Die Indianer von Nord- Mittel- und Südamerika
Indianer: Lebensweise, Sitten, Bräuche, Geschichte, Sprachfamilien, Stämme, Häuptlinge, Hochkulturen



Die Hochkultur der Totonaken


Im heutigen mexikanischen Staat Veracruz, am Golf von Mexiko, lebten einst die nördlichen Nachbarn der Olmeken die Totonaken, welchen sich noch weiter nördlich die Huaxteken anschlossen. Die Vorfahren der Totonaken lebten hier bereits als die Olmeken ihre ersten Städte gründeten. Ihre Nachbarn nannten das Gebiet Totonacapan - Land der Totonaken. In vorkolumbischer Geschichte Mexikos haben die Totonaken wie auch die Huaxteken aber niemals eine solche Rolle gespielt wie die Olmeken, Tolteken, Maya oder Azteken.

Die Totonaken waren aber die ersten Indianer, die das Eroberungsheer Cortés begegneten. Zur Begegnung zwischen den Totonaken und den Spaniern kam es in der totonakischen Stadt Cempoala - "Die Stadt der zwanzig Wasser". Die Spanier wurden vom Herrscher Campoalas als "Befreier" vom aztekischen Joch herzlich empfangen. Zur Zeit des Erscheinens der sogenannten "Weißen Götter" wie die spanier von den Indianer genannt wurden, mußten die Totonaken an die Azteken Tribut zahlen. Die Totonaken beschenkten ihre "Befreier" reichlich mit Goldschmuck. Einige der hundert Träger, die den Goldschmuck transportierten, halfen später den Spaniern, die unter Führung des legendären Eroberer Hernán Cortés, im Kampf gegen die Azteken.

Außer der Stadt Campoala hatten die Totonaken noch andere mehr oder weniger bekannte Städte wie Misantla, Quihuitztlan, Teayo und die Stadt Tajin, mit der berühmten Pyramide der 364 Nischen. In vorkolumbischer Zeit gab es bei den Totonaken weder einen König noch einen Staat der zentral regiert wurde. Im südlichen Totonacapan hatten sich 35 Städte zu einer Konföderation zusammengeschlossen. In der Umgebung von Zacatlan war unter den hier lebenden Totonaken ein kleiner Staat entstanden. Ihr vorletzter Herrscher war Catoxcan, welcher das Land zwischen seinen beiden Söhnen aufteilte.

Später kamen die Totonaken unter die Herrschaft der Chichimeken. Diese sind dann in Laufe der Zeit in den Herrschaftsbereich der Azteken gekommen. Das totonakische Stammesgebiet ist zwar nicht den Staatsgebiet der Azteken angegliedert worden, aber die Totonaken mußten an die Azteken sehr hohe Steuern zahlen. Die totonakischen Städte wurden zur Zeit der Azteken-Herrschaft von einheimischen Herrschern regiert. Auch bei den Totonaken spielte die Priesterschaft eine sehr wichtige Rolle, aber auch Handwerker wie Töpfer lebten in der Stadt. Der Hauptanteil der Bevölkerung waren jedoch die freien Bauern. Die Totonaken besaßen aber auch Sklaven wie man auf Reliefs der Stadt Tajin sehen kann.

Vor der Pyramide der 364 Nischen in El Tajin zeigen vier Voladores ihre gefährlichen Künste. Der fliegende Mensch ist Teil eines uralten Rituals. Die Lebensweise in der tropischen Tiefebene und in den ostmexikanischen Bergen war ähnlich wie in Zentralmexiko. In der Ernährung und in der landwirtschaftlichen Produktion spielten auch tropische Erzeugnisse wie Bananen und Maniok eine wichtige Rolle.

Auch Literatur kannten die Totonaken. Es sind aber keine totonakischen Codices erhalten geblieben. Der Stand ihrer Kultur ist an den Bauwerken und in werken der bildenden Kunst zu erkennen. Ihre Kunst war eng mit der Religion verbunden. Sie verehrten den Sonnengott, die Mondgöttin und die Maisgöttin. Zahlreiche Priester dienten den genannten Gottheiten und allen anderen Göttern der Totonaken. Was die Spanier von den Priestern berichteten, so trugen sie lange rote Jacken über denen sie einen roten Mantel trugen. Das Gesicht war mit roter Farbe bemalt und ihre langen Haare war mit dem Blut zahlreicher Menschenopfer verschmiert. Sie lebten im Zölibat, hatten aber Verkehr mit Tieren. Sechs Hauptpriester gab es, deren Gehilfen das heilige Feuer der Tempel zu unterhalten hatten.

