Die Indianer von Nord- Mittel- und Südamerika
Indianer: Lebensweise, Sitten, Bräuche, Geschichte, Sprachfamilien, Stämme, Häuptlinge, Hochkulturen



Das Massaker von Wounded Knee - 29. Dezember 1890


Grastanz der Big Foots Minniconjou am Cheyenne River im August des Jahres 1890.

Die Zusammenhänge mit dem Massaker von Wounded Knee


Die Regierungstruppen unter George Amstrong Custer glaubten an einen leichten Sieg. Jedoch die Sioux mit ihren Verbündeten bereiteten den Weißen in der Schlacht am Little Bighorn, am 25. Juni 1876, eine totale Niederlage.

Dieser Sieg der Indianer brachte die US-Armee durcheinander und stoppte kurze Zeit den brutalen Griff nach Indianerland.

Die Verlierer schworen Sitting Bull blutige Rache. Vierzehn Jahre später machten sie
ihre Absichten war.

Die amerikanische Öffentlichkeit befürwortete die schlimmsten Vergeltungsaktionen gegen
die Indianer.


Geistertanz und Wounded Knee


Wegen der Vernichtung ihrer Kultur und persönlicher Leiden suchten die Indianer des Westens nach übernatürlicher Hilfe. Dabei spielten althergebrachte Glaubensvorstellungen mit christlichen Elementen vermischt und die Vision von einer hoffnungsvollen Zukunft - sogenannte nativistische Religionen - eine wichtige Rolle. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden von einem Medizinmann der Wanapun mit dem Namen Smohalla der sogenannte "Träumer-Kult" verkündet. Ein Jahrzehnt später erlangte der Prophet John Slocum in der Puget-Sound-Region für seine panindianische Shake-Kirche großes Interesse. Auch in den Plains kam es zu einigen messianische Bewegungen, wobei der Paiute-Prophet Wovoka den größten Zuspruch erhielt. Seine Anhänger versammelten sich viele Tage, bildeten einen Kreis und beteten, sangen und tanzten. In seinen Predigten verkündete Wovoka, dass die alte Welt wiederkehren würde und das Land aussehen werde wie vor Ankunft der Weißen. Im Herbst des Jahres 1890 beunruhigte diese Botschaft die Welt der Weißen in den Städten. Den Geistertanz wollte die Indianerpolizei mit Waffengewalt unterdrücken. Die Aufregung stieg noch als gegen Ende des Jahres 1890 im Bereich der Pine-Ridge-Agentur bei einem mißlungenen Versuch die angeblichen Rädelsführer der religiösen Bewegung festzunehmen, Sitting Bull getötet wurde. Vielen Indianern gelang aber die Flucht in die Süd-Dakota-Badlands.


Das Massaker von Wounded Knee


Viele Tote erstarrten in einer grotesken Haltung. Hier ist der Medizinmann der Gruppe zu sehen. Auf ihrem Rückzug wurden sie vom 7. US-Kavallerieregiments, welches unter dem Kommando von Colonel James W. Forsyth stand, abgefangen, der sie nach Pine-Ridge zurückführen wollte. Die Indianer waren am Wounded Knee Creek zusammengetrieben und von 500 Soldaten umstellt worden, die außerdem noch Hotchkiss-Maschinengewehre in Stellung gebracht hatten. Zweidrittel von ihnen waren Frauen und Kinder. Sie bereiteten sich auf den angekündigten Rückmarsch in die Reservation vor. Am nächsten Morgen, es war der 29. Dezember 1890, erklärte Oberst Forsyth den Indianern, sie sind sicher und die Soldaten seien ihre Freunde. Sie müßten allerdings ihre Waffen aushändigen. Die Männer der Gruppe wurden abgesondert und das Lager durchsucht. Bei der Durchsuchung, bei der ein paar Streitäxte, Fleischermesser, Zelthäringe und etwa 40 Gewehre gefunden wurden, löste sich bei einem jungen Indianer ein Schuß. Sofort eröffneten amerikanische Soldaten ein Schnellfeuer. Bei diesem Massaker fielen etwa 300 Männer, Frauen, Kinder, Greise und Kranke. 51 Lakota wurden verletzt. Unter den Verletzten waren vor allem Frauen und Kinder. Zu den Toten gehörte auch der Häuptling der Minneconjou-Sioux Big Foot (siehe Bild unten rechts).

