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Die
Indianer
Nordamerikas
 
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Geschichte ab Kolumbus


 

Reservationen


Nordamerika wurde nach der Entdeckung durch Kolumbus von zahlreichen Volksgruppen (Engländer, Franzosen, Deutsche...) besiedelt. Immer mehr einströmende Siedler brauchten Raum, so entstanden Städte. Industrie entwickelte sich, die ebenfalls Platz benötigte. So schritt die Regierung der USA zu drastischen Mitteln, um den immer größer werdenden Landhunger zu stillen. Sie holte sich das Land von den Ureinwohnern, die nun begannen um ihre Lebensweise zu kämpfen. Es kam zu Indianerkriegen, die von 1790 bis 1891 mehr als 400.000 Eingeborene das Leben kostete. Hunderttausende starben an Seuchen. Nach und nach wurde so das Land von den Indianern entvölkert. Die Überlebenden wurden im Auftrag der Regierung in Landstriche getrieben, die als wirtschaftlich unbedeutend angesehen wurden. Der Boden war unfruchtbar. Hier entstanden die Reservationen. Brauchte man dieses Land trotzdem noch, eignete man es sich durch Vertragsbrüche an. Die Stämme wurden umgesiedelt und erhielten noch kargeres Land. Diese Politik der Regierung brachte im 18. und 19. Jahrhundert den Indianern großes Leid bei.

Reservationen (auch Reservate) sind Schutzgebiete. In den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada sind es die Wohngebiete der Indianer. Sie erhielten sie von beiden Regierungen als Eigentum, welches unverkäuflich war. Im Jahre 1786 wurden die ersten Reservate in den USA eingerichtet. Verwaltet wurden sie vom Innenministerium in Washington und vom Office of Indian Affairs (Büro für Indianer-Angelegenheiten). Ein Indianer-Kommissar leitete es. Sogenannte Indianer-Agenten lebten im Reservat in den Indianer-Agenturen und waren Kontaktmann zwischen der Regierung und den Indianerführern.

Da aus Europa immer neue Einwanderer nach Amerika kamen, wurden die Reservationen im Laufe der amerikanischen Geschichte immer kleiner - manchmal auch aufgelöst. Verantwortlich dafür waren die Eisenbahngesellschaften und skrupellose Grundstücksspekulanten, aber auch die Siedler, Abenteurer und Goldsucher. Sie setzten sich einfach über die mit der Regierung geschlossenen Verträge hinweg. Ein weiterer Grund war die Unwissenheit für die Lebensbedingungen der Indianer.

Die Prärie-Stämme sollten ihr Tipi aufgeben und stattdessen Hütten bauen und statt zu jagen Ackerbau treiben. Für die stolzen Krieger war Feldarbeit Frauenarbeit. Entwürdigend war auch sich wie die Weißen anzuziehen und sich die Haare zu schneiden.

Oklahoma war das große Indianer-Territorium. In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde es entgegen der geschlossenen Verträge zur Besiedlung durch die Weißen freigegeben. In Kanada wurden die Indianer gleichberechtigte Bürger und die Reservationen blieben unangetastet.

Reservationsland war nicht gleich Indianerland. 25 Prozent der 258 in den USA existierenden Reservate sind Land über das die Regierung entscheiden kann, Land was sie an weiße Farmer und Konzerne verpachtet. Die Firmen können ihr Pachtrecht an andere Firmen weitergeben - so z. B. für den Bau von Straßen, für die Errichtung von Kraftwerken und für die Ansiedlung weiterer Industrie. Es gibt kein Bundesgesetz in den USA, welches die Wiederinstandsetzung einer Landschaft, die durch Bergbau zerstört wurde, regelt.

Als man feststellte, dass sich auf den Reservationsgebieten zahlreiche Bodenschätze befinden, begann eine Kampagne, um die Reservate zu entvölkern. Kohle, Öl, Uran und seltene Minerale waren entdeckt wurden, die wichtige Bodenschätze für die Wirtschaft und Industrie darstellen. Man versuchte unter der Regierung Eisenhovers das Indianer-Problem endgültig zu lösen, in dem man die Indianer durch Umsiedlung und Integration in die Städte locken wollte. Für diese Angelegenheit war der BIA zuständig. Den Lebensstandard auf den Reservationen niedrig zu halten unterstützte diese Politik.

