Sho-Sho-ni bedeutet gleich Grashüttenbewohner oder Snakes = Schlangen. Der Begriff
»Schlange« hatte aber nichts mit dem Reptil, sondern mit den Schlangenlinien in ihrer
Zeichensprache zutun. Die Shoshoni sind eine eigene große Sprachfamilie, welche
im Nordwesten genauer gesagt in der Felsengebirgsregion Nordamerikas lebten. Die
Sprachfamilie gehört zur shoshonischen Untergruppe der uto-aztekischen Sprachfamilie.
Im 19. Jahrhundert lebten die nördlichen Shoshoni im östlichen und
südlichen Idaho, im Nordosten von Utah und im Westen von Wyoming. Die westlichen
Shoshoni, auch Diggers genannt, konzentrierten sich im mittleren und westlichen Idaho,
in Nevada, im Nordwesten von Utah und in einem kleinen Landstrich im Tal des Todes in
Kalifornien. Außer Digger gab es noch die Boise, Box Elder, Bruneau, Green River
Snake (Snake, Kogohue), Lemhi (Agaiduka), Pohogue, Sherry-dika, Tosawi, Tukadka, Wind
River und Koso (Panamit). Die nördlichen Shoshoni waren die ersten Indianer der
nördlichen Rocky Mountains, welche Pferde züchteten und sie im Tauschhandel den
Crow, Flathead, Couer d' Alenes und Nez Percé anboten. Die Shoshoni sind verwandt mit den
Gosiute, Ute, Paiute und Bannock. Zwischen Mitgliedern der Stämme gab es schon immer
Mischehen. Die Stämme des Großen Becken waren technologisch am wenigsten
entwickelt und ihre Kultur glich zur Zeit der Entdeckung die einer Steinzeit-Gesellschaft.
Für die Jagd verwendeten die Shoshoni Pfeil und Bogen, Speer und eine unförmige
Kriegskeule. Ihre Nahrung bestand aus gesammelten Beeren, Wurzeln und Kleinwild.
Die Shoshoni wurden berühmt durch eine ihrer Indianerinnen mit Namen Sacajawea, die
der Lewis- und Clark-Expedition (1804 - 1805) als Führerin diente und sie somit
durch ihre Kenntnisse vor dem sicherem Hungertode bewahrte. Der Häuptling Washaki
unterzeichnete 1868 im Fort Brigde einen Vertrag, der den Shoshoni erlaubte, in die Wind
River-Reservation in Wyoming zu ziehen, wo sie vor blutigen Überfällen durch
die Arapaho, Blackfoot, Cheyenne und Dakota Schutz fanden.
Die Nachfahren des Stammes leben noch heute in vielen kleinen und verstreuten Reservaten
in ihren alten Gebieten. Im Jahre 1985 wurden noch 2.000 Stammesangehörige in
verschiedenen Reservationen registriert.
Die West-Shoshoni als Jäger und Sammler
Die Shoshoni sind ein Stamm des Großen Beckens, wo das Leben unter besonders
ungünstigen und extremen Verhältnissen stand. Im Gebiet, in dem die Shoshoni
lebten, gab es viele Übergänge zwischen Steppe und Wüste und nur die
höheren Lagen waren bewaldet. Die Shoshoni nutzten alle Nahrungsquellen, die sie
erreichen konnten. Die Samen verschiedener Gräser wurden vor allem genutzt, aber
auch Kleingetier - die den Eiweißhaushalt des Körpers aufwerteten, da Rotwild
und Antilopen nur in größeren zeitlichen Abständen gejagt werden konnten.
Im Gebiet der West-Shoshoni waren die natürlichen Nahrungsquellen weit verstreut
und zwischen diesen Standorten lagen für die Nahrungsgewinnung wertlose Gebiete.
Da die Niederschläge in jedem Jahr an unterschiedlichen Orten niedergingen, war
nicht vorhersehbar wo es reichliche Nahrung geben würde. Außer Pinonsamen und
Kaninchen war die Wildnahrung nur sehr gering. Die Grassamen mußten wähend
der Reife gesammelt werden, sonst waren sie als Nahrung verloren.
Die Nahrungsmittel wurden nur mit einfachsten Geräten eingebracht.
