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Älter als Clovis: Monte Verde...
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Nicht nur in Nordamerika gibt es Hinweise auf ältere Kulturen als Clovis, auch
Südamerika weist solche Fundorte auf. Fast in allen Klima- und Vegetationszonen
des Doppelkontinents wurden Relikte gefunden, die älter als 12.000 Jahre sind.
Das gefundene Mastodon-Skelett von Taima-Taima in Venezuela wurde auf 12.800 Jahre
datiert. Das Besondere dieses Fundortes ist die geborgenen El-Jobo-Spitze, die noch
primitiver als die von Clovis ist.
In der Pikimachay-Höhle in Peru wurden bei Knochen von Bodenfaultieren,
Steppenpferden ... Steinwerkzeuge entdeckt, die ein Alter von 14.000 Jahren aufweisen.
Die Radiocarbon-Datierung ist allerdings umstritten. Weitere Fundstätten in Peru
befinden sich in Guitarrero, Telarmachay und Quirihuac. Die dort ausgegrabenen Artefakte
wie Waffen mit rhombischen Steinspitzen sind ebenfalls mehr als 12.000 Jahre alt. Die
Menschen ernährten sich vor allem vom Großwild. Jüngere Artefakte
entdeckte man von Chiapas in Mexiko bis nach Ecuador. Eine Weiterentwicklung der
Clovis-Spitzen sind Projektilköpfe im Aussehen eines Fisches, allerdings
könnten sie auch unabhängig von oben genannten Spitzen eine Entwicklung
durchgemacht haben.
In der Höhle Caverna da Pedra Pintada bei den Sandhügeln von Monte Alegre in
Brasilien wurde der sensationelle Fund von zwei Dutzend Steinartefakten und über
30.000 Steinabschlägen gemacht. Ferner entdeckten die Archäologen Knochen,
Zähne und Klauen von Reptilien, Amphibien und Vögeln sowie tausende
Überreste von verkohlten Früchten und Beeren. Eine Altersbestimmung mit der
Radiocarbon-Messung ergab ein Alter zwischen 11.200 und 10.000 Jahren. Die Höhle
beherbergte auch Felsmalereien, die mit roten Eisenoxid hergestellt worden. Die Motive
sind geometrische Figuren, Tiere und Handabdrücke. Die Altersbestimmung ergab, dass
hier in Südamerika fast zeitgleich mit den Clovis-Leuten in Nordamerika Menschen
gelebt haben, die nur wenige hundert Jahre später gelebt hatten. Es zeigte sich
auch das der Mensch nicht nur Großwild jagte. Die Monte-Alegre-Leute, so konnte
festgestellt werden, sind keine Verwandten der 5.000 Kilometer nordwärts lebenden
Clovis-Menschen, eher die Nachfahren einer viel früheren Einwanderungswelle.
Nur 60 Kilometer vom Pazifik entfernt, liegt die Ansiedlung Monte Verde an dem kleinen
Fluß Chinchihuapi im Süden von Chile. Als hier ein Torfmoor entstand, wurde
die Siedlung auf einer Sandbank luftdicht abgeschlossen und alle Relikte konserviert.
Ausgegraben wurden Steinwerkzeuge wie Faustkeile und Messer sowie mehrere Feuerstellen,
Geräte aus Knochen und Holz. Sogar versteinerte Exkremente wurden aufgefunden. Was
aber der bemerkenswerteste Fund hierh war, sind die Reste von zwölf rechteckigen
Hütten, die als die ältesten Behausungen Gesamtamerikas angesehen werden. Die
Wohnstätten waren einst mit Fell oder Häuten bedeckt und boten Platz für
20 bis 30 Personen, die hier vermutlich ein Jahr lebten. Neun der Hütten standen
in einer Reihe nebeneinander. An einigen Pfosten fanden die Archäologen noch aus
Gräsern zusammengeflochtene Stricke, die mit anderen Pfosten verbunden waren.
Ebenfalls wurden wilde Kartoffeln, Wurzeln, Samen, Beeren, Früchte und Nüsse
geborgen. Einige der 70 entdeckten Pflanzenarten stammen aus den Anden und aus Steppen,
die mehr als 300 Kilometer entfernt liegen. Sogar drei Arten mariner Algen waren
Bestandteil der Ausgrabungen. Die Radiocarbon-Datierung ermittelte ein Alter zwischen
11.800 und 13.600 Jahren. Monte Verde ist deshalb älter als der Ort Clovis. Die
Fundstätte, und das ist das Erstaunlichste, liegt zudem auch noch 10.000 Kilometer
südlicher als eben genannter Fundort in Nordamerika.
