Wenn tatsächlich die Clovis-Leute die ersten Menschen auf nordamerikanischen Boden
gewesen sind, so muß sich der Paläo-Indianer mit hohem Tempo ausgebreitet
haben. In Tierra del Fuego auf Feuerland lassen sich Knochen-, Zahn- und Werkzeugfunde
schon vor 11.000 Jahren eindeutig nachweisen.
Die ersten Menschen haben etwa vor 13.000 Jahren Beringia verlassen und wenn sie danach
immer weiter südwärts vorangekommen sind, so müssen innerhalb von 2.000
Jahren rund 16.000 Kilometer zurückgelegt haben. Dies scheint höchst
unrealistisch. Sie kannten das Land nicht, sie konnten keinen Wegen folgen und die
Landschaft und das Klima änderten sich ständig. Zwischen der Steppen-Tundra
Beringias und dem tropischen Regenwald in Südamerika können die Unterschiede
kaum größer sein. Die tauenden Eismassen und der hohe Wasserstand der Flüsse
wird das Weiterkommen enorm behindert haben. Die Menschen mußten sich desto weiter
sie südwärts kamen auf eine andere Fauna und Flora einstellen. Ständig
mußten neue Lager aufgebaut, eingerichtet und wieder abgebaut werden. Der Kontakt
zu benachbarten und verwandten Sippen mußte gehalten werden. Nahrungsmittelknappheit
könnten eine weitere Folge gewesen sein. Und welcher Mensch verläßt
vertraute Umgebung und zieht ins Unbekannte? Auch die Paläo-Indianer werden eine
vertraute Umgebung vorgezogen haben.
Mit all diesen Überlegungen wird man feststellen, dass es bereits vor Clovis
Menschen in Amerika gegeben haben muß. Zahlreiche Fundorte, die in diese Zeit passen,
sind untersucht worden, jedoch ist ihr Alter bis heute umstritten. Zahlreiche Wissenschaftler
halten trotz alledem die Clovis-Kultur als die älteste Besiedlungsstufe und sind
nicht der Meinung das es ältere gibt.
Altersbestimmungen sind fast immer umstritten. 1964 gab es 50 Fundstellen, die vor Clovis
datiert worden, jedoch 25 Jahre später stand keine einzige mehr zur Debatte. Skepsis
kam auf. Doch kann man das auf alle Funde verallgemeinern?
In der Kalksteinhöhle Orogrande Cave in New Mexico wurden Knochen von Pferden und
Kamelen, Steinsplitter und Holzkohle entdeckt, die bereits ein Alter von 28.000 Jahren
besitzen könnten.
Zahlreiche Fragen gibt es bereits bei der Holzkohle. Stammt sie von einem Lagerfeuer oder
entstand sie durch Brände - also auf natürliche Weise. Stammt die Mahlzeit, die
man fand vom Menschen oder wurde sie von Raubtieren hier her verschleppt? Stammen die
30.000 Jahre alten Gesteinssplitter überhaupt aus der Höhle? In Neu Mexico
wurde man auch in der Pendejo Cave fündig. Die vom Menschen bearbeiteten Knochen,
ebenso das Werkzeug, könnten ein Alter von 32.000 bis 51.000 Jahre aufweisen. In
Mexiko wurden Feuerstellen und Obsidianabschläge in Tlapacoya entdeckt, die ein Alter
von über 20.000 Jahre haben könnten. Auch sind die Projektilspitzen von Sandia
aus New Mexico möglicherweise wesentlich älter als die von Clovis. Dies kann
schon für die Steinwerkzeuge von Cactus Hill am Nottoway River zutreffen. Die
ausgegrabenen Relikte wurden auf ein Alter von 18.000 Jahren datiert.
Als wohl bekannteste Fundstelle Nordamerikas gilt Meadowcroft Rockshelter (= Rockshelter
bedeutet Felsüberhang) in Pennsylvania - circa 75 Kilometer von Pittsburgh entfernt.
An diesem Fundort wurden Steinwerkzeuge, Tierknochen und Holzasche freigelegt.
Untersuchungen ergaben ein Alter von 15.000 Jahren - vielleicht auch 19.000 Jahre. Dies
könnte bedeuten, dass Menschen bereits zwei- bis dreitausend Jahre früher
Beringia überquert haben. Meadowcroft Rockshelter war auch schon zwischen 8.500
v. Chr., als letzte Eismassen sich zurückzogen, bis 1000 v. Chr. bewohnt.
Dies beweisen zahlreiche Tierknochen und Geschoßspitzen.
Über den Schichten der archaischen Stufe wurden noch Relikte der sogenannten
Woodland-Kultur entdeckt, die seit 1100 v. Chr. etwa 2.500 Jahre lang hier wohnten.
Ihre Tonscherben fand man, ebenso Kürbiskerne, die auf Ackerbau schließen
lassen. Später bauten die Menschen auch noch Mais an. |