Da ein Schneesturm aufzog, wurden die Toten erst einmal liegen gelassen und zwischen dem 1. und 2. Januar 1891 in einem Massengrab bestattet.

Aber auch 29 Soldaten mußten ebenfalls durch Unachtsamkeit ihrer Kameraden ihr Leben lassen.


Die Sioux-Indianer von Wounded Knee - 82 Jahre danach


Massaker von Wounded Knee. Ein Kavallerist erkundet den Schauplatz. Im November 1972, wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen, marschierten 1.500 Abgeordnete der südlichen und westlichen Reservationen und Ghettos nach Washington. Sie kamen in drei Kolonnen in die Hauptstadt der USA um konkrete Vorschläge zur Verbesserung ihrer Lage vorzulegen.

Big Foot, Opfer beim Massaker von Wounded Knee Vernon Bellekourt, ein Angehöriger der Sioux-Oglala sagte: «Die größte Armut in den Vereinigten Staaten herrscht unter den Indianern. 85 Prozent leben in unzulänglichen, ständig weiter verfallenden Häusern. Die Arbeitslosenziffer beträgt 47 Prozent, die Lebenserwartung 42 Jahre».

Die Indianer besaßen im Jahre 1887 135 Millionen Morgen Land, heute sind es noch 55 Millionen. Ihre Forderung war die Rückgabe von weiteren 55 Millionen Morgen Land. Weiterhin verlangten sie von Washington die Bestätigung von 371 mit den Indianern während der letzten 200 Jahre abgeschlossenen Verträge. Sie erhoben ferner Anspruch auf Regierungsgelder zum Bau von 100.000 neuer Wohnungen und zur Einrichtung von 100.000 Arbeitsplätzen in den Reservationen sowie auf Gesundheitsfürsorge und Bildungsmöglichkeiten. Die Regierung versprach den Indianern zu helfen, jedoch wurden 113.000 Dollar für indianische Schulen gestrichen. Als Vorwand diente die beschädigte Einrichtung im BIA und die Beschlagnahme von Akten durch die Indianer.

Erst Tage später wurden die steifgefrorenen Körper auf Wagen verladen und in einem Massengrab beigesetzt. Im März 1973 drangen 200 Indianer im Morgengrauen in Wounded Knee ein und verbarrikadierten sich in einer kleinen Kirche und in fünf Häusern. Diese Aktion der "Amerikanischen Indianerbewegung" erregte ein großes Aufsehen in der ganzen Welt. Zur gleichen Zeit überreichten Sioux-Häuptlinge bei der UNO einen Protest gegen die Unterdrückung ihres Volkes. Nicht einmal ihre Stammessprache wurde ihnen in den Reservationsschulen gelehrt.

Die Indianer waren mehr als früher entschlossen, um die Rechte ihres Volkes zu kämpfen. Wounded Knee wurde nicht zufällig als der Ort ihres Kampfes gewählt. Hier waren die Sioux, darunter Frauen und Kinder, in dem Massaker im Jahre 1890 ermordet worden. Jeder Widerstand der Sioux schien damals für alle Zeiten gebrochen zu sein. Aber im März 1973 erhoben sich die Stämme und machten auf sich aufmerksam.

Die Polizei hatte Wounded Knee mit Panzerfahrzeugen umstellt. Hier Befehl lautete: "Aushungern!". Die Behörden mußten wegen zahlreicher Proteste zunächst Nachgeben vortäuschen, aber die Soldaten schossen auf alles, was sich in Wounded Knee bewegte. Dies war ein Ausdruck der Wut, da die Sioux auf Erfüllung ihrer Forderungen bestanden.

Sie hatten sich mit 11 Geiseln verschanzt, die sich nach mehrtägiger Belagerung mit den Indianern solidarisierten. In New York, vor dem UNO-Gebäude, demonstrierten Vertreter der mächtigen Stämme der Sioux, Cherokee, Navaho und Winnebago zur gleichen Zeit. Mit diesen mutigen Demonstrationen der nordamerikanischen Indianer im Jahre 1973 ist eine neue Phase in der Geschichte der Indianer eingetreten.





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