Ihre religiösen Zeremonien sollen wie die Spanier berichteten, sehr kompliziert gewesen sein. In den Tempeln wurden häufig Menschen geopfert. Neben Erwachsenen wurden auch Kindern den Göttern dargebracht. Das Blut der Kinder wurde mit Harz und Sämereien vermischt und den Erwachsenen zum Verzehr gereicht. Auch Ballspiele wurden aus religiösen Vorstellungen abgehalten. Die Ballspielplätze waren mit einer Einfriedung umgeben und konnten eine Länge bis zu 600 Meter aufweisen. Der Ballspielplatz symbolisierte das Universum und war in Nord-Süd-Richtung angelegt. Aus Ringen, die die auf- und untergehende Sonne darstellten, wurden nach dem Spiel die Zukunft gedeutet. Die Verlierer-Partei wurde geopfert. Reliefs, die auf den Hof von Tajin erhalten geblieben sind, stellen religiöse Zeremonien und die Opferung von Spielern dar. Vier in unterschiedlicher Art gestaltete Steine stellen die typische Skulpturen der Totonaken dar. Man geht davon aus, dass ihre Funktion mit dem kultischen Ballspiel zusammenhing.

Tajin, was so viel wie "Blitz" bedeutet, war die bedeutendste Stadt der Totonaken. Sie lag im heutigen Staat Veracruz und erstreckte sich über eine Fläche von fast zehn Quadratkilometern im Gebiet der Tiefebene. Die Pyramiden besaßen auch Vorhöfe und auf Plätzen wurden Ballspiele gespielt. Die Tempel der Totonaken hatten eine nicht so strenge Gliederung wie in Zentralmexiko. Sie zeichneten sich aus durch eine weiche Modellierung, wiesen große Proportionierung von Krümmungen und Spiralmotive auf.

Die bedeutendste Pyramide Tajin ist die "Pyramide der 364 Nischen". Sie besteht aus sechs Absätzen und erreicht eine Höhe von 25 Meter. Eine nachträglich gefertigte steile Treppe führt zur Spitze. Jeder Absatz der Pyramide ist in quadratische Steinnischen geteilt. Selbst die Treppe ist mit Dreiernischen unterbrochen. Jede Nische der Pyramide soll einen Tag des Jahres symbolisieren. Die Nischen verleihen der Pyramide grelle Licht- und Schatteneffekte, was der Pyramide beleben sollte. Früher waren die Nischen mit bunter Farbe ausgemalt gewesen, die in den Morgen- und Abendstunden bei Sonnenschein geheimnisvoll leuchteten. Im Norden des Pyramidenareals von Tajin sind Nischen mit Mäandermotiven zu finden, was sich in einer Leichtigkeit und Geräumigkeit äußert. Über den Nischen erhebt sich ein Sims der die einzelnen Stufen umgibt. In der totonakischen Architektur wurde mit einer Art Überdachung gearbeitet, die eine Stärke von 90 Zentimeter erreichen konnte. Dabei wurde eine Schicht auf die andere gelegt bis die gewünschte Festigkeit erreicht war. Das Material, was dazu verwendet wurde, bestand aus Kalk, Keramikbruchstücke, Sand, Meeresmuscheln und weitere Zusätze.

In der Kunst der Totonaken sind kleine Figürchen dargestellt worden, die aus weißlich gebrannten Ton hergestellt worden. Ihre Details wie Augen, Brustwarze u. a. sind durch rotes Harz betont wurden. Man stellte sie erst mit der Hand her, später durch Pressen in eine Form. Die Figürchen stellen sitzende oder stehende Frauen dar in zeitgenössischen Gewändern. Gesicht und Kleidung waren oftmals mit geometrischen Motiven bemalt (Viereck, Mäander u. a.).
Ferner wurden von den Totonaken Figuren hergestellt, die so optimistisch gestimmte plastische Darstellungen zeigen wie sie in ganz Altamerika nicht zu finden sind. Dieses Lächeln wird aber ein rituelles Motiv besitzen. Es wurden Tänzer, Tänzerinnen, Figuren bei der Arbeit und andere hergestellt.

Was Erstaunen unter den Archäologen hervorrief, sind die realistischen Figuren sitzender Frauen, die wohl vornehme totonakische Frauen darstellen. Jedes der Figürchen trägt individuelle Züge, obwohl eine allgemeine Stilisierung beibehalten ist. Der verwendete Werkstoff ist Lehm, der die Möglichkeit bietet, die Feinheit, Schattierung und Übergänge auszudrücken. Den Eindruck, den diese Werke hinterlassen, ist außergewöhnlich. Im Gebiet der heutigen Stadt Remojadas sind die hohlen Frauenplastiken gefunden worden. Einige von ihnen haben einen unverhältnismäßig großen Kopf und kurze Beine. Sie zeigten oftmals satirische Gestalten alter Frauen. Es gibt auch hervorragende Formen, die den kindergesichtigen Gott Xipe darstellen, die über die Gesichter die Haut von Opfern gezogen haben. Ausgezeichnete Keramik wurde auf der Insel Isla de Sacrificios und in anderen Orten hergestellt. Sie weist eine außerordentliche Feinheit auf und ist mit stilvollen Linien bemalt. Im mexikanischen Staat Veracruz hat sich eine mit geometrischen Flechten verzierte Keramik erhalten, bei der der Eindruck entsteht, dass es sich um Porzellan handelt.



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