Wühlstöcke, Samenschläger, Schlagstöcke bzw. Keulen wie auch Pfeil und
Bogen waren fast die einzigen Gegenstände. Meterlange Netze fanden bei der Treibjagd
auf Kaninchen ihre Verwendung. Nicht jede Familie besaß solche Netze. Die
Eigentümer der Netze erhielten einen besonderen Anteil bei einer Treibjagd. Da sehr
viel Zeit für die Nahrungsgewinnung aufgebracht werden mußte, war der
Lebensstandard sehr gering. Eine wirtschaftliche Planung auf lange Sicht war wegen der
verstreut anzufindenden Nahrung und jedes Mal in einem anderen Gebiet nicht möglich.
Auch eine Arbeitsorganisation hätte keinen sinnvollen Nutzen gebracht. Eine
höhere Produktivität durch Arbeitsteilung hätte nur Sinn gebracht, wenn
man Entfernungen schneller überwinden konnte. Und diese Chance hatten die Shoshoni
durch die Ankunft der Weißen und dem damit verbundenen Kennenlernen des Pferdes.
Durch die West-Shoshoni kamen die Büffeljäger der westlichen Prärien in
den Besitz von Pferden. Das Pferd verwendete aber die gleichen Nahrungsmittel wie die
West-Shoshoni. Ferner konnte das Pferd nicht auf der Jagd auf Nager, Antilopen, Hirsche
und Bergschafe eingesetzt werden. Es brachte nur Vorteile auf der Jagd nach Büffeln.
Wegen des Mangels an Pferden konnten die Shoshoni auch nur wenige Nahrungsvorräte
anlegen. In der nahrungsarmen Winterzeit verlegten die Shoshoni ihre Quartiere in die
Nähe der Pinonwälder. Trotz alledem war die Ernährung der West-Shoshoni
im Winter wie im Frühjahr durch ihre geringen Vorräte immer kritisch.
Das Gebiet der West-Shoshoni war dünn besiedelt. Während des gesamten Jahres
waren immer nur eine Familie oder Gruppen von zwei bis drei Familien gemeinsam unterwegs.
Sie hatten auch nur sehr wenige Kontakte zu anderen Menschen, da die
Bevölkerungsdichte pro 100 km2 bei nur zwei Menschen lag. Nur während
gemeinschaftlichen Treibjagden und in den Winterquartieren kam es zwischen den Familien
zu geringen Kontakten. Auch durch Schwankungen des Nahrungsangebotes und durch
Änderung der Zugroute der Familien änderte sich die personelle Zusammensetzung
eines Jagdkollektives. Anführer gab es nur während der gemeinsamen
Winterquartiere und bei Treibjagden. Sie waren Spezialisten für eine bestimmte
Tierart und hatten nur für eine bestimmte Zeit ihre Autorität. Im Gebiet der
Shoshoni gab es aber keine abgegrenzten Territorien wie auch keine bestimmten
Nutzungsrechte. Die Familie, die Nahrungsvorkommen entdeckte, verwandte sie für
sich. Bei den West-Shoshoni gab es vor dem Erscheinen der Weißen selten
Auseinandersetzungen. Zwischen den Familien gab es Streitigkeiten bei Tötung einer
Person oder bei Frauenraub. Bei solchen Konflikten wurden die Familien von Verwandten
unterstützt. Shoshonische Familien suchten den Kontakt zu anderen, um sich durch
Heirat zu verbinden. Auf diese Weise war eine Familie mit einer Reihe von anderen
Familien verwandt.
Einige Wohngebiete der Unterstämme
Bagiopa: Die Bagiopa waren ein Unterstamm der Schoschonen, der an den
Quellen des Colorado Rivers wohnte. Das Wort »Bagiopa« stammt wahrscheinlich aus der
Sprache der Pima und bedeutet Volk.
Bruneau: Sie waren eine Stammesgruppe, die am Bruneau Creek im Südosten
von Idaho beheimatet waren.
Chemehuevi: Zweig der Shoshone, der in Arizona und Nevada lebte.
Panamit (Koso): Sie sind eine Untergruppe der Shoshoni, die in Nevada beheimatet
war.
Shoshoko: Sie waren eine Untergruppe der Shoshoni, die als sogenannte
Fußgänger bezeichnet wurden, da diese Stammesangehörigen keine Pferde
besaßen und das Reiten ablehnten.
Weitere Unterstämme: Boise, Box Elder, Digger, Green River Snake (Snake,
Kogohue), Lemhi (Agaiduka), Pohogue, Sherry-dika, Tosawi, Takadka, Wind River |