter sein.
Aus Naco Site in Arizona stammt ein Fund eines Schulterblattes, Rückenwirbel und Rippen eines
Mummuts. Dazwischen wurden fünf Speerspitzen entdeckt, die das Tier getötet haben
müssen. Emil W. Haury hatte diese Fundstelle mit Relikten aus längs vergangenen
Zeiten 1952 systematisch erforscht.
18 Kilometer nordwestlich von Naco Site wurden 1955 am San Pedro River weitere riesige Knochen
entdeckt. Neben zwölf Mammutskeletten und Resten von Bisons, Pferden und Tapiren förderte
Haury noch 13 Clovis Points und 8 Steinwerkzeuge zutage und legte zwei Feuerstellen frei.
Die Relikte der ersten Fundstelle wurden von Geologen auf 10000 bis 13000 Jahren geschätzt, die
der zweiten sogar zwischen 10000 und 15000 Jahren. 9000 bis 13000 Jahre ergab die Datierung der
Radiocarbon-Methode.
Gab es schon frühere Jäger ? Dies ist wohl die wichtigste Frage der Archäologen.
Mehrere Grabungen von verschiedenen Archäologen zwischen 1933 und 1955 in Tule Springs im
südlichen Nevada brachten neben Knochen auch Obsidian-Abschlag, der beim Gebrauch von
Werkzeugen entsteht, zum Vorschein. Willard F. Libby, der die C14-Methode
entwickelte, untersuchte die Proben einer Feuerstelle und datierte sie auf 23000 Jahre. Eine
erneute Messung der Feuerstelle - einige Jahre später - erhöhte sogar das Alter auf
26000 bis 28000 Jahre.
1962/63 wurde erneut eine Überprüfung durchgeführt, diese brachte aber ein
ernüchterndes Ergebnis - nämlich nur 9200 bis 8000 Jahre v. Chr. Erste Ergebnisse
waren durch Vermischung der Materialien zustande gekommen.
Über das erwähnte Beispiel Santa Rosa Island beim Thema
«Sie besiedelten Amerika» finden Sie hier weitere Informationen.
Auf der Insel Santa Rosa Island - so ist auch der Fund benannt - 72 Kilometer vor der
südkalifornischen Küste wurden sensationelle Funde gemacht. Erste Frage die sich hier
fast von selber stellt, ist: Wie kam der Mensch auf diese Insel? Hier halfen den Archäologen
die Geologen, die beweisen konnten, dass während der letzten Eiszeit der Wasserspiegel viel
niedriger gelegen hat. Die Distanz zur Insel war somit auf weniger als drei Kilometer zusammen
geschrumpft und damit konnten die frühen Menschen mit einem Baumstamm oder Floss die Strecke
mühelos bewältigen. Hunderte von Resten einer Art Zwerg-Mammut wurden hier gefunden,
die regelrecht hingeschlachtet wurden waren. Vielleicht waren sie leicht jagdbar gewesen. Die
Radiocarbon-Methode konnte das stolze Alter von 29650 Jahren datieren - jedoch mit einem
Unsicherheitsfaktor von etwa ± 2500 Jahren. Zahlreiche Archäologen haben Skepsis, was
das hohe Alter betrifft.
Zwischen den Jahreszahlen der Frühen Jäger und der Neuzeit befinden sich noch zahlreiche
Lücken, die von Archäologen noch beantwortet werden müssen. Bekannt ist heute, dass
der Mensch - der Homo sapiens - in mehreren Einwanderungswellen den amerikanischen Kontinent nach
und nach bevölkert hat. Als sich das Klima vor 10000 Jahren änderte, die Gletscher
zurückgingen und das Großwild ausstarb, mußten sich die Menschen den
veränderten Bedingungen anpassen. Bestimmt hatte der Mensch sich nicht nur vom Wild
ernährt, sondern auch von Beeren, Früchten, Samen, Nüssen und Wurzeln. In den
folgenden Jahrtausenden kam neben der Jagd auch das Sammeln hinzu. Die Völker wurden
seßhafter und suchten in der schlechten Jahreszeit Höhlen als Zufluchtsstätte auf.
