Die Indianer Nordamerikas - Jagdmethoden der Inuit


Für jede Tierart werden auch von den Inuit verschiedenartige Jagdmethoden angewendet, um der Beute habhaft zu werden.

Mit dem Kajak

stellt man z. B. den Robben nach. Dazu fuhr der Jäger ins offene Wasser und hielt nach jagdbarer Beute Ausschau. Wenn er nun Robben ausgemacht hatte, fuhr er zu der Stelle wo das Tier zum Atmen wieder auftauchen mußte. War er noch zuweit von diesem Ort entfernt, so verhielt er sich sobald die Beute auftauchte völlig ruhig und bewegte sich erst wieder sobald das Tier abtauchte. Um die Auftauchstelle richtig einschätzen zu können, spielte die Tierart, die Stellung der Sonne, die Strömung wie auch der Wind eine wichtige Rolle. Sobald die Robbe auftaucht, schleudert der Jäger seine bereitgehaltene Harpune. Nach der Harpunierung verschwindet die Beute unter die Wasseroberfläche und versucht die Waffe abzuschütteln. Dabei wird der Schaft der Harpune durch die Bewegungen des Tieres von der Spitze gelöst. Die Harpunenspitze ist jedoch mit einer acht bis fünfzehn Meter langen Leine verbunden an der ein Schwimmkörper befestigt ist. Der Jäger orientiert sich am Schwimmkörper, der selten untertaucht, da die Zugkraft des Tieres nicht ausreicht. Die Flucht der Robbe wird durch den Schwimmkörper gebremst, was die Robbe zum immer häufigeren Auftauchen nach Atmenluft zwingt. Durch lautes Paddeln wird die Robbe zur Panik getrieben bis sie vollkommen erschöpft ist. Mit einer Lanze tötet der Jäger nun das Tier.
Belugas, Walrosse und Narwale werden von ganzen Umiakbesatzungen gejagt oder man treibt sie mit Kajaks ins seichte Wasser, wo sie sich nicht mehr bewegen können und erlegt sie mit Speeren.

Mit dem Netz

Im Herbst fängt der Jäger die Robben mit großmaschigen aus Lederriemen geknüpften Netzen. Dazu werden sie an seichten Stellen unter dem Eis aufgehängt. In den Maschen von etwa 30 mal 30 Zentimeter erwürgen sich die Robben im Zweilicht des Tageslichtes, da die Tiere nur sehr schlecht sehen können. Andere Robben lassen sich besser in der Nacht fangen, weshalb der Jäger zweimal am Tag die Netze kontrollieren muß.

Zum Anbringen eines Netzes schlägt der Jäger eine Reihe Löcher von 20 mal 30 Zentimeter Größe in das Eis. Der Abstand eines Loches zum nächsten ist abhängig von einer Stange, die von einem Loch zum anderen geschoben wird. An ihr wird das Netz befestigt und durch das Schieben der Stange unter dem Eis gespannt. Sobald sich eine Robbe in dem Netz verheddert hat, erweitert der Jäger ein Loch und zieht das gefangene Tier aus dem Wasser. Dabei darf das Netz nur einen Momemt aus dem Wasser gehoben werden, da es sonst bei 15 bis 30 Grad unter Null sofort gefriert.

Auf dem Eis


In der warmen Jahreszeit ist das Meer nicht zugefroren. Die Robben kommen dann auf den Rand des Festeises oder auf Eisschollen gekrochen, um sich auszuruhen und zu sonnen. Da die Tiere in regelmäßigen Abständen ihre Umgebung mustern und bei etwaiger Gefahr ins rettende Wasser abtauchen, muß sich der Jäger vorsichtig anpirschen. Sobald er in Sichtweite der Tiere gelangt, imitiert er ihr Verhalten, in dem er ähnliche Bewegungen wie sie macht, gleiche Laute wie die Tiere von sich gibt und das Eis kratzt. Diese Gebärden geben Robben von sich, wenn sie das Revier eines anderen betreten. Der Jäger nähert sich auf diese Weise seiner Jagdbeute und erhebt sich blitzschnell beim Erreichen des Tieres, um ihm die Harpune in den Leib zu stoßen.

Von der Eisscholle

Eine weitere Fangmethode ist die Jagd von einer Eisscholle aus. Diese gefahrvolle Art unternahm ein Jäger in Ermangelung eines Bootes, um aber trotzdem auf Robbenjagd gehen zu können. Wichtigste Voraussetzung für diese Jagdmethode waren ruhige Wetterverhältnisse, ein Wind der die Eisschollen in einer Bucht von der einen zur anderen Seite trieb und auf dem Eis sich Robben sonnten. Dann bestieg der Jäger bewaffnet mit einer Harpune eine dieser schwimmenden Eisinseln und beginnt seine Jagd. Mit einem Paddel lenkt er die Scholle zu anderen, um auch die dortigen Tiere zu erlegen.

Polynya und Aglu

Im Winter stellt der Jäger nicht seiner Beute nach, sondern er sucht solche Stellen auf, an denen die Robben notwendigerweise erscheinen müssen, wie offene Rinnen, die durch Ebbe und Flut, durch Sturm oder durch Strömungen entstehen. Diese Orte sind nur auf Eis bedeckten Meer zu finden. Hier gibt es nicht nur Robben, sondern auch andere Säugetiere, die dringend auf Sauerstoff angewiesen sind, wie Belugas, Wale und Narwale.

Diese offenen Wasser werden als Polynya bezeichnet. Sie sind nur wenige Stunden, einige Tage oder auch den ganzen Winter vorhanden, sind allerdings verhältnismäßig selten anzutreffen. Der Jäger errichtet nahe eines solchen Ortes eine Behausung, wenn es die Eissituation erlaubt, um täglich auf Beutezug zu gehen. Eine solche Polynya findet der Jäger durch Beobachtung der Tiere, z. B. durch Wildspuren, kreisende Vögel über einem dieser Wasserlöcher.

Früher fing der Jäger seine Beute mit der Harpune, welche er nur einholen brachte, heute verwendet er ein Gewehr und muß mit dem Boot sein Opfer einholen bevor es auf den Boden sinkt. Im tiefsten Winter - also bei größter Kälte - lauert der Jäger die Robben an ihren Atemlöchern auf. Um diese zu finden, ist die Hilfe von Hunden nötig. Manchmal dauerte eine solche Jagd einige Stunden, aber auch Tage konnten es werden.

Es ist weder etwas zu hören noch etwas zu sehen, wenn die Robbe zum Atmen an eines ihrer Atemlöcher auftaucht. Der Jäger benutzt deshalb eine Vorrichtung, die die Veränderung des Luftdrucks anzeigt. Sobald ein Tier erscheint, stößt der Jäger die Harpune seiner Beute in den Kopf. Nun ist Eile geboten, denn der Harpunenschaft und die -leine müssen aus dem Loch geholt werden. Mit einem Eismeißel erweitert er dann das Loch und zieht die Jagdbeute auf das Eis. Sollte die Robbe noch nicht tot sein, erhält sie einen kräftigen Schlag auf den Kopf.

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