In Oklahoma wurden in den 50er Jahren große Kohle- und Ölvorkommen entdeckt. Das BIA unterstützte die Konzerne, in dem er falsche Informationen an die Stammesräte weitergab und große Entschädigungen in Aussicht stellte. Die meisten Gelder erhielten die Stämme - welch Zufall, aber auch das BIA.

Auf dem Gebiet der Northern Cheyenne-Reservation in Montana wurden 1966 große Kohlevorkommen entdeckt - ebenso in Wyoming und Dakota. Elektrizitätsgesellschaften interessierte diese Vorkommen. Cheyenne und Crow waren die betroffenen Stämme.

Das extremste Beispiel für die Ausbeutung von Indianerland durch Konzerne ist die Pine Ridge Reservation in South Dakota. Von 9 Millionen Acre Land sind 3 Millionen übriggeblieben und dies ist überwiegend Prärieland. 25 Prozent davon ist für 50 Jahre an Weiße verpachtet wurden. 270 indianische Familien teilen sich den Rest des Landes, auf dem sie Ackerbau und Viehzucht treiben. Der Boden ist aber so mager, dass er nicht optimal genutzt werden kann - geschweige denn Gewinne erzielt werden.
Als man das Land gemeinsam bewirtschaften wollte, um bessere Ergebnisse zu erreichen, lehnte das BIA die Gelder für Landmaschinen und für das Vieh ab. 11.350 Oglala-Sioux leben in dieser Reservation, 50 Prozent sind arbeitslos und nur 1.500 von ihnen haben ein geregeltes Einkommen. 70 Prozent der Familien leben in menschenunwürdigen Behausungen. Da das Geld hinten und vorne nicht ausreicht, wird oft der Elektrizitätsanschluß gesperrt - auch im Winter. In dieser Situation kommt es oft zu Delikten.

Es gibt aber auch Beispiele, wo Hoffnung nach 100 Jahre Niedergang aufkeimt.

Mitten zwischen Pinienhainen und Maisfeldern erhebt sich im Oneida-Reservat im Bundesstaat New York ein vierstöckiges Spielcasino - das Turning Stone Casino Resort. Der Chef und gleichzeitig der Generaldirektor ist Ray Halbritter - ein Indianer des Oneida-Stammes. Die New York Times nannte ihn einmal den gefährlichsten Krieger aller Zeit, da er es verstanden hat, die Weißen mit den eigenen Mitteln zu schlagen - und zwar mit Geld und akademischer Bildung. Sein Geschäftserfolg basiert auf der Gesetzeslage in den USA, dass den Indianerreservationen weitgehende Autonomie garantiert. Waren können steuerfrei angeboten werden wie auch die Vergabe von Spiellizenzen.

Sonst in den USA verboten, entstehen in den Reservaten Kasinos und Bingohallen, die den Indianern wichtigste Einkommensquellen sind. Die Oneida verdienen an Roulett und Blackjack mehrere hundert Millionen Dollar im Jahr. Aber die Oneida wollen nicht nur durch Kasinos verdienen, sondern sie wollen ihre Jagdgründe zurück. Im 18. Jahrhundert waren es noch 120.000 Hektar, knapp 100 Jahre später nur noch 13 Hektar. 5000 Hektar konnten sie mittlerweile zurückkaufen, fordern aber 100.000 Hektar ihres ehemaligen Stammesgebietes in einer der größten Landklagen. Sie haben gute Chancen, dies zu erreichen.

Heute (2000) sind 556 Stämme und Gruppen anerkannt. Knapp 2 Millionen Indianer leben in den USA - ein Drittel von ihnen in Reservationen. 370 Verträge, die zwischen der Regierung und den Indianern abgeschlossen wurden, regeln Gesundheits- und Sozialversorgung, die Zahlung von Renten und Dienstleistungen an die Indianer in den Reservationen. 351 meist kleinere Flecken sind Indianerterritorium.

