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| Sie sind in: Mittelamerika: Hochkulturen |
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Die Tarasken, eine Hochkultur |
Im heutigen Staat Michoacan in Westmexiko war die Heimat der Tarasken. Woher sie
einwanderten, ist bis heute unbekannt. Einst waren sie Nomaden. Später ließen
sie sich im Tal von Michoacan - »Ort der Fischer«, einem Land was hügelig ist und von
vielen Seen durchzogen wird mit den auf 2.400 Meter Höhe gelegenen Patzenaro-See, der
ein ideales Siedlungsgebiet ist, nieder. Die Tarasken gingen hier dem Fischfang nach was
sie auch heute noch tun. Ferner jagten sie mit Speerschleudern Enten und Gänse.
Im heutigen mexikanischen Staat Guanajuato genauer gesagt in Chupicuaro wurden
Gebrauchsgegenstände ihrer Vorfahren gefunden, die ein hohes und technisches Niveau
aufweisen. Man unterscheidet zwei Grundtypen der Chupicuaro-Keramik, die rot bzw. schwarz
gehalten wurden. Die Erzeugnisse sind geometrisch bemalt. Die Teller sind am Rand mit
Bändern verziert und die Töpfe besitzen winkel- oder zickzackförmige Linien,
dreiecke oder Vierecke. Näpfe haben rotes oder schwarzes Dekor auf cremefarbenen
Überzug und sind mit geometrischen Mustern verziert.
Auch hier wurden Figürchen wie in anderen Teilen Mexikos gefunden. Die sogenannten
Chupicuaro-Figürchen, die einzigartig sind, besitzen markante geometrische Zeichnungen
auf dem Körper oder im Gesicht. Vorwiegend handelt es sich um Frauenfigürchen,
die klein und mollig dargestellt sind, große schräge Augen besitzen und eine
ausgearbeitete Frisur aufweisen.
Die Tarasken sind wie bereits erwähnt die Nachfolger dieser Chupicuaren und siedelten
am Patzcuaro-See. Sie ernährten sich von Fisch, den es im Überfluß gab.
Hier, am See gründeten die Tarasken auch ihre Hauptstadt Tzintzúntzan, was
übersetzt »Stadt der Kolibris« heißt.
Von den Tarasken sind zwei Handschriften erhalten geblieben: Einmal die Michoacan-Chronik
und der Dynastien-Stammbaum. Aus diesen Handschriften erfuhren die Archäologen, dass
die Vorfahren der Tarasken um das Jahr 1200 unter Führung ihres Häuptlings
Hiretican an den Patzcuaro sich ansiedelten. Im Tal von Michoacan entstanden drei
voneinander unabhängige Fürstentümer Patzcuaro, Tzintzúntzan und Coyucan.
Diese Fürstentümer schloß später der König Tariacuris zu einem
Dreierbund zusammen. Tariacuris Großneffe Tzitzis phandáquare erweiterte sein
Machtzentrum bis an die Grenzen Colimas. Er kämpfte erfolgreich gegen die Azteken und
sein Herr stand bei Toluca nur wenige Kilometer von der aztekischen Stadt Tenochtitlan
entfernt. Unter der Herrschaft des taraskischen Fürsten Tangaxoan tzintzichas in den
aztekisch-taraskischen Kriegen das Herr das der aztekische Herrscher Montezuma nach
Michoacan entsandte.
1522 erschienen die Spanier vor der taraskischen Festung Taximaro und wenig später
eroberten sie unter Führung Christobal de Olids die Hauptstadt Tzintzúntzan.
Christobal de Olids gelang es, durch eine vorgetäuschte Freundschaft, fast den gesamten
Goldschatz der Hauptstadt zu erbeuten. Nuno Beltran de Guzman raubte den Rest des Goldes von
den Michoacan-Indianern und folterte den letzten König, um auch noch die golden Bilder
der am meisten verehrten Götter Curicaveris und Xaratangas zu erpressen. Er
plünderte ebenfalls alle Häuser des Adels und machte auch nicht vor den
Gräbern nicht Halt. Wie grausam de Guzman war, zeigte er in dem er den
Tarasken-König, welcher glaubte, dass die Weißen die »Söhne der Götter«
seien, von Pferden in Stücke reißen und ihn anschließend verbrennen
ließ.
