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Die Stadt Teotihuacan


Teotihuacan - im Hintergrund die Sonnen- und Mondpyramide In Zentralmexiko entwickelte sich nach der Zeit der vorklassischen Periode - in der Endphase hatten sich zahlreiche größere Kulturzentren herausgebildet - aus einem kleinen Dorf das wichtigste Zentrum der ersten Hochkultur Zentralmexikos. Dies geschah nur wenig später nach dem die Bewohner von Cuicuilco ihre erste Pyramide erbaut hatten.

Der Ort nennt sich Teotihuacan - nach dem die Teotihuacan-Kultur benannt wurde. Diese Kultur ist die älteste Hochkultur Zentralmexikos. Von Teotihuacan sind uns die Kunst, die Architektur, die Wandmalerei sowie die Bildhauerkunst bekannt. Aber wer die Menschen waren die Teotihuacan erbaut haben, woher sie kamen und warum sie später die Stadt verließen, ist uns nichts bekannt.

Die Stadt Teotihuacan ruft bei ihren heutigen Besuchern Bewunderung und Hochachtung hervor. Diese Achtung wird durch die Ausdehnung, die Konzeption, die Anlagen und zahlreichen Gebäude, welche sich in der Stadt befinden, ausgelöst. Teotihuacan hat alle Katastrophen überlebt. Sie liegt nur 40 Kilometer nördöstlich von Mexiko City entfernt und ihr Ruhm lockt Jahr für Jahr viele Besucher an. Selbst die Azteken waren voller Bewunderung über die Stadt Teotihuacan, deren verlassenen Pyramiden und Paläste schon zerfallen begannen. Tenochtitlan, die Hauptstadt der Azteken - wurde erst viele Jahre später erbaut.

Die Herrscher der Azteken feierten in Teotihuacan zu Ehren ihrer Götter, da sie glaubten, derjenige, der in Teotihuacan stirb, den Göttern gleich wird. Die Azteken gaben der Stadt den aztekischen Namen »Teotihuacan« was soviel bedeutete, wie »Ort, wo man zum Gott wird«. Der ursprüngliche Name dieser Stadt ist leider nicht bekannt. Für die Azteken war die Stadt auch das Reich der Riesen, da eine solch ausgedehnte Stadt kein Mensch erbaut haben konnte. Als Beweis wiesen die Azteken große Knochen eines ausgestorbenen Mammuts vor, die sie für die Erbauer der Stadt hielten. Von Teotihuacan spricht man in Superlativen, da seine Ausmaße alle anderen vorkolumbischen Städte übertreffen. Selbst die aztekische Stadt Tenochtitlan war kleiner.

Da in den Städten Zentralmexikos zu Beginn u. Z. nur einige hundert, höchstens einige tausend Einwohner wohnten, lebten in Teotihuacan im 1. Jahrtausend dreihunderttausend Menschen. Nur eine Stadt in Europa besaß zur damaligen Zeit genauso viele Einwohner - Rom, aber die Ausdehnung der Stadt war viel kleiner.

Das prächtigste Bauwerk in Teotihuacan, was alle anderen in seinen Ausmaßen bei weitem übertrifft, ist die Sonnenpyramide. Es ist auch das größte Bauwerk im vorkolumbischen Mexiko und in ganz Amerika vor Eindringen der Weißen. Für den Bau wurden 995.000 Kubikmeter Material verwendet, die ein Gewicht von 2.980.000 Tonnen haben. In einiger Entfernung von dieser Pyramide steht eine etwas kleinere und ältere Pyramide, die Mondpyramide. In der Nähe beider Pyramiden entstand in ihren Ausmaßen gewaltige Stadt, welche genau nach Plan erbaut worden ist. Die City bildete ein Tempelbezirk. Die Sonnenpyramide, Mondpyramide und Zitadelle waren durch eine 1.700 Meter lange Prachtstraße miteinander verbunden, die im Süden am Rio San Juan endete. Das Wort Zitadelle stammt aus dem Spanischen. Diese Pyramide war eigentlich der Zentraltempel der Stadt.