Egal wo die indianische Bevölkerung heute wohnt - in Reservaten, unter den Weißen in den Städten oder in ihren Pueblos - oft scheitern sie an den Bedingungen der amerikanischen Gesellschaft - so dass sie keine Indianer mehr seien wollen. Hier einige Gründe aufgezählt:

- Ungefähr ein Drittel leben unterhalb der Armutsgrenze (13 Prozent im Durchschnitt in den USA).
- Ein Drittel verlassen die Schulen ohne einen Schulabschluß.
- Jeder sechste Jugendliche versuchte sich das Leben zu nehmen - also Suizid
  gefährdet (4mal so hoch als sonst im Durchschnitt in den USA)
- Jeder vierte der Indianer an den Hochschulen ist alkoholgefährdet
- Ein Drittel aller Indianer sterben vor Erreichung des 45. Lebensjahres an
Krankheiten, die mit Alkohol verbunden sind (fast 5mal höher als im Durchschnitt).

Im Navaho-Reservat im Südwesten der USA - ein Gebiet fast so groß wie Bayern - gibt es positive wie auch negative Beispiele. Auf diesem Gebiet leben 170.000 Navaho, damit ist der Stamm der größte der USA. Sie kontrollieren ihr Reservat in Eigenregie. Auf dem Territorium des Reservats gibt es Schulen, Krankenhäuser, eine eigene Feuerwehr wie auch Polizei. Die Regierung überweist jährlich Zuschüsse, sonst kümmert sich nur das FBI um die Navahos, wenn es Verbrechen gibt. Die Hauptstadt der Navaho ist Window Rock. Sie besteht aus zahlreichen Sozialbauten, aus einigen Buden und anderen Gebäuden. Die Stadt liegt in einem Talkessel. Arbeitslose säumen die Supermärkte. Alkohol ist verboten, weshalb man ein Gebräu aus Wasser und Haarspray für 2 Dollar trinkt. Der Rausch tritt nach wenigen Schlucken ein. Dieses Gemisch ist gesundheitsschädlich, aber woher das Geld für lizenzierten Alkohol nehmen, den es erst 10 Kilometer von der Stadt entfernt gibt.

Nicht in den Städten leben die meisten Navaho, sondern in ländlichen Gegenden. Sie leben in Wohnwagen und züchten Pferde und Schafe, bauen Mais und Kürbis an und weben ihre schönen Teppiche. Die Navaho haben zwar kaum Geld, ihr Reichtum ist ihre Herde. Auch als reich gelten jene, die Rituale beherrschen.

Der Stamm der Navaho hat die Organisation selbst in die Hand genommen. Die staatlichen Zuschüsse werden zielgerichtet eingesetzt. Sie gehen an verarmte Familien, um ihnen einen Neuanfang aus eigener Kraft zu finanzieren. Betroffene und Sozialarbeiter stellen gemeinsam einen Plan auf, der ihnen aus der Not hilft. Sie erhalten Weiterbildungen, Entschuldung und Entziehungskuren, um sie aus der sozialen Abhängigkeit zu führen. - Jetzt erst fließt das Geld.

Ein jeder Navaho kann in der Reservation bleiben. Hier können sie Navaho sprechen und an allen traditionellen Zeremonien teilnehmen. Nur wenn sie Werkzeuge benötigen, müssen sie in die Welt der Weißen. Auf diese Weise können sie eine Form von Würde spüren, die ihnen der Staat schon lange versagt. Sie können leben, wohnen, sprechen und ihren Glauben bewahren, wie ihre Ahnen.



Warum das BIA so wie oben beschrieben reagiert, liegt einfach daran, dass es dem Innenministerium untersteht, an das wiederum Abteilungen für Bergbau, Stromversorgung, Wasserkraft... angeschlossen sind.

Zwischen dieser Seite und der Seite 20. Jahrhundert variieren die Zahlen. Auf letztgenannter Seite sind die Zahlen von 1972 und hier - auf dieser Seite - sind die Zahlen aus dem Jahre 2000.
 
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