Die Gesellschaft der Tarasken war in Klassen unterteilt. Eine davon war der Adel mit dem
an der Spitze stehenden König, der auch höchster Kriegsherr und höchster
Würdenträger und zugleich oberster Priester war. Er war ferner zuständig
für den Schutz der Statue des Hauptgottes Curicaveri. Aus einer anderen Schicht kamen
die gewöhnlichen Bewohner des Staates, wie die freien Bauern, Handwerker und die an den
Ufern der Seen lebenden Fischer. Der religiöse Kult wurde gemeinsam vom König
und dem Hohepriester petamuti abgehalten. Der Hohepriester stand in dem Eguataconcuaro
genannte Monat den Gerichtsverhandlungen vor. Bei kleineren Delikten wurden die Täter
gezüchtigt und dann freigesprochen. Die größeren Straftäter wie
Mörder, Diebe und Ehebrecher wurden mit einer Keule erschlagen und verbrannt.
Den königlichen Rat gehörten der Hohepriester, ein Innenminister, der für
die öffentliche Ordnung zu sorgen hatte, und ein Wächter des Schatzes an. Der
Schatz wurde in einem besonderen Geäude aufbewahrt und bestand neben Gold, aus Edel-
und Halbedelsteinen sowie aus Federn seltener Vögel. Diese Federn fanden bei
religiösen Zeremonien seine Anwendung. Ihren Schatz vermehrten sie durch
Kriegszüge in benachbarte Ländereien. Diese Kriegszüge wurden sorgfältig
vorbereite und bevor sie einen Krieg begannen, wurde an der Grenze des Landes was sie
überfallen wollten, eingroßen Holzstoß angezündet. Die Gefangenen
wurden getötet und die Halbwüchsigen wurden zu Sklaven gemacht.
Höchster Gott der Tarasken war Curicaveri, der gleichzeitig der Schutzherr der Krieger
war und in Verbindung mit dem heiligen Feuer gebracht wurde. Der Feuerkult war sehr weit
entwickelt. Untergeordnete Priester hatten den Titel »Entzünder des Feuers«. Zu Ehren
des höchsten Gottes Curicaveri wurden Gefangene ins Feuer geworfen. Die Tarasken
verehrten außerdem die Mondgöttin Xaratanga, welche zugleich die Erd- und
Vegetationsgöttin war, die Göttin des Morgensterns Urendequa vécara sowie die
Göttin der Regenwolken. Ihr zu Ehren gab es im Herbst ein großes Fest, bei dem
die Herzen der auserwählten Opfer in den heißen Quellen des Cuitzeosees geworfen
wurden. Angeblich kondensierte das Herz den aufsteigenden Dampf und brachte dann den
ersehnten Regen. Bei den Tarasken gab es zahlreiche Zeremonien, die an genau
vorgeschriebenen Tagen stattfanden. so z. B. am 7. Juni die Mascato-Zeremonie, am
17. Juli die Kaheri Feier und am 25. Oktober die Zeremonie des Kaheri uapans quaro und
weitere. Ihre religiösen Zeremonien wurden auf ihren Heiligtümern, den
pyramidenförmigen Yacatas, die auf ausgedehnten Plattformen lagen, veranstaltet. Es
waren die bedeutendsten Bauwerke der Tarasken. Auf einer solchen Tempelterrasse standen oft
mehrere dieser Yacatas. Im Innern waren sie aus losen übereinander geschichteter
Steine erbaut, die mit Lehmplatten ummantelt waren. Der Haupttempel von Tzintzúntzan
besaß eine Länge von 425 Meter und eine Breite von 250 Meter, zu den eine 100
Meter breite Treppe hinaufführte. Beim Ausbruch eines Vulkans wurde der Tempel von
Paricutin im Jahre 1943 von einer meterhohen Lavaschicht zugedeckt.
Die taraskische Plastik war von der der Tolteken beeinflußt. Die Tarasken hatten
nicht die geistigen Errungenschaften erreicht wie die Mixteken, Azteken oder Maya.
Sie kannten ferner keine Schrift, verwandten aber die beiden altmexikanischen Kalendertypen,
den 260-tägigen und den 365-tägigen. Die Magier der Tarasken verwendeten oftmals
sehr grausame Heilmethoden. In der Medizin wurden Kenntnisse von Heilkräutern
angewendet. Die Tarasken ähnelten sich in vielerlei Hinsicht ihren südlichen
Nachbarn.
Sie waren später die Todfeinde der Azteken. Sie sprachen nur mit Verachtung von
ihren Nachbarn. Sie nannten sie »Leute, die sich den Schädel fegen«. Dies kam daher,
weil sich die Frauen und Männer den Kopf kahl schoren und die gesamten Körperhaare
abrasierten mit metallenen Pinzetten: Die Priester verwendeten dazu goldene.
Die Bewohner des Michoacan-See ereilte das gleiche Schicksal wie den Azteken. Die Spanier
zerstörten das gesamte taraskische Reich. |
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