Der Südosten, der heute etwa den Südstaaten der USA entspricht, war das
Gebiet vorwiegend seßhafter Maisbauern, die in ihrer Mehrzahl der
Muskhogee-Sprachfamilie angehörten. Hier brachen die Spanien bereits im 16.
Jahrhundert ein Volkreichen und zum Teil befestigten Dörfer im heutigen Alabama und
Georgia wurden vom mächtigen Stammesbund der Creek
bewohnt. 1813/14 wurden sie von amerikanischen Truppen unter General Jackson
besiegt. Der Krieg und 1836/38 ausgeführte Deportation nach Oklahoma ließ sie
von 30.000 auf 10.000 zusammenschmelzen.
Ein Teil der Creek, die Seminolen, rettete sich in
die Sümpfe des südlichen Florida und vereinigte sich, wie es auch an der
Ostküste geschehen war, mit entkommenen Negersklaven aus dem Süden. Der Held
der Seminolen war der Häuptling Osceola, gegen den von 1835 an sieben Generäle
acht Jahre lang Krieg führten, bis er durch Verrat überwältigt wurde.
Andere Stämme dieses mit spürbaren mexikanischen Einflüssen durchdrungenen
Landes der hochorganisierten Maisbauern machten verzweifelte Versuche einer Anpassung an
die Europäer (so gab sich der volkreiche Stamm der irokesischsprachigen
Cherokee, der bereits 1785 von amerikanischen Truppen
besiegt worden war, eine Verfassung nach dem Muster der USA, und der Häuptling
Sequoya erfand ein Alphabet seiner Sprache), aber sie wurden 1838 auf leidvolle Art nach
Oklahoma verpflanzt, wo noch heute 12.000 Überlebende der «fünf zivilisierten
Stämme» (Creek, Chickasaw,
Choctaw, Cherokee und Seminolen) leben.
Zur Vogeljagd benutzten die Cherokee und Choctaw Blasrohre.
Im Südosten aber gab es die höchstorganisierten sozialen Gebilde Nordamerikas.
Hier war es zu Staatenbildungen gekommen, mit dem Reich der
Natchez am unteren Mississippi als erstaunlichstem Beispiel. Bei diesem
Mushogeestämm wohnten zu Ende des 17. Jahrhundert 3.500 Natchez in vierhundert
Häusern, beherrscht von einem Oberhäuptling, der den Namen Große Sonne
trug. Es gab verschiedene soziale Schichten mit entsprechenden Reichtumsunterschieden:
der Stammesadel, die Krieger, die übrigen Stammesangehörigen und die zu Sklaven
erklärten Kriegsgefangene sozial streng voneinander getrennt.
Es gab:
- genaue Heiratsvorschriften,
- Tempel mit den mumifizierten Leichen früherer Häuptlinge,
- eine Priesterhierarchie und dramatische Zeremonien (so wurden beim
Tode einer Großen Sonne Frauen und Diener durch Erdrosseln geopfert) und
- Tänze und Propheten.
Wirtschaftsbasis des Ganzen war der Mais, ergänzt durch die Jagd und dem Sammeln
von Wildpflanzen. Die Franzosen rotteten sie aus, und seit 1732 sind die Natchez aus der
Geschichte verschwunden.