Die ersten sogenannten «Indian Survival Schools» wurden 1969 gegründet.
Dies geschah aus Protest gegen die Schulen des Bureau of Indian Affairs und gegen die
öffentlichen Schulen, da diese versuchten und es auch heute noch tun die
Indianer-Kinder zu assimilieren. Man wollte auch die Kinder in die amerikanische
Gesellschaft eingliedern. Dafür sollten sie ihr indianisches Erbe ablehnen, die
europäischen Maßstäbe beigebracht bekommen und als ihre neue
Intensität übernehmen.
Sollten die indianischen Eltern und der Stamm dies zulassen oder nicht? Die Indianer
gründeten die «Indian Survival Schools» und nahmen die Erziehung ihrer
Kinder in die eigene Hand. Der Grundgedanke der Schule basiert auf einander zu lieben,
zusammen beten und auf den Stolz der Indianer. Das wichtigste was vermittelt wird, ist
das Überleben der Rasse und das Überleben des Volkes.
Schulen entstanden in Minneapolis, Rapid City, Milwaukee, Denver und in einigen
Reservationen in Montana, Minnesota und South Dakota. Auch Eigenständigkeit und
Selbstbewußtsein gehören zum Ziel der Survival School ebenso das Lesen,
Schreiben und Rechnen. Noch höhere Lernziele sind Liebe und Respekt. Ein weiterer
Gedanke ist das Selbstgefühl, dass das Lernen erleichtert. Fächer in den
Schulen sind indianische Geschichte, Kunst, Religion, Ökologie und die Erlernen von
Gesetzen.
In Oakland gibt es seit einigen Jahren Vorschulen für indianische Indianer.
100 Kinder werden in der Native American Parent Preschool unterrichtet, die von den
Eltern gegründet wurde. Öffentliche Schulen unterstützen das Projekt.
Indianische Lehrer und Eltern ermöglichen es, dass ihre Kinder stolz auf ihr Erbe
sind. Sie lernen die Geschichte ihres Stammes und werden in indianischen Handarbeiten
ausgebildet. Grundschullehrer werden ausgebildet, die die indianischen Kindern
unterrichten. Oakland wurde auf die Bedürfnisse der indianischen Kinder durch die
Vorschule aufmerksam gemacht.
Der Staat unterstürtzt Survival Schools finanziell, aber nur mit geringen Mitteln.
Materielle Hilfe ist deshalb notwendig bzw. dringend erforderlich.
Eines der größten Hindernisse, um die indianischen Kinder auf
euro-amerikanischen bzw kanadischen Standard zu bringen, war die Verwurzelung im
Stammesleben. Deshalb wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts gewaltsam die Politik der
Zivilisation durchgesetzt. Um die Indianer-Kinder an die Welt des weißen Mannes
anzupassen, wurden sie zum Teil im Alter von vier Jahren von ihren Familien getrennt und
weit entfernt von den Reservaten in Internate geschickt. Eltern, die sich
weigern wollten, wurde gedroht die Essensrationen zu kürzen. Die Reservatspolizei
hatte die Aufgabe versteckte Kinder zu finden und abzuführen.
Acht bis neun Monate waren die Kinder von ihren Eltern getrennt. Alles was an
Stammeskultur vorhanden war, wurde entfernt und die Werte und Verhaltensnormen der
weißen Kultur hervorgehoben. Verstöße gegen diese Normen wurden schwer
bestraft. So mußte ein Bettnässer den ganzen Tag seine Matratze hinter sich
herziehen oder wer seine Muttersprache oder Stammesriten ausübte, mußte
stundenlang auf den Zehenspitzen stehen und die Arme über den Kopf ausstrecken.
Mädchen, die nicht folgten, erhielten von ihren Klassenkameraden Prügel.
War ein Schuljahr zu Ende, so schickte man die Kinder in euro-amerikanische Familien,
wo sie die englische Sprache vertiefen konnten und sich die christlichen Werte
einprägen sollten. Manche Kinder sahen mehrere Jahre ihre Eltern und Familie nicht.
1879 errichtete Captain Richard Henry Pratt das erste Internat in verlassenen
Militärbaracken in Carlisle im Bundesstaat Pennsylvania. Der Captain forderte
weitere solcher Internate wie seins, um die Kinder schnell in die weiße
Gesellschaft einzugliedern.
Die indianischen Kinder wurden auch zum Kochen, Nähen, Saubermachen, Waschen,
Ackerbau... herangezogen, da die Regierung nicht genügend Geld wie auch Personal
zur Verfügung hatte. An manchen Orten verbrachten die Kinder mehr Zeit für
diese Arbeiten als zum Lernen. Das Leben in diesen Baracken verlief meist im armeeartigen
Drill. Der Erfolg der Carlisle Indian School hatte zur Folge, dass weitere Internate
und Schulen entstanden. Um die Jahrhundertwende - um 1900 - gab es 81 Reservationsschulen
und 25 Internate. Manchmal lagen die Internate auch nahe den Reservaten, doch der Kontakt
zu den Verwandten wurde nicht erlaubt.
Das Motto dieser Schulen und Internate war «Töte die Indianer und rette den
Menschen».