Wie oft hat sich dieser grausige Brauch in Nordamerika abgespielt? Das Skalpieren war
einst nicht über ganz Nordamerika verbreitet. Nicht nur die Indianer praktizierten
das Abtrennen der Kopfhaut, sondern schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot -
um 485 - 425 v. Chr. - beschrieb diesen Brauch von den Skythen, die im
Schwarzmeergebiet siedelten, in jeder einzelnen Phase.
Es war zum Beispiel bei den Muskogee sprechenden Stämmen des Südosten Sitte,
die eigentlich Maisbauern waren wie die Muskogee, Natchez, Timukua, Cherokee und Caddo.
Dieser barbarische Brauch ist wahrscheinlich aus einer religiösen Zeremonie heraus
entstanden. Bei den Azteken in Mexiko gab es das sogenannte Xipe-Ritual, bei dem Menschen
für Xipe Totec - dem Frühlingsgott und Schutzherr der Juweliere und
Goldschmiede - geopfert wurden. Das Fest fand im Frühling statt und der
Höhepunkt war das Tötungsritual. Dem Geopferten wurde die Haut abgezogen, die
dann der Priester 20 Tage lang überzog als Symbol der Lebensverjüngung.
Die Stämme des Südosten hatten allerdings das Häutungsritual in eine
andere Form abgewandelt und nahmen statt die Haut nur das Kopfhaar - den Skalp. Die
Hauttrophäe war von Mexiko bis Peru verbreitet.
Beim Skalpieren wurde rings um den Kopf über den Ohren mit dem sogenannten
Skalpmesser ein kreisförmiger Schnitt durchgeführt, der Rand der Kopfhaut
freigelegt und das Haarbüschel mit den Zähnen losgerissen. Bei einem
getöteten Opfer wurde mit der linken Hand der Kopfscheitel fest zusammengefaßt
und mit dem Messer ein handtellgroßes Stück Kopfhaut herausgeschnitten.
1535 wurde erstmals von Huronen das Skalpieren vorgenommen und dann griffen diesen
Brauch die Irokesen auf. Sie waren es, die das Skalpnehmen zu den Sioux-Stämmen
brachten. Dann breitete sich diese Sitte nach und nach über den ganzen
nordamerikanischen Kontinent aus, allerdings verlor sich der religiöse Ursprung
dieser Zeremonie.
Hätten die europäischen Mächte - England und Frankreich - nicht noch
Prämien ausgesetzt, so hätte wahrscheinlich der Brauch sich nicht so
durchsetzt wie es passierte. Eine Erleichterung des Skalpierens brachten auch die
eisernen Messer der weißen Eindringlinge gegenüber den Muschel- und
Steinmessern.
Auch Weiße verdienten an dieser barbarischen Sitte ihre Kopfprämie. Nicht
nur mit Indianerskalpen war geldzuverdienen, sondern manche Kopfgeldjäger nahmen
die Trophäe von Menschen, die ihnen unter die Finger kamen. Der Skalp mußte
jedoch den Kopfscheitel enthalten, sonst wurde die Prärie nicht ausgezahlt.
Der Skalpierte überlebte nur selten den Verlust der Schädeldecke wegen des
hohen Blutverlustes. Der Skalp wurde auch von getöteten Feinden abgezogen.
Die Indianer maßen diesem Scheitelhaar große Bedeutung zu, da nach ihrer
Vorstellung hier der Sitz der Lebenskraft lag. Wenn der Feind skalpiert war, hatte er
seine übernatürlichen Kräfte verloren und konnte nicht in die Ewigen
Jagdgründe eingehen.
Der Skalp wurde vom Fleisch befreit, getrocknet und dann sorgfältig präpariert.
Im Anschluß wurde die Kopfhaut als Verzierung an Waffen, Hemden oder Zelten
angebracht. Oder der Skalp wurde in einem Reifen gespannt, dann an einem meterlangen Stab
befestigt und feierlich umtanzt. Es war aber nicht die Sitte der Männer den Skalp
zu umtanzen, diesen Brauch vollführten die Frauen im sogenannten Skalptanz. Niemals
jedoch wurde der Skalp respektlos behandelt, dies hätte die Rache der Totengeister
herausgefordert.
Seine religiöse Rolle hatte der Skalp verloren und galt auch nicht mehr als Symbol
einer Opferzeremonie, sondern eher als Zeichen des Sieges.