Abfallhaufen vor den Eingängen der Höhlen geben heute ihre Geheimnisse preis, die mit
Hilfe der Radiocarbon-Methode untersucht werden. Ein Beispiel dieser Höhlen ist die Danger
Cave, eine Höhle in Utah westlich des Großen Salzsees. Sie befindet sich in einer
Höhe von 1314 Metern über dem Meeresspiegel und wurde von Menschen erst nach der
letzten Eiszeit - als sich der Wasserspiegel des Gletschersees gesenkt hatte - aufgesucht. Die
älteste Spur menschlichen Lebens, die man hier fand, ist vor 11000 Jahren hinterlassen
worden. Ein Lagerfeuer war eins der Forschungsobjekte. Aus einer vier Meter tiefen
Ablagerungsschicht konnten Flechtwerke und Korb-Framente geborgen werden - ebenso Tausende von
flachen Mahlsteinen.
Im Staate Oregon wurden im Fort Rock Cave von L. S. Cressman über hundert aus
Sagebrush-Rinde (ein nordamerikanischer Salbeistrauch) geflochtene Sandalen entdeckt, die ein Alter
von 9000 Jahren vorzuweisen haben. Bei weiteren Grabungen konnte Jesse D. Jennings von der
University of Utah in den Schichten Relikte finden, die bis 1400 v. Chr. zurückreichen.
Bei der Freilegung verschiedener Schichten in der Ventana-Höhle in Arizona förderten
Wissenschaftler Relikte zutage, die für die nordamerikanische Archäologie von
größter Bedeutung sind. Schon zehn Zentimeter unter dem Höhlenboden konnten mehrere
gut erhaltene Mumien ausgegraben werden, die aus der Zeit 950 n. Chr. stammen. Eine der
Mumien war die eines Hohokam-Mannes in mittleren Jahren. Über 40 Begräbnisse hatten
in der Höhle stattgefunden, die eine Unmenge an Relikten zum Vorschein brachten. 31000
Keramikstücke, 11000 Steinwerkzeuge und 1900 bearbeitete Knochen-, Horn- und Muschelerzeugnisse
wurden freigelegt. Die Auswertung und Datierung dauerte entsprechend. Zum Schluß konnte
festgestellt werden, dass die Ventana-Höhle - Ventana Cave - schon vor 11000 Jahren
Zufluchtstätte des Homo sapiens gewesen war. Einst herrschte im Gebiet der Höhle eine
üppige Fauna und Flora, zudem konnten Sonnenstrahlen in die Höhle eindringen und sie
erwärmen. Ideale Voraussetzungen für die Nutzung der Ventana-Höhle durch den
Menschen.
Eine der interessantesten Ausgrabungen unternahm Mark R. Harrington 1929 in der Höhle
Gypsum Cave in Nevada - 26 Kilometer von Las Vegas entfernt. Das erste was er fand, war ein enormer
Haufen von Koprolithen (fossile Exkremente: Kot) eines Pflanzenfressers. In der 91 Meter langen
und in fünf Kammern unterteilten Höhle konnte nur ein Faultier gehaust haben. Harrington
fand auch die Reste des Tieres - den Schädel, die Klauen und Reste des strähnigen,
rötlichen Haares. Menschen hatten das Tier getötet. Man fand ihre Speerspitzen von
rhombischer Form mit kurzem, spitz zulaufenden Stiel. Nach dem Fundort wurden sie Gypsum Points
genannt. Von historischer bis in heutige Zeit wurde die Höhle aufgesucht. Der älteste
Faultierdung konnte auf 10445 ± 250 Jahre datiert werden und der jüngste auf 8527
± 250 Jahre. Paläo-Indianer, Basket Maker und Paiute-Indianer waren Besucher der
Gypsum Cave gewesen.
Literatur:
C. W. Ceram, Der erste Amerikaner, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, August 2001