Sitzende Frau, die auf ihren Rücken ein Wassergefäß trägt, Höhe 22 cm, Terrakotta Neben dieser Tempelanlage erhob sich die Pyramide der Gefiederten Schlange, die später den Namen Quetzalcoatl-Pyramide erhielt. Die Hauptallee, genannt »Allee der Toten«, hatte eine Breite von 40 Metern und war mit weißem Pflaster ausgelegt. Die Stadt bestand nicht nur aus Pyramiden und Heiligtümern, sondern es wurden auch zahlreiche Wohnkomplexe, die oft größere Ausdehnungen besaßen, gefunden. Der schwedische Archäologe Sigvald Linné fand bei Ausgrabungen von 1932 - 1935 ein Arial von 176 Räumen und 21 Vorhöfen. Ergänzt von vielen Gassen und Plätzen. Die gesamte Anlage hatte eine Ausdehnung von 3.500 Quadratmetern. Fast genauso groß war ein Komplex in Xolalpan, den ebenfalls Linné ausgrub. Die Tempel und Gebäude besaßen zahlreiche Fresken. Östlich der »Allee der Toten« lebten in einfacheren Unterkünften die Bewohner Teotihuacans.

Man geht davon aus, dass die Stadt in der Zeit zwischen 200 bis 600 u. Z. gegründet worden ist. Es war einst eine kleine Bauernsiedlung, die im 2.200 Meter hoch gelegenen Tal von Mexiko lag. Das Dorf war eins von vielen in dieser Gegend. Teotihuacan entwickelte sich sehr schnell durch die intensive Landwirtschaft. Die Bewohner waren die ersten, die in der Mesa Central die Bewässerung einführten. Hier lebten auch Handwerker, wie Töpfer und Weber, die Stoffe aus Pflanzenfasern, wie aus Agaven herstellten. Die Werkzeuge wurden aus Obsidian hergestellt, mit dem sie Nephrit, Porphyr, Graphit und Serpentin bearbeiteten. Die handwerkliche Produktion war in Teotihuacan spezialisiert wie archäologische Funde zeigen. Aus Obsidian wurden in einigen Werkstätten nur Messer hergestellt, andere Werkstätten fertigten Lanzen und wieder andere Schaber.

In Teotihuacan wurde auch Handel getrieben. Einige Erzeugnisse wurden in entfernten Ortschaften Mexikos bis hin nach Guatemala gefunden. Aber auch nach Teotihuacan kamen Gegenstände, so z. B. aus tropischen Gebieten, die im Osten des Landes sind. Der Handel wurde vollzogen, ohne Rad und Wagen sowie ohne Lasttier. Diese Helfer beim Transport der Waren kannte man bis zur spanischen Eroberung Mexikos noch nicht.

Die Priester besaßen eine große Macht. Sie regierten auch die Stadt.

In der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends existierte keine Stadt, die sich mit Teotihuacan messen konnte. Höchstens Cholula und Puebla hatten vielleicht noch Einfluß. Teotihuacan existierte fast tausend Jahre und man unterteilt ihre Geschichte in vier Perioden. Die Stadt wurde mehrmals umgebaut, weshalb ist nicht bekannt. Ob dies geschah aus Kriegsgründen oder wegen der astrologisch-magischen Auffassung vom Untergang der Welt. An den Pyramiden wurden die alten Treppen durch neue ausgetauscht und Fassaden verändert. Bei der Keramik und Plastik wurden keine Unterschiede der Stilrichtung festgestellt.

Die Stadt wurde im 9. Jahrhundert nach einem Brand verlassen. Teotihuacan war für die Azteken die Stadt der Götter. Wer sie baute wußten auch sie nicht. Doch zu Ehren der Götter waren hier Tempel und Heiligtümer entstanden. Die Statuen und Fresken tragen Gestalten von Göttern. Der meist verehrte Gott dieser Zeit, der der Stadt die Blüte brachte, war der Gott des Regens und der Fruchtbarkeit - Tlaloc. Teotihuacan lag in einem trockenen und rauhen Klima und deshalb war auch ein Opferstein auf dem Hauptplatz diesem Gott geweiht worden. Auch die Wassergottheit Chalchiuhtlicue wurde angebetet. Der Feuergott, der aus vorkolumbischer Zeit schon bekannt war, wurde gemeinsam mit der Gefiederten Schlange verehrt. Pilger kamen aus fernen Gegenden zu den Gottesdiensten - in eine Stadt ohne Befestigungsanlagen.

Fiel die Stadt einer Naturkatastrophe zum Opfer?
Es wurden an einigen Gebäuden Brandspuren gefunden. Die Sonnenpyramide, die Mondpyramide, die Pyramide der Gefiederten Schlange, die Allee der Toten, die mit Gottesfresken geschmückten Paläste blieben jedoch erhalten.
 
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