NORDAMERIKA
Stämme nach Kulturarealen
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Die Tlingit
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Die Tlingit sind ein Volksstamm der Na-Dene-Sprachfamilie (manchmal auch Algonkin-Nadene
bezeichnet). Ihre Heimat ist die Region Panhandle in Südalaska. Einige Gruppen
lebten auch im Inland von British Columbia. Das milde Klima und die unglaublichen
Naturschätze (Fisch und Wild im Überfluß, Holz usw.) ermöglichten
den Tlingit ein durchdachtes und komplexes Gesellschaftssystem, eine eigene Religion und
eine selbstständige künstlerische Tradition zu schaffen.
Die Tlingit waren sehr gute Seefahrer und waren in der Lage bis zu 1.500 Kilometer nach
Nordwesten zu fahren, um mit den dortigen Einwohnern Handel zu treiben. Sie lebten in
großen Gemeinschaftshäusern mit Giebeldach, die 50 bis 100 Personen Platz
boten. Die Pfosten der Häuser waren mit Totem-Symbolen des entsprechenden Clans
verziert. Mehrere solcher Häuser bildeten ein Dorf und eine bestimmte Anzahl dieser
Dörfer den Stamm. Die einzelnen Haushalte hatten ihre eigenen Wirtschaftsgüter
wie Kleidung, Waffen und selbstgefertigte Gegenstände.
Die Ritualgegenstände gehörten dem ganzen Clan. In dem matriarchaischem
Sozialsystem wurden diese religiösen Gegenstände vor allem von den Schamanen
verwendet, die das gesamte Stammesleben kontrollierten. Der Glauben der Tlingit beruhte
auf der Annahme, dass jedes Ding und jedes Wesen eine Seele hat. Dieser Glaube verlangte
demnach auch genaue Riten beim Jagen und Töten von Tieren.
Die Tlingit waren in zwei Hauptgruppen oder Stammeshälften (moieties = vom franz.
moitié = Hälften) unterteilt. In sie wurde man hineingeboren. Die eine war die des
Raben, die andere, die des Wolfes (manchmal auch Adler genannt). Jeder der Gesellschaft
gehörte zu einer dieser Hälften, der wiederum nur ein Mitglied der anderen
Hälfte heiraten konnte. Da dieser matrilinearen Gesellschaft, gehörten die
Kinder immer zur moities der Mutter. Jede dieser moities wiederum war in kleine Gruppen
- Clane oder Horden - geteilt. Die Raben-Hälfte war in 27 Clane gegliedert. In den
Dörfern hatte jeder Clan einen eigenen Anführer. Mehrere Clane waren so
verzweigt, dass sie in mehreren Dörfern vertreten waren. Der Führer war auf
die lokale Ebene beschränkt.
Die Erbfolge, die eine wesentliche Rolle spielte, folgte den Regeln der Abstammung. Egal
wie die Organisation im Dorf war, gab es z. B. bei den Tlingit Abstammungslinien von
verschiedenen Rängen. Der höchste Rang führte seine Abstammung auf ein
heiliges Tier zurück, wie Raben, Adler, Bär oder auf einen Menschen, der
besondere Kräfte und Rechte durch ein Erlebnis mit einem übernatürlichen
Wesen empfangen hatte. In der Sozialordnung der Tlingit richtete sich das Ansehen
Einzelner nach ihrem Reichtum. Um diesen zu zeigen, wurden die an der Nordwestküste
aus religiösen Gründen veranstaltete Potlatch gefeiert. Dabei handelte es um
ein großes Fest, bei dem die Gäste im Übermaß bewirtet und
beschenkt wurden. Jedoch waren die Beschenkten automatisch aufgefordert ihrerseits ein
noch größeres dieser Feste zu feiern.
Im 20. Jahrhundert verbot die amerikanische Regierung vorübergehend diesen Ritus des
Schenkens, da er Teile von Familien, ja sogar ganze Sippen ruinierten konnte. Die Tlingit
waren nicht so leicht zu besiegen. Deshalb ließen sie sich nie ganz aus ihren
angestammten Gebieten vertreiben. | |
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