Selbst Skeptiker räumen heute ein, dass Monte Verde von Prä-Clovis-Kulturen
besiedelt war.
Zukünftig müssen alle weiteren Fundstätten sorgfältig und kritisch
in Augenschein genommen werden. Wenn Monte Verde tatsächlich schon vor mehr als
12.000 Jahren bewohnt war, dann müssen Menschen Alaska schon vor der letzten
großen Vereisung verlassen haben. Diese Feststellung würde bedeuten, dass
Amerika schon viel früher besiedelt worden ist als bisher angenommen wurde.
Vermutlich fand eine Besiedlung schon vor mehr als 20.000 Jahren statt.
An Steinfragmenten und Kohleansammlungen wurde sogar ein Alter von über 33.000
Jahre ermittelt. Dies könnte bedeuten, dass Monte Verde für eine weitere
Überraschung, was das Alter angeht, noch einmal interessant werden dürfte.
In der Piaui-Region von Nordost-Brasilien befindet sich der 70 Meter lange
Felsüberhang von Toca do Boqueirao da Pedra Furada. Zahlreiche Malereien sind
auf den Sandsteinfelsen aufgemalt. Neben Jagdszenen sind auch wie an 350 anderen
Stellen der Umgebung Gewaltdarstellungen und sexuelle Motive zu sehen. In der
Fundstätte sind mehr als 600 einfache Steinwerkzeuge und Herdsteine aus Quarzit
entdeckt worden, die Menschen auf 200 bis 250 Grad Celsius erhitzten. In Feuerstellen
wurde die Holzasche untersucht, die auf ein Alter von mehr als 30.000 Jahre datiert
worden, in zwei Fällen sogar auf rund 48.000 Jahre. Toca do Boqueirao da Pedra
Furada wäre, wenn diese Radiocarbon-Datierungen nicht fehlerhaft sind der
älteste Fundort in Amerika. Ein abgesplitterter bemalter Felsen in einer 17.000
Jahre alten Schicht geht als frühestes Kunstwerk Amerikas in die Geschichte
ein.
Das Alter der Artefakte von Pedra Furada ist aber höchst umstritten. Es wird
schon bezweifelt, ob es überhaupte Relikte sind. Jüngere Schichten weisen
Fundstücke aus der Zeit zwischen 8.400 bis 4.000 v. Chr. auf. Hier gibt es
keine Zweifel. Die älteren Feuerreste, so vermuten die Wissenschaftler,
könnten ebenso durch natürliche Feuer entstanden sein oder könnten
genauso gut von anderen Bränden hier hergeweht worden sein. Selbst die Werkzeuge
aus Quarzit besitzen nur wenige Abschlagstellen und entstanden aus Gestein des
Felsüberhanges. Das gesamte Areal ist mit Steinen mit Abschlagstellen
überhäuft. Die meisten davon sind auf natürliche Weise entstanden,
der Rest von etwa 50 Artefakten sind von Menschenhand bearbeitet worden, aus denen
man primitive Werkzeuge fertigte. Mehr als 30.000 Jahre hatten die hier lebenden
Menschen keine Fortschritte in der Behauung der Steine gemacht.Die Bruchstücke
der jüngeren Schichten gleichen nämlich fast den Artefakten aus älterer
Zeit. Gebrauchsspuren, auch noch so kleine - die bei der Verwendung entstehen, wurden
nicht entdeckt. Auch bei anderen Felsüberhängen mit Felszeichnungen fand man
keine Artefakte.
Weitere Fundstätten in Brasilien sind Toca de Esperanca, Alice Boer, Lapa
Vermaleha und Sitio de Meio. Das Alter dieser Stätten soll zwischen 40.000 und
20.000 Jahren liegen. In Ostbrasilien sind aus dem Trockenflußbett Touro Passo
Überreste ausgestorbener Großsäuger entdeckt worden, die allerdings
ein Alter von nur 11.000 Jahren besitzen. Neben diesen Funden fand man Reste von
Lagerfeuern aus dieser Zeit. | |
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